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Grammatik verstehen · A1 bis B2

Unregelmäßige Verben: Die Liste, die Ablautgruppen und die Methode, sie wirklich zu behalten

Die Verben, die man im Deutschen am häufigsten braucht – sein, haben, gehen, kommen, sehen, geben, nehmen, sprechen –, sind fast alle unregelmäßig. Die Liste sieht lang aus, aber sie hat ein System: Die meisten starken Verben folgen einem von wenigen Vokalmustern. Wer diese Muster kennt, lernt Familien statt Einzelfälle. Hier stehen die wichtigsten Verben in Gruppen, die gemischten Verben, der Vokalwechsel im Präsens, die typischen Fehler und ein Lernplan von A1 bis B2.

Regelmäßig, unregelmäßig, gemischt – die drei Typen

TypPräteritumPartizip IIBeispiel
Schwach (regelmäßig)Stamm + -tege- + Stamm + -tmachen – machte – gemacht; arbeiten – arbeitete – gearbeitet
Stark (unregelmäßig)Vokalwechsel, keine Endung in ich/erge- + (neuer) Stamm + -ensprechen – sprach – gesprochen; fahren – fuhr – gefahren
GemischtVokalwechsel und -tege- + neuer Stamm + -tbringen – brachte – gebracht; denken – dachte – gedacht

Die Endungen der Personen sind bei allen drei Typen gleich (siehe Verben konjugieren); was sich unterscheidet, ist der Stamm. Und ein Trost vorweg: Neue Verben, die ins Deutsche kommen, sind immer regelmäßig (googeln – googelte – gegoogelt). Die unregelmäßigen sind eine geschlossene Gruppe alter, sehr häufiger Verben – man lernt sie einmal, dann hat man sie.

Die Ablautgruppen: Verben in Familien lernen

Das Vokalmuster Präsens – Präteritum – Partizip II heißt Ablaut. Die meisten starken Verben gehören zu einer von etwa acht Reihen. Wer die Reihe kennt, kann ein neues Verb oft richtig raten. Die häufigsten Verben jeder Gruppe:

ei – ie – ie

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
bleibenbliebist gebliebenIch bin zu Hause geblieben.
schreibenschriebgeschriebenSie hat eine E-Mail geschrieben.
steigenstiegist gestiegenDie Preise sind gestiegen.
scheinenschiengeschienenDie Sonne hat geschienen.
schweigen, treiben, leihen, verzeihen, entscheiden, vermeidengleiches Muster: schwieg – geschwiegen, entschied – entschieden

ei – i – i (mit kurzem Vokal)

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
schneidenschnittgeschnittenEr hat das Brot geschnitten.
streitenstrittgestrittenSie haben sich gestritten.
greifen, reiten, leiden, beißen, pfeifen, vergleichengriff – gegriffen, litt – gelitten, verglich – verglichen

ie – o – o

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
fliegenflogist geflogenWir sind nach Berlin geflogen.
verlierenverlorverlorenIch habe den Schlüssel verloren.
schließenschlossgeschlossenDas Geschäft hat geschlossen.
ziehenzoggezogenSie ist nach Hamburg gezogen.
bieten, fließen, frieren, genießen, riechen, schieben, verbieten, wiegenbot – geboten, genoss – genossen, roch – gerochen

i – a – u

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
findenfandgefundenHast du eine Wohnung gefunden?
trinkentrankgetrunkenWir haben Kaffee getrunken.
singensanggesungenDie Kinder haben gesungen.
binden, gelingen, klingen, springen, verschwinden, zwingen, sinkengelang – gelungen, sprang – gesprungen, verschwand – verschwunden

i – a – o

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
beginnenbegannbegonnenDer Kurs hat begonnen.
gewinnengewanngewonnenWer hat gewonnen?
schwimmenschwammist geschwommenEr ist eine Stunde geschwommen.

e – a – o

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
sprechen (du sprichst)sprachgesprochenWir haben lange gesprochen.
nehmen (du nimmst)nahmgenommenIch habe den Bus genommen.
helfen (du hilfst)halfgeholfenSie hat mir geholfen.
treffen (du triffst)trafgetroffenWir haben uns getroffen.
sterben, werfen, brechen, empfehlen, gelten, stehlen, verbergen, erschreckenstarb – gestorben, empfahl – empfohlen, galt – gegolten

e – a – e

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
geben (du gibst)gabgegebenEr hat mir die Adresse gegeben.
sehen (du siehst)sahgesehenIch habe den Film gesehen.
lesen (du liest)lasgelesenHast du die E-Mail gelesen?
essen (du isst)aßgegessenWir haben schon gegessen.
vergessen, treten, messen, geschehenvergaß – vergessen, trat – getreten, geschah – geschehen

a – u – a

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
fahren (du fährst)fuhrist gefahrenSie ist mit dem Zug gefahren.
tragen (du trägst)truggetragenEr hat den Koffer getragen.
schlagen (du schlägst)schluggeschlagenDas Herz hat schnell geschlagen.
wachsen, waschen, laden, graben, einladenwuchs – gewachsen, wusch – gewaschen, lud ein – eingeladen

a – ie – a

InfinitivPräteritumPartizip IIBeispiel
schlafen (du schläfst)schliefgeschlafenIch habe schlecht geschlafen.
lassen (du lässt)ließgelassenIch habe das Auto stehen lassen.
fallen, halten, raten, braten, fangen (fing), hängen (hing), laufen (lief), heißen (hieß), rufen (rief), stoßen (stieß)Vokal im Präteritum ie oder i, Partizip wie der Infinitiv: fiel – gefallen, hielt – gehalten, lief – gelaufen, rief – gerufen

