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Grammatik · A1 bis A2

Possessivartikel – mein, dein, sein, ihr und alle ihre Endungen

Possessivartikel zeigen, wem etwas gehört. Die Grundformen sind schnell gelernt, aber zwei Dinge machen sie schwierig: Sie bekommen Endungen wie ein und kein, und bei sein und ihr muss man wissen, worauf sie sich beziehen – auf den Besitzer, nicht auf den Gegenstand. Hier stehen beide Punkte mit vollständigen Tabellen, dazu die Kurzformen von unser und euer und die Verwendung ohne Nomen.

Die acht Grundformen

PersonPossessivartikelBeispiel
ichmeinmein Buch
dudeindein Buch
er / esseinsein Buch
sie (Singular)ihrihr Buch
wirunserunser Buch
ihreuereuer Buch
sie (Plural)ihrihr Buch
Sie (Höflichkeitsform)Ihr (groß)Ihr Buch

Groß oder klein? Ihr mit großem I gehört zur Höflichkeitsform Sie: Wie war Ihre Reise? Das kleine ihr gehört zu sie (sie/Singular oder Plural). Wann welche Anrede passt, klärt Du oder Sie?

Die Endungen: genau wie bei ein und kein

Possessivartikel werden nach demselben Muster dekliniert wie der unbestimmte Artikel ein und die Negation kein. Wer ein kann, kann auch mein.

FallmaskulinneutrumfemininPlural
Nominativmein Vatermein Kindmeine Muttermeine Eltern
Akkusativmeinen Vatermein Kindmeine Muttermeine Eltern
Dativmeinem Vatermeinem Kindmeiner Muttermeinen Eltern
Genitivmeines Vatersmeines Kindesmeiner Muttermeiner Eltern

Die einzigen Formen ohne Endung stehen im Nominativ maskulin und im Nominativ/Akkusativ neutrum. Alles andere bekommt eine Endung. Die Fälle selbst erklärt Die vier Fälle, den Unterschied zwischen Akkusativ und Dativ Akkusativ oder Dativ?

Zwei Informationen in einem Wort

Das ist der Punkt, an dem die meisten Fehler entstehen: Ein Possessivartikel enthält zwei Informationen, die nichts miteinander zu tun haben.

Teilrichtet sich nachBeispiel
Wortstamm (mein-, dein-, sein-, ihr-)dem Besitzersein = er besitzt · ihr = sie besitzt
Endung (-e, -en, -em, -er)dem besessenen Nomen (Genus, Fall, Zahl)seine Schwester, ihren Bruder

Beispiele, an denen man es sieht:

  • Peter besucht seine Schwester. (Besitzer = Peter → sein-; Schwester ist feminin → -e)
  • Anna besucht ihren Bruder. (Besitzer = Anna → ihr-; Bruder ist maskulin, Akkusativ → -en)
  • Das Kind sucht sein Buch. (Besitzer = das Kind → sein-)

Der klassische Fehler: Peter besucht ihre Schwester – wenn die Schwester Peters gemeint ist, ist das falsch. Viele Sprachen richten das Possessivpronomen nach dem besessenen Gegenstand; im Deutschen entscheidet der Besitzer über den Stamm und der Gegenstand nur über die Endung.

unser und euer: das e verschwindet

Diese beiden Formen haben schon im Grundwort ein -er. Kommt eine Endung dazu, fällt in der Aussprache – und bei euer auch in der Schrift – ein e weg:

Fallunsereuer
Nom. maskulinunser Vatereuer Vater
Nom. femininuns(e)re Muttereure Mutter
Akk. maskulinuns(e)ren Vatereuren Vater
Dat. Pluraluns(e)ren Kinderneuren Kindern

Bei unser sind beide Schreibweisen möglich (unsere und unsre); üblich ist die volle Form. Bei euer gilt eure, nicht euere.

Ohne Nomen: das Possessivpronomen

Steht kein Nomen dahinter, spricht man von einem Possessivpronomen. Es bekommt dann die Endung, die sonst der bestimmte Artikel hätte – im Nominativ maskulin also -er, im Neutrum -(e)s:

mit Nomenohne Nomen
Das ist mein Wagen.Das ist meiner.
Das ist mein Buch.Das ist meins. (auch: meines)
Das ist meine Tasche.Das ist meine.
Ich nehme meinen Wagen.Ich nehme meinen.
Ich fahre mit meinem Rad.Ich fahre mit meinem.

Eine Übersicht über alle Pronomenarten gibt es unter Pronomen.

