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Grammatik verstehen · B1 bis B2

Infinitiv mit zu

Ich habe vor, nächstes Jahr die B2-Prüfung zu machen. Sobald zwei Verben in einem Satz stehen und das erste kein Modalverb ist, kommt das kleine Wort zu ins Spiel – und mit ihm die Fragen: Wo steht es bei trennbaren Verben? Wann fällt es weg? Wann Komma? Und wann um … zu statt damit? Hier stehen die Regeln, die Auslöser und die typischen Fehler.

Die Grundidee

Ein Infinitivsatz ist ein verkürzter Nebensatz: Er hat kein eigenes Subjekt und kein konjugiertes Verb, sondern endet auf zu + Infinitiv. Das Subjekt ergibt sich aus dem Hauptsatz:

  • Ich hoffe, die Prüfung zu bestehen. (= Ich hoffe, dass ich die Prüfung bestehe.)
  • Es ist wichtig, jeden Tag zu üben.
  • Ich habe keine Zeit, lange zu warten.
  • Sie hat mir empfohlen, einen Kurs zu machen.

Der Infinitiv mit zu steht – wie das Verb im Nebensatz – am Ende. Alles, was zum Infinitiv gehört (Objekte, Angaben), kommt davor.

Wo steht zu? Die Formregeln

VerbtypRegelBeispiel
einfaches Verbzu vor dem Infinitiv, getrenntIch versuche, pünktlich zu kommen.
trennbares Verbzu zwischen Vorsilbe und Verb, ein WortIch habe vergessen, Sie anzurufen. – Er hat vor, früh aufzustehen.
untrennbares Verb (be-, ver-, er-, ent-, emp-, ge-, zer-, miss-)zu davor, getrenntEs ist schwer, das zu verstehen.
Verb auf -ierenzu davor, getrenntIch habe keine Lust, das zu diskutieren.
Infinitiv Perfekt (B2)zu vor haben/seinEr behauptet, das nicht gewusst zu haben.
Passiv-Infinitiv (B2)zu vor werdenEr hofft, eingeladen zu werden.

Die trennbaren Verben sind die Fehlerquelle: anzurufen, einzukaufen, mitzubringen, vorzubereiten – zu sitzt in der Mitte, und alles wird zusammengeschrieben. Welche Vorsilben trennbar sind, steht unter Trennbare Verben.

Wann steht der Infinitiv mit zu?

Nach drei Arten von Auslösern – jeweils mit den häufigsten Beispielen:

Auslöserhäufige BeispieleSatz
Verbenanfangen, beginnen, aufhören, vergessen, versuchen, vorhaben, planen, hoffen, sich freuen, sich weigern, versprechen, vorschlagen, empfehlen, bitten, erlauben, verbieten, raten, helfen, scheinen, vermeiden, sich entscheidenIch habe angefangen, Deutsch zu lernen. – Sie bittet mich, ihr zu helfen.
Adjektive nach es istwichtig, schwer, leicht, möglich, nötig, erlaubt, verboten, gesund, interessant, üblich, sinnvollEs ist wichtig, regelmäßig zu sprechen.
Nomen (meist mit haben)Lust, Zeit, Angst, die Möglichkeit, die Absicht, die Gelegenheit, das Ziel, der Plan, der Wunsch, Spaß, SchwierigkeitenIch habe keine Lust, heute zu kochen. – Er hat die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten.

Wann bleibt der Infinitiv ohne zu?

Eine feste Gruppe von Verben nimmt den reinen Infinitiv – ohne zu und ohne Komma. Diese Liste sollten Sie kennen, weil hier das zu häufig zu viel gesetzt wird:

GruppeVerbenBeispiel
Modalverbenkönnen, müssen, dürfen, sollen, wollen, möchtenIch muss morgen arbeiten. (nicht: zu arbeiten)
Wahrnehmungsehen, hören, spüren, fühlenIch höre ihn singen.
Bewegunggehen, kommen, fahrenWir gehen schwimmen. – Kommst du essen?
lassen, bleiben, werden–Ich lasse das Auto reparieren. – Er bleibt stehen. – Ich werde kommen.
schwankendlernen, helfen, lehrenIch lerne schwimmen. / Ich helfe dir, das Formular auszufüllen. (mit Erweiterung meist zu)

Die Modalverben sind der Klassiker: Wer aus dem Englischen I want to go überträgt, schreibt Ich will zu gehen. Im Deutschen nie. Mehr zu den Modalverben und ihrer Satzklammer unter Modalverben.

