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Schreiben · B1 und B2

Brief und E-Mail auf Deutsch schreiben

Der Prüfungsteil Schreiben verlangt in fast allen Deutschprüfungen dasselbe: einen Brief oder eine E-Mail mit klarem Anlass. Hier finden Sie den Aufbau, die passenden Redemittel für formell und informell und die offiziellen Kriterien, nach denen bewertet wird – erklärt von einer telc-lizenzierten Prüferin.

Warum ausgerechnet Briefe?

Weil sie die Textsorte sind, die im Alltag in Deutschland tatsächlich gebraucht wird: eine Terminabsage bei der Ärztin, eine Beschwerde beim Vermieter, eine Anfrage bei der Behörde, eine Krankmeldung an die Arbeit. Prüfungen bilden das ab – und zwar auf jeder Stufe von A2 aufwärts.

Das ist eine gute Nachricht: Was Sie für die Prüfung üben, brauchen Sie danach ohnehin. Anders als bei mancher Grammatikübung fällt hier nichts hinten runter.

Der Aufbau, der immer funktioniert

Ob formelle Beschwerde oder informelle Absage – die Struktur ist dieselbe. Wer sie einmal verinnerlicht hat, muss in der Prüfung nur noch füllen.

1

Anrede

Formell: Sehr geehrte Damen und Herren, / Sehr geehrte Frau Bauer, – informell: Liebe Anna, / Hallo Tom,. Nach dem Komma geht es klein weiter.

2

Einleitung: Warum schreiben Sie?

Ein bis zwei Sätze zum Anlass. Ich schreibe Ihnen, weil … / vielen Dank für Ihre E-Mail vom 3. März. Ohne diesen Einstieg wirkt jeder Brief abrupt.

3

Hauptteil: die Punkte der Aufgabe

Jeder vorgegebene Punkt bekommt seinen eigenen Abschnitt, verbunden mit Konnektoren. Reihenfolge frei, Vollständigkeit Pflicht.

4

Schluss: Was soll passieren?

Eine konkrete Erwartung oder Bitte. Ich freue mich über eine kurze Rückmeldung. / Über eine baldige Antwort würde ich mich freuen.

5

Grußformel und Name

Formell: Mit freundlichen Grüßen – informell: Viele Grüße / Liebe Grüße. Kein Komma danach, Name in die nächste Zeile.

Formell oder informell – das Register entscheidet

Der häufigste Punktverlust in Prüfungen ist nicht Grammatik, sondern die falsche Tonlage: ein Hallo an die Behörde oder ein Sehr geehrte Damen und Herren an eine Freundin. Die Aufgabenstellung sagt immer, an wen Sie schreiben.

ElementFormell (Sie)Informell (du)
AnredeSehr geehrte Damen und Herren, / Sehr geehrter Herr Klein,Liebe Sara, / Hallo Jonas,
Einstiegich wende mich an Sie, weil … / vielen Dank für Ihre Nachricht.wie geht es dir? / danke für deine Nachricht!
BitteIch würde Sie bitten, … / Könnten Sie mir bitte mitteilen, …Kannst du mir bitte sagen, …
EntschuldigungIch bitte um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten.Tut mir leid, dass …
SchlussÜber eine baldige Rückmeldung würde ich mich freuen.Melde dich, wenn du Zeit hast!
GrußMit freundlichen GrüßenViele Grüße / Liebe Grüße
Kleinigkeit mit großer Wirkung: Im formellen Brief werden die Anredeformen Sie, Ihnen, Ihr großgeschrieben, im informellen bleibt du, dir, dein klein. Das ist kein Detail für Fortgeschrittene – es fällt sofort auf.

Redemittel für die häufigsten Anlässe

Diese Bausteine decken den größten Teil dessen ab, was in Prüfungen und im Alltag verlangt wird. Es lohnt sich, pro Anlass zwei bis drei Wendungen wirklich sicher zu können.

Beschwerde

Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass … · Das entspricht nicht dem, was vereinbart war. · Ich bitte Sie, das Problem bis zum … zu beheben.

Entschuldigung / Absage

Leider kann ich den Termin am … nicht wahrnehmen. · Ich bitte um Entschuldigung für die kurzfristige Absage. · Wäre ein Ersatztermin möglich?

Anfrage / Bitte um Information

Ich interessiere mich für … und hätte dazu einige Fragen. · Könnten Sie mir mitteilen, ob …? · Für Ihre Auskunft danke ich Ihnen im Voraus.

Einladung / Vorschlag

Ich würde mich freuen, wenn du/Sie … · Wie wäre es, wenn wir uns am … treffen? · Sag/Sagen Sie mir gern Bescheid, ob es passt.

Verknüpfen

außerdem · deshalb · trotzdem · allerdings · da · obwohl · das heißt · zum einen … zum anderen

Vorsichtig formulieren

Ich würde vorschlagen, … · Es wäre schön, wenn … · Könnten Sie eventuell …? · Ich hätte eine Bitte.

Die letzten beiden Karten sind der eigentliche B2-Sprung: Konnektoren machen aus aneinandergereihten Sätzen einen Text, und der Konjunktiv II macht aus einer Forderung eine Bitte. Beides steht ausführlicher unter Deutsche Grammatik verstehen.

