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Prüfungen · B1–C1

Wie wird eine Deutschprüfung bewertet?

Der häufigste Satz nach einer nicht bestandenen Prüfung lautet: „Ich hatte doch kaum Fehler.“ Genau darin liegt das Missverständnis. Grammatische Korrektheit ist in allen gängigen Prüfungsformaten nur eines von mehreren Kriterien – und meistens nicht das mit dem größten Gewicht. Wer weiß, worauf Prüfende tatsächlich schauen, kann seine Vorbereitung deutlich wirksamer ausrichten.

Rezeptiv und produktiv: zwei ganz verschiedene Bewertungen

PrüfungsteilBewertungBedeutung für Sie
Lesen, Hörenrichtig oder falsch, maschinell auszählbarHier gibt es kein „fast richtig“. Technik und Zeitmanagement entscheiden.
Schreiben, SprechenKriterienraster, von Prüfenden angewendetHier wird in Stufen bewertet – und mehrere Dimensionen zählen gleichzeitig.

Für die rezeptiven Teile heißt das: Es lohnt sich, Aufgabentypen zu trainieren statt Grammatik – siehe Leseverstehen verbessern und Hörverstehen verbessern. Für die produktiven Teile geht es um die Kriterien, die jetzt folgen.

Die vier Kriterien beim Schreiben

Die Formate unterscheiden sich in der Benennung und in der Punktverteilung, aber die Bereiche sind bei telc, Goethe und ÖSD im Kern dieselben:

KriteriumFrage der PrüfendenWas dabei zählt
Aufgabenerfüllung / InhaltIst alles beantwortet, was verlangt war?Alle Inhaltspunkte bearbeitet, Textsorte richtig, Länge im Rahmen, Adressatenbezug passend
Kommunikative Gestaltung / TextaufbauIst der Text als Text erkennbar?Anrede und Schluss, sinnvolle Absätze, Konnektoren, roter Faden, angemessener Register
WortschatzReicht das Vokabular für die Aufgabe?Bandbreite, Genauigkeit, Wortwahl passend zur Textsorte, keine ständigen Wiederholungen
Sprachliche RichtigkeitStören die Fehler das Verständnis?Grammatik, Satzbau, Rechtschreibung – bewertet wird die Wirkung, nicht die Anzahl

Der entscheidende Punkt: In den meisten Rastern wiegt die Aufgabenerfüllung mindestens so viel wie die Korrektheit. Ein sprachlich sauberer Text, der einen von drei Inhaltspunkten vergisst, verliert deshalb mehr als ein Text mit einigen Fehlern, der alles abdeckt. Umgekehrt gilt: Fehler, die die Aussage unklar machen, wirken sich stärker aus als solche, die man beim Lesen überliest.

Was das praktisch bedeutet

  • Aufgabenstellung markieren, bevor Sie schreiben. Die Inhaltspunkte stehen dort meist als Stichpunkte. Jeder abgearbeitete Punkt ist eine Teilnote.
  • Textsorte ernst nehmen. Ein Leserbrief ist kein Aufsatz, eine Beschwerde keine Erzählung. Die Muster stehen unter Leserbrief, Beschwerde und Stellungnahme.
  • Register prüfen. Duzen in einem formellen Brief kostet Punkte in der kommunikativen Gestaltung – siehe Du oder Sie?
  • Absätze machen. Ein Textblock ohne Struktur wird auch dann abgewertet, wenn der Inhalt stimmt.
  • Konnektoren einsetzen. zunächst, außerdem, allerdings, deshalb, abschließend sind billige Punkte – siehe Konnektoren.
  • Lieber sichere Sätze. Ein einfacher richtiger Satz ist besser als ein komplizierter falscher. Das gilt besonders bei Konjunktiv und Passiv.
  • Länge einhalten. Deutlich zu kurze Texte verlieren bei der Aufgabenerfüllung, weil Punkte nicht ausgeführt sind. Sehr lange Texte produzieren mehr Fehler.
  • Fünf Minuten zum Korrekturlesen einplanen, und dabei gezielt auf Ihre eigenen Dauerbrenner schauen – siehe häufige Fehler.