um … zu, ohne … zu, (an)statt … zu

Drei Infinitivkonstruktionen haben eine feste Einleitung und eine feste Bedeutung. Sie funktionieren nur, wenn das Subjekt des Hauptsatzes auch das (gedachte) Subjekt des Infinitivs ist – sonst braucht man den Nebensatz mit dass:

KonstruktionBedeutunggleiches Subjekt → Infinitivanderes Subjekt → Nebensatz
um … zuZiel, Zweck (wozu?)Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten.Ich lerne Deutsch, damit meine Kinder stolz sind.
ohne … zuetwas passiert nicht (dabei)Er ging, ohne sich zu verabschieden.Er ging, ohne dass jemand es bemerkte.
(an)statt … zuAlternative, die nicht gewählt wurdeSie lernt, statt fernzusehen.Sie lernt, anstatt dass ihr Bruder ihr hilft.

um … zu und damit sind das häufigste Prüfungspaar: Beide drücken einen Zweck aus – um … zu bei gleichem Subjekt, damit bei verschiedenen Subjekten (oder auch bei gleichem). Die Details zu damit und den anderen Konjunktionen stehen unter Nebensätze und Konjunktionen.

Infinitivsatz oder dass-Satz?

Viele Verben erlauben beides. Die Entscheidung folgt einer klaren Regel:

SituationFormBeispiel
Subjekt im Hauptsatz = Subjekt im NebensatzInfinitiv möglich (eleganter)Ich hoffe, dass ich bestehe. → Ich hoffe, zu bestehen.
Objekt im Hauptsatz = Subjekt im Nebensatz (bei bitten, empfehlen, erlauben, raten, helfen)Infinitiv möglichIch bitte Sie, dass Sie mich zurückrufen. → Ich bitte Sie, mich zurückzurufen.
verschiedene Subjektenur dassIch hoffe, dass du bestehst. (kein Infinitiv möglich)
Verben, die keinen Infinitiv erlaubennur dassIch weiß, dass … – Ich glaube, dass … – Sie sagt, dass …

Für Prüfungen ab B1 lohnt sich der Infinitiv: Er ist kürzer, vermeidet die Wiederholung des Subjekts und zeigt, dass Sie die Struktur beherrschen. In der Schreibbewertung zählt das unter „Bandbreite der Strukturen“ – siehe Schreiben üben.

Komma oder nicht?

Die Kommaregeln für Infinitivgruppen sind seit der Rechtschreibreform lockerer, aber nicht beliebig. Drei Fälle mit Pflichtkomma, ein Fall mit Wahlfreiheit:

FallKommaBeispiel
mit um, ohne, (an)statt, außer, alsPflichtIch lerne, um zu bestehen.
abhängig von einem NomenPflichtIch habe die Absicht, zu kündigen.
angekündigt durch es, darauf, daran, dazu …PflichtIch freue mich darauf, Sie kennenzulernen. – Es ist wichtig, pünktlich zu sein.
einfacher Infinitiv nach Verb, ohne Erweiterungfrei (meist ohne)Ich versuche zu schlafen.
erweiterter Infinitiv nach Verbfrei (empfohlen: mit)Ich versuche, jeden Abend früh zu schlafen.

Praktischer Rat für Lernende: Setzen Sie das Komma vor jeder erweiterten Infinitivgruppe. Es ist nie falsch, macht den Satz lesbarer und erspart die Frage, ob gerade ein Pflichtfall vorliegt.

haben + zu, sein + zu, brauchen + zu (B2)

Drei Konstruktionen mit zu ersetzen Modalverben – typisch für Anweisungen, Behördentexte und formelle Schreiben:

KonstruktionentsprichtBeispiel
haben + zumüssen (aktiv)Sie haben das Formular bis Freitag einzureichen. = Sie müssen es einreichen.
sein + zumüssen / können (passiv)Der Antrag ist persönlich abzugeben. = Er muss abgegeben werden. – Das Problem ist leicht zu lösen. = Es kann gelöst werden.
nicht brauchen + zunicht müssenSie brauchen nicht zu kommen. = Sie müssen nicht kommen.

sein + zu ist eine der häufigsten Passiv-Ersatzformen in Behördenbriefen (Die Unterlagen sind vorzulegen) – mehr dazu unter Passiv und Behördenbriefe verstehen. brauchen ohne zu (Du brauchst nicht kommen) ist gesprochen verbreitet; die Standardform hat zu.

