Schritt 1: Die Anzeige verstehen
Wohnungsanzeigen sind in einer eigenen Kurzsprache geschrieben. Die wichtigsten Abkürzungen und Begriffe:
| Abkürzung / Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| 2 ZKB, 3 ZKBB | 2 Zimmer, Küche, Bad – 3 Zimmer, Küche, Bad, Balkon. Küche und Bad zählen nicht als Zimmer; „2 Zimmer“ heißt Wohnzimmer + Schlafzimmer. |
| qm / m² | Quadratmeter Wohnfläche |
| KM – Kaltmiete | Miete ohne Nebenkosten |
| NK – Nebenkosten / Betriebskosten | Heizung, Wasser, Müll, Hausmeister, Reinigung – monatliche Vorauszahlung, jährliche Abrechnung |
| WM – Warmmiete | Kaltmiete + Nebenkosten = was Sie monatlich überweisen (Strom und Internet meist extra) |
| KT – Kaution | Sicherheit, maximal drei Kaltmieten, in drei Raten zahlbar, am Ende zurück |
| EBK | Einbauküche vorhanden – sonst ist die Küche in Deutschland oft leer |
| EG / 1. OG / DG / HH / VH | Erdgeschoss / 1. Obergeschoss / Dachgeschoss / Hinterhaus / Vorderhaus |
| Altbau / Neubau / Erstbezug | vor ca. 1949 gebaut (hohe Decken, oft ohne Aufzug) / neu / noch nie bewohnt |
| WBS | Wohnberechtigungsschein – nötig für Sozialwohnungen, beim Wohnungsamt zu beantragen, einkommensabhängig |
| WG / WG-Zimmer | Wohngemeinschaft – ein Zimmer in einer geteilten Wohnung |
| provisionsfrei / Courtage | ohne Maklergebühr; bei Mietwohnungen zahlt seit 2015 der Auftraggeber (meist der Vermieter) den Makler |
| befristet / unbefristet | Mietvertrag mit Enddatum / ohne Enddatum |
| Untermiete / Zwischenmiete | Sie mieten vom Hauptmieter, nicht vom Eigentümer – oft zeitlich begrenzt |
| ab sofort / ab 01.11. / nach Vereinbarung | Verfügbarkeit |
| TG-Stellplatz, Keller, Abstellraum, Aufzug, Balkon, Terrasse, Gäste-WC | Ausstattung – meist als Liste |
| Energieausweis, Energieeffizienzklasse | Pflichtangabe zum Energieverbrauch (A = sparsam, H = hoch) |
Schritt 2: Die Anfrage schreiben
Auf beliebte Wohnungen kommen Dutzende Anfragen. Die Ihre wird gelesen, wenn sie kurz, vollständig und formell ist – Vermieter wollen auf einen Blick wissen, wer Sie sind und ob Sie zuverlässig zahlen. Aufbau und Muster:
| Teil | Formulierung |
|---|---|
| Betreff | Anfrage: 2-Zimmer-Wohnung Musterstraße 12 (Anzeige Nr. 12345) |
| Anrede | Sehr geehrte Frau Weber, / Sehr geehrter Herr Weber, / Sehr geehrte Damen und Herren, |
| Bezug | mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige für die 2-Zimmer-Wohnung in der Musterstraße gelesen. |
| Wer Sie sind | Ich bin 34 Jahre alt, arbeite seit drei Jahren als Elektriker bei der Firma Meyer GmbH in unbefristeter Anstellung und suche eine Wohnung für mich und meine Frau, die als Erzieherin tätig ist. |
| Warum Sie passen | Wir sind Nichtraucher, haben keine Haustiere und legen Wert auf ein ruhiges, gepflegtes Zuhause. Unser gemeinsames Nettoeinkommen beträgt … Euro. |
| Unterlagen | Gehaltsnachweise, SCHUFA-Auskunft und eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung kann ich Ihnen gern sofort zusenden. |
| Bitte | Über die Möglichkeit einer Besichtigung würde ich mich sehr freuen. Ich bin telefonisch jederzeit unter … erreichbar. |
| Gruß | Mit freundlichen Grüßen Amir Haddad Telefon, E-Mail |
Der Aufbau ist derselbe wie bei jedem formellen Brief – siehe Briefe & E-Mails schreiben. Wer die Sprache noch nicht sicher hat, sollte die Anfrage vor dem Absenden korrigieren lassen: Ein fehlerfreier Text signalisiert Zuverlässigkeit.