Die deutsche Alternative: Dativ statt Possessivartikel

Bei Körperteilen, Kleidung und persönlichen Empfindungen klingt der Possessivartikel im Deutschen oft schwerfällig. Üblicher ist der bestimmte Artikel plus Dativ:

Grammatisch möglichNatürlicher
Mein Kopf tut weh.Mir tut der Kopf weh.
Ich wasche meine Hände.Ich wasche mir die Hände.
Er hat meinen Mantel genommen.Er hat mir den Mantel weggenommen.

Wer diese Konstruktion benutzt, klingt sofort weniger nach Lehrbuch. Weitere solche Muster stehen unter Verben mit Dativ.

Besitz anders ausdrücken

  • Genitiv: das Auto meines Bruders – schriftlich, formell (siehe Genitiv).
  • von + Dativ: das Auto von meinem Bruder – gesprochene Sprache, völlig normal.
  • Name + s: Annas Auto – ohne Apostroph im Deutschen.
  • gehören + Dativ: Das Auto gehört meinem Bruder.

Häufige Fehler

FalschRichtigRegel
Peter und ihre FrauPeter und seine FrauStamm nach dem Besitzer
Ich sehe mein Bruder.Ich sehe meinen Bruder.Akkusativ maskulin → -en
mit meine Freundinmit meiner Freundinmit + Dativ → -er
euere Kindereure Kindereuer verliert das zweite e
Wie geht es ihrer Familie? (an eine Person, die gesiezt wird)Wie geht es Ihrer Familie?Höflichkeitsform groß
Das ist mein.Das ist meiner / meins / meine.ohne Nomen mit Endung

Wie wir das im Unterricht üben

Possessivartikel sind ein Thema der ersten Wochen – und trotzdem tauchen sie bei vielen Lernenden noch auf B1-Niveau als Fehler auf, weil sie im Sprechen zwei Entscheidungen gleichzeitig verlangen. Wir üben sie deshalb getrennt: erst der Stamm (wem gehört es?), dann die Endung (welcher Fall?), und erst danach beides zusammen in freien Sätzen über Familie, Wohnung und Arbeit. Im Einzelunterricht lässt sich das an Ihren eigenen Sätzen festmachen, in der Kleingruppe im Gespräch miteinander. Welche Kursform für Ihr Niveau passt, steht unter Deutschkurs A1 und Kurse im Überblick.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Possessivartikel und Possessivpronomen?

Der Possessivartikel steht vor einem Nomen: mein Buch, unsere Wohnung. Das Possessivpronomen steht allein und ersetzt das Nomen: Das ist meins.

Die Grundformen sind identisch, nur die Endungen unterscheiden sich in einigen Fällen: mein Wagen, aber Das ist meiner.

Wann sagt man sein und wann ihr?

Der Stamm richtet sich nach dem Besitzer: sein bei er und es, ihr bei sie im Singular und im Plural.

Das Geschlecht des besessenen Nomens spielt nur für die Endung eine Rolle: Peter besucht seine Schwester, Anna besucht ihren Bruder.

Wie werden Possessivartikel dekliniert?

Genau wie ein und kein. Ohne Endung bleiben nur Nominativ maskulin und Nominativ oder Akkusativ neutrum: mein Vater, mein Kind.

Alle anderen Formen bekommen eine Endung: meinen Vater, meiner Mutter, meinem Kind, meine Eltern, meinen Eltern.

Heißt es eure oder euere Kinder?

Es heißt eure Kinder. Bekommt euer eine Endung, fällt das zweite e weg: eure, euren, eurem, eurer.

Bei unser sind beide Schreibweisen zulässig, üblich ist die volle Form: unsere Kinder.

Warum sagt man mir tut der Kopf weh statt mein Kopf tut weh?

Bei Körperteilen, Kleidung und Empfindungen benutzt das Deutsche meist den bestimmten Artikel zusammen mit einem Dativ: Mir tut der Kopf weh, ich wasche mir die Hände.

Der Possessivartikel ist grammatisch nicht falsch, klingt in diesen Sätzen aber ungewohnt und nach Übersetzung.

Preise

Einzelunterricht

45 € / 60 Min.

100 % individuell · alle Niveaus

Kleingruppe

30 € / Person · 60 Min.

2–3 Personen · kommunikativ

Prüfungsvorbereitung

50 € / 60 Min.

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10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage, das Erstgespräch ist kostenlos. Alle Preise unter Was kostet ein Deutschkurs?

Endungen, die automatisch kommen

Possessivartikel verlangen zwei Entscheidungen gleichzeitig – deshalb üben wir sie getrennt und dann zusammen. Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, wo Sie stehen.

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