Die Einzelgänger, die man einfach können muss

InfinitivPräteritumPartizip IIHinweis
sein (ich bin, du bist, er ist)warist gewesenDas Präteritum wird immer gesprochen: Ich war gestern krank.
haben (du hast, er hat)hattegehabtIch hatte keine Zeit.
werden (du wirst, er wird)wurdeist gewordenAls Passiv-Hilfsverb: worden
gehengingist gegangen
stehenstandgestandenauch: verstehen – verstand – verstanden
kommenkamist gekommenauch: bekommen – bekam – bekommen
tuntatgetan
sitzensaßgesessen
liegenlaggelegen
bittenbatgebetennicht verwechseln mit bieten – bot – geboten
wissen (ich weiß, du weißt)wusstegewusstgemischt

Die gemischten Verben

Eine kleine, sehr häufige Gruppe: Sie ändern den Vokal wie starke Verben, nehmen aber die Endungen der schwachen (-te, -t). Man lernt sie am besten als eigene Liste:

InfinitivPräteritumPartizip II
bringenbrachtegebracht
denkendachtegedacht
kennenkanntegekannt
nennennanntegenannt
rennenrannteist gerannt
brennenbranntegebrannt
sendensandte / sendetegesandt / gesendet
wendenwandte / wendetegewandt / gewendet
wissenwusstegewusst

Auch die Modalverben gehören hierher: können – konnte – gekonnt, müssen – musste – gemusst, dürfen – durfte, wollen – wollte, sollen – sollte, mögen – mochte – gemocht. Sie verlieren im Präteritum den Umlaut, und ihr Präteritum wird – anders als bei den meisten Verben – auch im Gespräch verwendet.

Vokalwechsel im Präsens: du und er/sie/es

Eine Untergruppe der starken Verben ändert schon im Präsens den Vokal – nur in der 2. und 3. Person Singular. Das sind die ersten unregelmäßigen Formen, die man auf A1 lernt:

WechselVerbenBeispiel
e → isprechen, geben, nehmen, essen, helfen, treffen, werfen, vergessen, sterben, brechen, gelten, tretenich gebe – du gibst – er gibt; ich nehme – du nimmst – sie nimmt
e → ielesen, sehen, empfehlen, stehlen, geschehenich lese – du liest – er liest; ich sehe – du siehst
a → äfahren, schlafen, tragen, waschen, fallen, halten, lassen, laufen (äu), fangen, raten, wachsen, einladenich fahre – du fährst – er fährt; ich laufe – sie läuft; ich halte – er hält

Merkregel: Wer im Präsens e → i oder e → ie wechselt, hat auch einen Vokalwechsel in Präteritum und Partizip (e – a – o oder e – a – e). Der Imperativ in der du-Form übernimmt den e → i-Wechsel (Gib! Nimm! Sprich!), nicht aber den Umlaut (Fahr! Schlaf!).

Typische Fehler – und was dagegen hilft

FehlerWas dagegen hilft
Regelmäßig gebildet – ich habe gegeht, er hat geschreibtDas ist der normale Zwischenschritt beim Lernen. Die 30 häufigsten Verben in Ablautgruppen laut und rhythmisch sprechen: schreiben – schrieb – geschrieben, bis der Klang sitzt.
-t statt -en im Partizip – gesprocht, gefindetStarke Verben enden im Partizip immer auf -en. Merkhilfe: Vokalwechsel → -en; nur die gemischten haben Vokalwechsel und -t – und die sind eine feste Liste.
Präteritum mit Endung – ich ginge, er kamteIm Präteritum starker Verben haben ich und er/sie/es keine Endung: ich ging, er kam, sie sprach. Endungen nur bei du (-st), wir (-en), ihr (-t), sie (-en).
Vokalwechsel im Präsens vergessen – er sprecht, du fahrstDie drei Wechselgruppen als Reihe üben: ich spreche, du sprichst, er spricht – mit den 15 häufigsten Verben, im Kontext.
Falsches Hilfsverb – ich habe gefahren, ich bin geschlafenBewegung von A nach B und Zustandswechsel → sein (gefahren, gekommen, aufgestanden, eingeschlafen); alles andere → haben. Siehe Perfekt oder Präteritum.
Vorsilben-Verben nicht erkannt – er hat verstehenAbgeleitete Verben folgen dem Grundverb: stehen – gestanden → verstehen – verstanden, entstehen – entstanden. Ohne ge- bei untrennbaren Vorsilben (be-, ver-, er-, ent-, zer-, emp-, ge-).
Alphabetisch lernen und alles vergessenNach Gruppen lernen, 10 pro Woche, jedes Verb mit einem eigenen Satz. Wiederholung nach 1, 3 und 7 Tagen – siehe die Methode unter Wortschatz aufbauen.