Schritt 3: Die Besichtigung
Bei der Besichtigung haben Sie oft nur wenige Minuten, meist zusammen mit anderen Interessenten. Vorbereitete Fragen zeigen, dass Sie es ernst meinen:
| Wonach Sie fragen sollten | Formulierung |
|---|---|
| Nebenkosten und Heizung | Wie hoch sind die Nebenkosten ungefähr? Wie wird geheizt – Gas, Fernwärme, Öl? Wie hoch war die letzte Abrechnung? |
| Verfügbarkeit und Vertrag | Ab wann ist die Wohnung frei? Ist der Vertrag unbefristet? Wie hoch ist die Kaution? |
| Zustand und Renovierung | Wird die Wohnung vor dem Einzug renoviert? Bleibt die Einbauküche? Muss ich beim Auszug renovieren? |
| Haus und Umgebung | Wie ist die Nachbarschaft? Gibt es einen Keller / einen Fahrradraum? Wo ist der nächste Supermarkt / die nächste Haltestelle? |
| Nächster Schritt | Welche Unterlagen benötigen Sie von mir? Bis wann entscheiden Sie? Kann ich Ihnen die Unterlagen gleich mitgeben? |
Und was Sie sagen sollten: eine Kurzvorstellung in drei Sätzen (siehe Sich vorstellen), pünktlich erscheinen, die Unterlagen als Mappe oder PDF dabei haben und sich mit Vielen Dank für die Besichtigung – ich würde mich sehr über eine Zusage freuen verabschieden.
Schritt 4: Die Unterlagen
- Mieterselbstauskunft: Formular des Vermieters mit Angaben zu Person, Beruf, Einkommen, bisherigen Wohnungen. Pflicht sind nur Fragen, die für das Mietverhältnis relevant sind – nach Religion, Familienplanung, Krankheiten oder Vorstrafen darf nicht gefragt werden.
- Einkommensnachweise: die letzten drei Gehaltsabrechnungen, bei Selbstständigen der letzte Steuerbescheid, bei Studierenden eine Bürgschaft der Eltern oder ein Stipendiennachweis.
- Arbeitsvertrag oder Bescheinigung des Arbeitgebers, besonders wenn Sie neu angefangen haben.
- SCHUFA-Auskunft: die Bonitätsauskunft der SCHUFA, online zu beantragen (kostenpflichtig); wer neu in Deutschland ist, hat noch keine Einträge – das ist erklärbar und kein Nachteil, wenn die anderen Unterlagen stimmen.
- Mietschuldenfreiheitsbescheinigung: der bisherige Vermieter bestätigt, dass Sie keine Mietschulden haben. Bei der ersten Wohnung in Deutschland entfällt sie.
- Ausweis oder Pass mit Aufenthaltstitel als Kopie.
- Wohnberechtigungsschein (WBS), falls die Wohnung öffentlich gefördert ist.
Schritt 5: Der Mietvertrag
Der Vertrag ist lang und in Amtssprache geschrieben. Diese Begriffe müssen Sie verstehen, bevor Sie unterschreiben:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Mietbeginn / Mietdauer | Ab wann, wie lange; unbefristet ist die Regel und für Mieter am sichersten |
| Kaution | Maximal drei Kaltmieten; darf in drei Monatsraten gezahlt werden; muss vom Vermieter getrennt angelegt und nach dem Auszug zurückgezahlt werden |
| Kündigungsfrist | Für Mieter gesetzlich drei Monate, unabhängig von der Wohndauer; Kündigung schriftlich (Brief mit Unterschrift, keine E-Mail) zum Monatsende |
| Staffelmiete / Indexmiete | Miete steigt zu festen Terminen um feste Beträge / mit dem Verbraucherpreisindex – im Vertrag festgelegt |
| Mieterhöhung | Ohne Staffel/Index nur mit Begründung (Mietspiegel), frühestens 15 Monate nach Einzug, mit Obergrenzen |
| Schönheitsreparaturen | Streichen und kleine Reparaturen; viele Vertragsklauseln dazu sind unwirksam – im Zweifel beim Mieterverein fragen |
| Hausordnung | Regeln des Hauses: Ruhezeiten (meist 22–6 Uhr und mittags), Treppenhausreinigung, Müll, Grillen |
| Übergabeprotokoll | Dokument bei Einzug und Auszug: Zustand der Räume, Zählerstände, Schlüssel – jede Beschädigung eintragen, sonst haften Sie dafür beim Auszug |
| Untervermietung | Ob und mit welcher Erlaubnis Sie Zimmer weitervermieten dürfen |
| Betriebskostenabrechnung | Jährliche Abrechnung der Nebenkosten; Nachzahlung oder Guthaben; Sie haben das Recht, die Belege einzusehen |
Bei Unsicherheit lohnt die Mitgliedschaft in einem Mieterverein: Er prüft Verträge, Nebenkostenabrechnungen und Mieterhöhungen für einen niedrigen Jahresbeitrag. Wie man die Briefe versteht, die danach kommen, steht unter Behördenbriefe verstehen; wie man sich beschwert, wenn etwas nicht in Ordnung ist, unter Beschwerde & Reklamation.