Die mündliche Prüfung

Beim Sprechen kommen zu den inhaltlichen Kriterien zwei hinzu, die es beim Schreiben nicht gibt: Aussprache und Flüssigkeit. Typischerweise wird bewertet:

KriteriumWorauf geachtet wird
AufgabenbewältigungWird die Aufgabe erfüllt – beschreiben, begründen, sich einigen, aushandeln?
InteraktionReagieren Sie auf Ihre Gesprächspartnerin, stellen Sie Rückfragen, übernehmen Sie Initiative?
FlüssigkeitLäuft die Rede zusammenhängend, oder bricht sie bei jedem Wort ab?
WortschatzReicht das Vokabular, gibt es Umschreibungen bei Lücken?
KorrektheitSind die Strukturen so weit richtig, dass die Aussage klar bleibt?
AusspracheIst es gut verständlich? Akzent ist ausdrücklich erlaubt.

Interaktion wird unterschätzt. Wer einen perfekt vorbereiteten Monolog abliefert und die Partnerin ignoriert, verliert Punkte, obwohl die Sprache stimmt. In den Paarprüfungen ist das Reagieren – nachfragen, zustimmen, widersprechen, einen Kompromiss vorschlagen – ein eigenes Kriterium. Formulierungen dafür sammeln Redemittel für die Prüfung und Diskutieren und argumentieren.

Bestehensgrenzen und Teilergebnisse

Die genauen Punktzahlen legt das jeweilige Format fest und sie unterscheiden sich; die verbindlichen Angaben stehen in den Prüfungsordnungen und Modellsätzen der Anbieter. Zwei Strukturmerkmale sind aber fast überall gleich und wichtiger als die exakte Zahl:

  • Schriftlich und mündlich werden getrennt gewertet. In vielen Formaten muss jeder Teil für sich bestanden werden – ein sehr gutes Schreiben rettet ein schwaches Sprechen nicht automatisch.
  • Es gibt Mindestgrenzen, oft in der Größenordnung von etwa 60 Prozent. Wer knapp darunter liegt, hat nicht „fast bestanden“, sondern nicht bestanden – siehe Prüfung nicht bestanden?
  • Beim DTZ gibt es kein einfaches Bestehen oder Durchfallen, sondern ein Ergebnis auf A2- oder B1-Niveau, getrennt für die Teile – siehe DTZ.
  • Bei TestDaF wird in Niveaustufen pro Teilbereich ausgewiesen, nicht als eine Gesamtnote – siehe TestDaF und DSH.

Die typischen Punkteverluste

Was passiertWelches Kriterium leidetWie man es vermeidet
Ein Inhaltspunkt vergessenAufgabenerfüllungStichpunkte abhaken, bevor Sie abgeben
Kein Gruß, keine AnredeKommunikative GestaltungTextsortenmuster vorher lernen
Ein Absatz für den ganzen TextKommunikative GestaltungDrei bis vier Absätze planen
Dieselben fünf Wörter überallWortschatzSynonyme zum Thema vorbereiten
Verbposition im Nebensatz falschSprachliche RichtigkeitGezielt Nebensätze üben
Zu spät angefangen, Text unfertigAufgabenerfüllungZeit vorher aufteilen und einhalten
Nur Monolog in der PaarprüfungInteraktionRückfragen vorbereiten
Thema verfehlt, aber schön geschriebenAufgabenerfüllungAufgabenstellung zweimal lesen