Wonach bewertet wird

Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Prüfungsformat, aber inhaltlich geht es fast immer um dieselben drei Bereiche:

  • Inhalt / Aufgabenerfüllung. Sind alle vorgegebenen Punkte behandelt – und zwar erkennbar? Hier gehen die meisten Punkte verloren, obwohl es der am leichtesten zu sichernde Bereich ist.
  • Kommunikative Gestaltung. Funktioniert der Text als Brief? Passen Anrede, Register und Grußformel zum Adressaten? Ist er verknüpft und gegliedert?
  • Sprachliche Richtigkeit. Wortschatz, Strukturen, Rechtschreibung – gemessen an dem, was auf der jeweiligen Stufe erwartet wird, nicht an Fehlerfreiheit.
Aus der Prüfungspraxis: Ich bin telc-lizenzierte Prüferin für die mündliche Prüfung im DTZ (A2–B1) und im Deutsch-Test für den Beruf (B2–C1) und kenne die offiziellen Bewertungskriterien für die schriftlichen Teile genau. Bewertet werden diese Teile zentral, nicht von mir; an privaten Universitäten korrigiere und bewerte ich die Prüfungen meiner eigenen Kurse dagegen selbst. Was dabei am häufigsten passiert: Ein sprachlich guter Text verliert Punkte, weil ein vorgegebener Inhaltspunkt fehlt. Die genauen Kriterien und die erwartete Textlänge unterscheiden sich je nach Prüfung – maßgeblich ist immer die Aufgabenstellung und der Modellsatz Ihres Formats.

Fünf Fehler, die sich leicht vermeiden lassen

  • Kein Anlass in der Einleitung. Der Text springt direkt ins Anliegen und wirkt dadurch unhöflich.
  • Punkt vergessen. Vier Vorgaben, drei bearbeitet – der teuerste und häufigste Fehler. Haken Sie die Punkte auf dem Aufgabenblatt ab.
  • Register gemischt. Sehr geehrte Frau Weber, wie geht's dir? Das passiert unter Zeitdruck öfter, als man denkt.
  • Keine Absätze. Ein Textblock ohne Gliederung wirkt ungeordnet, auch wenn der Inhalt stimmt.
  • Kein Schluss. Der Brief endet nach dem letzten Punkt, ohne zu sagen, was jetzt passieren soll.

Wie wir das trainieren

1

Bausteine sichern

Pro Anlass zwei bis drei Wendungen, die wirklich sitzen – nicht zwanzig, die halb sitzen.

2

Unter Zeitbedingungen schreiben

In der Prüfung haben Sie eine feste Zeit. Wer nur ohne Uhr übt, erlebt am Prüfungstag eine Überraschung.

3

Nach Kriterien korrigieren

Ich korrigiere nicht nur Fehler, sondern bewerte nach den Bereichen, nach denen auch in der Prüfung bewertet wird – damit Sie sehen, wo die Punkte tatsächlich liegen.

4

Denselben Text noch einmal

Der wirksamste Schritt und der, den fast niemand freiwillig macht: dieselbe Aufgabe nach der Korrektur neu schreiben.

Für berufliche Korrespondenz – Angebote, Terminabsprachen, Kundenanfragen – gibt es eine eigene Seite zu Business-Deutsch. Für Anschreiben und Lebenslauf ist Bewerbung auf Deutsch der passende Ort.

Häufige Fragen

Wie lang muss ein Brief in der B1-Prüfung sein?

Die genaue Wortzahl hängt vom Prüfungsformat ab und steht in der Aufgabenstellung – halten Sie sich daran, und orientieren Sie sich beim Üben an den Modellsätzen Ihres Formats.

Wichtiger als die Länge ist die Vollständigkeit: In den meisten Formaten gibt die Aufgabe mehrere Punkte vor, die alle vorkommen müssen. Ein kurzer Text, der alle Punkte abdeckt, wird besser bewertet als ein langer, der einen davon vergisst.

„Sehr geehrte Damen und Herren“ oder „Liebe Frau Müller“?

Das entscheidet die Beziehung, nicht der Geschmack. An Behörden, Firmen und unbekannte Empfänger: Sehr geehrte Damen und Herren,. An eine namentlich bekannte Person in formellem Kontext: Sehr geehrte Frau Müller,. An Menschen, die Sie duzen: Liebe Anna, oder Hallo Anna,.

In Prüfungen sagt die Aufgabenstellung immer, an wen Sie schreiben – die Wahl des Registers ist Teil der Bewertung.

Wonach wird der Prüfungsteil Schreiben bewertet?

Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Prüfung, aber es geht fast immer um drei Bereiche: ob Sie die Aufgabe inhaltlich vollständig erfüllt haben, ob der Text als Brief funktioniert – Anrede, Aufbau, Register, Verknüpfung – und wie korrekt Sprache und Struktur sind.

Der erste Bereich ist der, an dem am meisten Punkte verloren gehen, und zugleich der, den man am leichtesten sichert: alle vorgegebenen Punkte abarbeiten.

Darf ich auswendig gelernte Sätze verwenden?

Feste Wendungen für Anrede, Einleitung und Schluss zu beherrschen, ist ausdrücklich sinnvoll – sie sparen in der Prüfung Zeit und Nerven.

Was nicht funktioniert, ist ein komplett auswendig gelernter Text, der zur Aufgabe nicht passt: Das fällt sofort auf und kostet Punkte im Bereich Inhalt. Lernen Sie also Bausteine, keine ganzen Briefe.

Was ist der häufigste Fehler in Briefen?

Nicht die Grammatik, sondern der Aufbau: Der Text beginnt sofort mit dem Anliegen, ohne den Anlass zu nennen, springt zwischen den Punkten hin und her und endet abrupt.

Ein Brief, der Einleitung, Hauptteil und Schluss klar trennt und die Punkte mit Konnektoren verbindet, wirkt deutlich sicherer – auch wenn er einzelne Grammatikfehler enthält.

Schreiben, das Punkte bringt

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