Schritt 6: Nach dem Einzug
- Wohnungsgeberbestätigung bei der Schlüsselübergabe vom Vermieter verlangen – ohne sie keine Anmeldung.
- Anmeldung beim Bürgeramt / Einwohnermeldeamt innerhalb von zwei Wochen; in Großstädten Termin früh online buchen.
- Strom selbst anmelden – sonst läuft die teurere Grundversorgung; Internet bestellen (Wartezeit einplanen).
- Rundfunkbeitrag anmelden (pro Wohnung, nicht pro Person).
- Namensschilder an Klingel und Briefkasten – sonst kommt keine Post.
- Adressänderung bei Bank, Arbeitgeber, Krankenkasse, Versicherungen, Ausländerbehörde, Führerscheinstelle; bei der Post einen Nachsendeauftrag stellen.
- Nachbarn kurz begrüßen – Guten Tag, ich bin der neue Mieter aus dem zweiten Stock – das erleichtert alles Weitere. Siehe Du oder Sie?
Typische Fehler – und was dagegen hilft
| Fehler | Was dagegen hilft |
|---|---|
| Anfrage in einem Satz – Ist die Wohnung noch frei? | Wird bei Andrang ignoriert. Die vollständige Anfrage mit Person, Beruf, Einkommen und Unterlagen – sechs bis acht Sätze. |
| Anfrage per Du oder ohne Anrede | Formell: Sehr geehrte …, Sie, Mit freundlichen Grüßen. Auch wenn die Plattform locker wirkt. |
| Warmmiete mit Kaltmiete verwechseln | Immer nach der Warmmiete und den tatsächlichen Nebenkosten der letzten Abrechnung fragen; dazu Strom und Internet rechnen. |
| Übergabeprotokoll unterschreiben, ohne es zu lesen | Jeden Kratzer, jeden Fleck eintragen und fotografieren. Was nicht drinsteht, wird beim Auszug Ihnen zugerechnet. |
| Unterlagen zu spät | Mappe vor der ersten Besichtigung fertig haben – wer sofort liefert, ist vorn. |
| Wohnungsgeberbestätigung vergessen | Bei der Schlüsselübergabe verlangen; der Vermieter ist gesetzlich verpflichtet, sie auszustellen. |
| Kündigung per E-Mail | Eine Kündigung muss schriftlich mit Unterschrift erfolgen – per Brief, am besten per Einschreiben. |
| Vorkasse oder Kaution vor der Besichtigung | Betrugsmasche: Nie Geld überweisen, bevor Sie die Wohnung gesehen und den Vertrag unterschrieben haben. Seriöse Vermieter verlangen das nicht. |
Was auf welcher Stufe möglich ist
| Stufe | Was Sie schaffen |
|---|---|
| A1 | Anzeigen mit Wörterbuch entziffern; Zahlen, Preise, Termine verstehen; einfache Fragen bei der Besichtigung (Wie hoch ist die Miete? Ab wann?) |
| A2 | Eine Anfrage nach Muster schreiben; die Besichtigung mit vorbereiteten Fragen führen; Nachbarn begrüßen; Termine beim Bürgeramt vereinbaren – Situationen, die auch im DTZ vorkommen |
| B1 | Anfrage frei formulieren; Rückfragen des Vermieters beantworten; den Mietvertrag mit Hilfe verstehen; Mängel melden; Nebenkostenabrechnung nachvollziehen |
| B2 | Vertrag selbstständig prüfen; mit dem Vermieter verhandeln; Beschwerde und Mietminderung schriftlich; Widerspruch gegen eine Abrechnung |
So arbeiten wir im Unterricht daran
Wer gerade eine Wohnung sucht, bringt das Material mit: die Anzeigen, die Sie interessant finden, den Entwurf Ihrer Anfrage, den Vertrag, den Sie bekommen haben. Im Einzelunterricht entschlüsseln wir die Anzeigen gemeinsam, überarbeiten die Anfrage, bis sie fehlerfrei und überzeugend ist, spielen die Besichtigung mit Fragen und Antworten durch und gehen den Mietvertrag Absatz für Absatz durch – nicht als Rechtsberatung, sondern als Sprachtraining, damit Sie verstehen, was Sie unterschreiben. Das Gleiche gilt für die Zeit danach: Anmeldung, Nebenkostenabrechnung, Schriftverkehr mit dem Vermieter. Die Sprache dafür gehört zum Alltagsdeutsch, das auch der DTZ prüft; die formelle Korrespondenz üben wir im Schreibtraining.