Der Lernplan: Welche Verben auf welcher Stufe

StufeWas dran ist
A1sein, haben, werden in allen Formen; Vokalwechsel im Präsens bei den 15 häufigsten Verben; Partizip II der Alltagsverben (gegangen, gekommen, gesehen, gegessen, getrunken, geschlafen, gefahren, geschrieben, gelesen, gesprochen); Präteritum von sein und haben
A2Partizip II von rund 60 Verben inklusive Vorsilben-Verben (bekommen, verstanden, angefangen, eingeladen); Präteritum der Modalverben; gemischte Verben; sein oder haben sicher
B1Präteritum der starken Verben zum Lesen und in Erzählungen (ging, kam, sah, gab, nahm, sprach, fand, blieb); alle Ablautgruppen erkennen; Plusquamperfekt (hatte gesehen, war gegangen)
B2Aktives Präteritum in Berichten und Zusammenfassungen; seltenere Verben (gelten, erschrecken, verbergen, weichen, schwören); Doppelformen und ihre Bedeutungsunterschiede (hängen – hing / hängte, erschrecken – erschrak / erschreckte); Konjunktiv II aus dem Präteritum (käme, ginge, wüsste)

So arbeiten wir im Unterricht daran

Unregelmäßige Verben lernt man nicht in der Stunde, sondern zwischen den Stunden – die Stunde ist dafür da, sie zu benutzen. Im Einzelunterricht bekommen Sie die Verben in Gruppen und in der Dosis, die zu Ihrem Niveau passt, und wir bauen sie sofort in Gespräche ein: Was haben Sie am Wochenende gemacht? Was ist bei der Arbeit passiert? Das Perfekt wird so zur täglichen Routine, und ab B1 kommen Präteritum-Texte zum Lesen dazu, bis auch die Erzählformen vertraut sind. Wer eine Prüfung vor sich hat, übt die Verben in genau den Textsorten, die dort verlangt werden. Den Rahmen dazu beschreibt Deutsche Grammatik verstehen.

Häufige Fragen

Wie viele unregelmäßige Verben gibt es im Deutschen?

Je nach Zählung etwa 170 bis 200 einfache Verben – dazu kommen ihre Ableitungen mit Vorsilben (sprechen → besprechen, versprechen, aussprechen), die sich genauso verhalten. Für den Alltag bis B1 reichen rund 60 bis 80 Verben, und die kommen so häufig vor, dass man sie beim Lesen und Hören ständig wiedertrifft.

Es ist die kleine Gruppe der häufigsten Verben, die unregelmäßig ist, nicht die Masse.

Was ist der Unterschied zwischen starken, schwachen und gemischten Verben?

Schwache (regelmäßige) Verben bilden Präteritum mit -te und Partizip II mit ge- + -t, ohne den Stammvokal zu ändern: machen – machte – gemacht. Starke Verben ändern den Stammvokal (Ablaut) und haben im Partizip II -en: sprechen – sprach – gesprochen.

Gemischte Verben ändern den Vokal, nehmen aber die schwachen Endungen: bringen – brachte – gebracht, denken – dachte – gedacht, kennen – kannte – gekannt. Im Unterricht fasst man starke und gemischte Verben meist als unregelmäßige Verben zusammen.

Wie lerne ich unregelmäßige Verben am besten?

Nicht alphabetisch, sondern in Ablautgruppen: Verben mit demselben Vokalmuster zusammen lernen – schreiben, bleiben, treiben, steigen, schweigen folgen alle ei – ie – ie. So merkt man sich ein Muster und 8 Verben statt 8 Einzelfälle.

Dazu jedes Verb immer in seinen drei Formen laut sprechen und im Satz benutzen, und die Verben in Portionen von 10 pro Woche mit Wiederholung nach 1, 3 und 7 Tagen.

Brauche ich das Präteritum der unregelmäßigen Verben überhaupt?

Beim Sprechen bis B1 fast nur für sein, haben und die Modalverben – für alles andere reicht das Perfekt, also das Partizip II. Ab B1 brauchen Sie das Präteritum aber zum Lesen (Zeitungen, Erzählungen, Nachrichten) und ab B2 zum Schreiben von Berichten und Zusammenfassungen.

Praktische Reihenfolge: Erst das Partizip II aller wichtigen Verben sicher, dann das Präteritum – zunächst passiv zum Verstehen, dann aktiv.

Welche unregelmäßigen Verben wechseln im Präsens den Vokal?

Eine Untergruppe der starken Verben ändert in der 2. und 3. Person Singular den Vokal: e → i (sprechen – du sprichst, geben – er gibt, nehmen – er nimmt), e → ie (lesen – er liest, sehen – du siehst) und a → ä (fahren – er fährt, schlafen – du schläfst, laufen – er läuft).

Alle anderen Personen bleiben regelmäßig. Diese Verben stehen schon auf A1 – sie sind die ersten unregelmäßigen Formen, die man lernt.

Preise

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30 € / Person · 60 Min.

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