So arbeiten wir in der Vorbereitung damit

In der Prüfungsvorbereitung korrigiere ich Ihre Texte nicht nur, sondern gehe sie entlang der offiziellen Bewertungskriterien mit Ihnen durch – und sage Ihnen, in welchem Kriterium die Punkte fehlen. Grundlage dafür sind die veröffentlichten Raster, langjährige Arbeit damit und meine Lizenz als Prüferin für den mündlichen Teil (DTB B2–C1, DTZ A2–B1); an privaten Universitäten erstelle und bewerte ich die Prüfungen meiner eigenen Kurse selbst. Die schriftlichen Teile der offiziellen Prüfungen werden dagegen zentral bewertet, nicht von mir. Das verändert die Vorbereitung oft grundlegend: Viele Lernende arbeiten monatelang an Grammatik, während ihr eigentliches Problem der Textaufbau oder das Zeitmanagement ist. Sichtbar wird das erst, wenn man nach Kriterien statt nach Fehlerzahl schaut.

Für den mündlichen Teil simulieren wir die Prüfung in Originallänge, inklusive Vorbereitungszeit und der Aufgabe, sich mit einer Partnerin zu einigen. Wie das im Detail abläuft, steht unter Mündliche Prüfung meistern. Was am Prüfungstag selbst zu beachten ist, unter Der Prüfungstag.

Häufige Fragen

Nach welchen Kriterien wird der schriftliche Teil bewertet?

In allen gängigen Formaten nach vier Bereichen: Aufgabenerfüllung beziehungsweise Inhalt, kommunikative Gestaltung und Textaufbau, Wortschatz sowie sprachliche Richtigkeit. Benennung und Gewichtung unterscheiden sich, die Bereiche sind aber im Kern dieselben.

Die verbindlichen Raster und Punktzahlen stehen in den Prüfungsordnungen und Modellsätzen des jeweiligen Anbieters.

Warum bin ich durchgefallen, obwohl ich kaum Fehler hatte?

Weil grammatische Korrektheit nur eines von mehreren Kriterien ist – und meist nicht das schwerste. Wer einen Inhaltspunkt der Aufgabe nicht bearbeitet, verliert bei der Aufgabenerfüllung mehr, als ein fehlerfreier Stil ausgleichen kann.

Häufige Ursachen sind außerdem eine verfehlte Textsorte, fehlende Anrede oder Absätze und ein zu kurzer Text.

Wie viele Punkte braucht man zum Bestehen?

Das legt jedes Format selbst fest; verbindlich sind die Angaben des Anbieters. Häufig liegt die Grenze in der Größenordnung von etwa 60 Prozent.

Wichtiger als die genaue Zahl ist, dass schriftlicher und mündlicher Teil in vielen Formaten getrennt bestanden werden müssen. Ein sehr gutes Ergebnis im einen Teil rettet ein schwaches im anderen also nicht automatisch.

Zählt der Akzent bei der Aussprache gegen mich?

Nein. Bewertet wird die Verständlichkeit, nicht die Nähe zu einer Standardaussprache. Ein hörbarer Akzent ist völlig in Ordnung.

Punkte kostet es erst, wenn einzelne Laute so abweichen, dass Wörter verwechselt werden können, oder wenn die Betonung das Verstehen erschwert.

Was ist beim Sprechen das am häufigsten unterschätzte Kriterium?

Die Interaktion. In Paarprüfungen wird eigens bewertet, ob Sie auf Ihre Gesprächspartnerin reagieren – nachfragen, zustimmen, widersprechen, einen Kompromiss vorschlagen.

Ein perfekt vorbereiteter Monolog, der die andere Person ignoriert, verliert dort Punkte, auch wenn die Sprache stimmt.

Preise

Einzelunterricht

45 € / 60 Min.

100 % individuell · alle Niveaus

Kleingruppe

30 € / Person · 60 Min.

2–3 Personen · kommunikativ

Prüfungsvorbereitung

50 € / 60 Min.

Einzelcoaching · alle Formate

Das Erstgespräch ist kostenlos, 10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage.

Nach Kriterien üben statt nach Gefühl

Wenn Sie wissen wollen, wo Ihre Punkte wirklich verloren gehen, schicken Sie mir einen Ihrer Texte. Ich bewerte ihn mit dem Prüfungsraster und sage Ihnen, an welchem Kriterium wir ansetzen sollten.

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