Häufige Fragen
Was bedeuten die Abkürzungen in Wohnungsanzeigen?
Die häufigsten: 2 ZKB = 2 Zimmer, Küche, Bad; EBK = Einbauküche; KM = Kaltmiete; NK = Nebenkosten; WM = Warmmiete; KT = Kaution; EG/OG/DG = Erd-, Ober-, Dachgeschoss; WBS = Wohnberechtigungsschein; WG = Wohngemeinschaft.
Dazu: ab sofort = sofort verfügbar; Erstbezug = noch nie bewohnt; provisionsfrei = ohne Maklergebühr.
Wie schreibe ich eine Anfrage für eine Wohnung?
Kurz, vollständig, formell: Anrede, Bezug auf die Anzeige, wer Sie sind (Alter, Beruf, Anstellung, für wen Sie suchen), warum Sie passen (Nichtraucher, keine Haustiere, sicheres Einkommen), welche Unterlagen Sie sofort vorlegen können, Bitte um Besichtigung, Gruß mit vollem Namen und Telefonnummer.
Sechs bis acht Sätze reichen; bei großem Andrang zählt, dass alle Informationen auf einen Blick da sind.
Welche Unterlagen brauche ich für eine Wohnung in Deutschland?
Üblich sind: Mieterselbstauskunft, die letzten drei Gehaltsabrechnungen oder der Arbeitsvertrag, SCHUFA-Auskunft, Mietschuldenfreiheitsbescheinigung des bisherigen Vermieters, Kopie des Ausweises mit Aufenthaltstitel.
Wer neu in Deutschland ist und noch keine SCHUFA-Historie hat, kann das erklären und ersatzweise Arbeitsvertrag, Kontoauszüge oder eine Bürgschaft anbieten. Nach Religion, Familienplanung oder Krankheiten darf nicht gefragt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Kaltmiete, Warmmiete und Nebenkosten?
Die Kaltmiete ist der Preis für die Wohnung selbst. Die Nebenkosten sind die laufenden Kosten des Hauses (Heizung, Warmwasser, Müll, Hausmeister), die monatlich als Vorauszahlung gezahlt und jährlich abgerechnet werden. Die Warmmiete ist Kaltmiete plus Nebenkosten – der Betrag, den Sie monatlich überweisen.
Strom und Internet sind meist nicht enthalten und werden separat abgeschlossen.
Was muss ich nach dem Einzug tun?
Innerhalb von zwei Wochen beim Bürgeramt anmelden – mit Ausweis und Wohnungsgeberbestätigung, die der Vermieter ausfüllt. Ohne diese Bescheinigung ist keine Anmeldung möglich.
Dazu: Stromvertrag abschließen, Internet bestellen, Rundfunkbeitrag anmelden, Namensschilder anbringen und die neue Adresse bei Bank, Arbeitgeber, Versicherungen und Behörden mitteilen.
Preise
Einzelunterricht
45 € / 60 Min.100 % individuell · alle Niveaus
Kleingruppe
30 € / Person · 60 Min.2–3 Personen · kommunikativ
Prüfungsvorbereitung
50 € / 60 Min.Einzelcoaching · alle Formate
10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage, das Erstgespräch ist kostenlos. Alle Preise unter Was kostet ein Deutschkurs?
Die Wohnung, die Sie wollen – mit der Sprache, die überzeugt
Bringen Sie Ihre Anzeigen, Ihre Anfrage und Ihren Vertrag mit: Im Einzelunterricht machen wir daraus fehlerfreie Texte, sichere Gespräche und einen Vertrag, den Sie verstehen. Das Erstgespräch ist kostenlos.
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