Was auf welcher Stufe verlangt wird

StufeErwartung
A2Feste Wendungen: Ich habe keine Lust/Zeit, … zu …, Es ist wichtig, … zu …; erste um … zu-Sätze – siehe A2-Kurs
B1Infinitiv mit zu nach den häufigen Verben, Adjektiven und Nomen; zu bei trennbaren Verben; um/ohne/statt … zu; Unterschied zum dass-Satz – siehe B1-Kurs
B2haben/sein/brauchen + zu; Infinitiv Perfekt und Passiv; Kommaregeln sicher; scheinen, pflegen, drohen + zu – siehe B2-Kurs
C1Infinitivkonstruktionen als Stilmittel; Nominalisierung von Infinitivsätzen (um zu bestehen → zum Bestehen); als … zu nach Komparativ

Typische Fehler – und was dagegen hilft

  • zu nach Modalverb: Ich muss zu arbeiten. Gegenmittel: Modalverben, lassen, gehen, sehen, hören → nie zu.
  • zu vergessen: Ich habe vergessen, dich anrufen. Gegenmittel: Zwei Verben, kein Modalverb? Dann zu.
  • zu vor dem trennbaren Verb: zu anrufen, zu einkaufen. Gegenmittel: Vorsilbe + zu + Verb, ein Wort – anzurufen.
  • um … zu mit anderem Subjekt: Ich lerne Deutsch, um meine Kinder stolz zu sein. Gegenmittel: anderes Subjekt → damit.
  • Subjekt im Infinitivsatz: Ich hoffe, ich zu bestehen. Gegenmittel: Der Infinitivsatz hat nie ein Subjekt.
  • Infinitiv nicht am Ende: Ich habe vor, zu machen die Prüfung. Gegenmittel: zu + Infinitiv steht ganz hinten, wie das Verb im Nebensatz – siehe Satzbau.

Infinitivsätze übt man am besten beim Sprechen über Pläne, Absichten und Gründe – Ich habe vor …, Ich versuche …, um … zu … Genau so machen wir es im Unterricht, mit Korrektur an der Stelle, an der zu fehlt oder zu viel ist. Wie ich Grammatik unterrichte, beschreibt die Seite Deutsche Grammatik verstehen.

Häufige Fragen

Wann steht der Infinitiv mit zu?

Wenn ein zweites Verb im Infinitiv von einem Verb (versuchen, vorhaben, vergessen, hoffen, empfehlen, bitten …), einem Adjektiv (Es ist wichtig, …) oder einem Nomen (Ich habe Lust/Zeit/Angst, …) abhängt – und das erste Verb kein Modalverb ist.

Der Infinitiv mit zu steht am Satzende: Ich habe vor, die Prüfung zu machen.

Wann steht der Infinitiv ohne zu?

Nach den Modalverben (können, müssen, dürfen, sollen, wollen, möchten), nach lassen, bleiben, werden, nach Wahrnehmungsverben (sehen, hören, fühlen) und nach Bewegungsverben (gehen, kommen, fahren): Ich muss arbeiten. Wir gehen schwimmen. Ich höre ihn singen.

lernen und helfen schwanken: ohne Erweiterung meist ohne zu, mit Erweiterung meist mit.

Wo steht zu bei trennbaren Verben?

Zwischen Vorsilbe und Verb, in einem Wort: anzurufen, einzukaufen, mitzubringen, vorzubereiten, aufzustehen. Bei untrennbaren Verben und Verben auf -ieren steht zu getrennt davor: zu verstehen, zu studieren.

Was ist der Unterschied zwischen um … zu und damit?

Beide drücken einen Zweck aus. um … zu geht nur, wenn das Subjekt des Hauptsatzes auch das gedachte Subjekt des Infinitivs ist: Ich lerne Deutsch, um hier zu arbeiten. Bei verschiedenen Subjekten braucht man damit: Ich lerne Deutsch, damit meine Kinder mich verstehen.

damit ist auch bei gleichem Subjekt möglich, um … zu bei verschiedenen nicht.

Muss vor dem Infinitiv mit zu ein Komma stehen?

Pflicht ist es bei um/ohne/(an)statt/außer/als … zu, wenn der Infinitiv von einem Nomen abhängt (die Absicht, zu kündigen) und wenn er durch es, darauf, daran usw. angekündigt wird. In den übrigen Fällen ist das Komma freigestellt.

Für Lernende ist der einfachste Weg: Komma vor jede erweiterte Infinitivgruppe – das ist nie falsch.

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