Redewendung, Sprichwort, feste Wendung – was ist was?
| Typ | Merkmal | Beispiel | Wie oft man sie braucht |
|---|---|---|---|
| Redewendung (Idiom) | Bildhaft, Bedeutung nicht aus den Wörtern ableitbar, wird in den Satz eingebaut und konjugiert | jemandem die Daumen drücken, ins kalte Wasser springen, auf dem Holzweg sein | Ständig – im Gespräch, in Medien, im Büro |
| Sprichwort | Ganzer, unveränderlicher Satz mit Lebensweisheit | Übung macht den Meister. – Wer A sagt, muss auch B sagen. | Selten – wirkt schnell belehrend |
| Feste Wendung / Kollokation | Wörter, die üblicherweise zusammenstehen, ohne Bild | eine Entscheidung treffen, Rücksicht nehmen, zur Verfügung stehen | Ständig – siehe Nomen-Verb-Verbindungen |
| Routineformel | Fester Ausdruck für eine Gesprächssituation | Mach's gut! – Das wär's. – Kein Problem. – Wie geht's? | Ständig – schon ab A1 |
Redewendungen für den Beruf – neutral bis gehoben
Diese Wendungen sind in Besprechungen, E-Mails, Zeitungstexten und Prüfungen zu Hause. Sie sind unauffällig, präzise und ab B2 ein Zeichen für guten Stil:
| Redewendung | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| etwas in Angriff nehmen | mit etwas beginnen | Wir nehmen das Projekt nächste Woche in Angriff. |
| etwas ins Auge fassen | etwas planen, erwägen | Wir fassen eine Erweiterung für 2027 ins Auge. |
| etwas zur Sprache bringen | ein Thema ansprechen | Ich möchte noch die Überstunden zur Sprache bringen. |
| auf der Hand liegen | offensichtlich sein | Die Vorteile liegen auf der Hand. |
| etwas unter die Lupe nehmen | genau prüfen | Wir sollten die Kosten unter die Lupe nehmen. |
| etwas in Frage stellen | anzweifeln | Niemand stellt Ihre Kompetenz in Frage. |
| den Rahmen sprengen | zu umfangreich sein | Das würde den Rahmen dieser Sitzung sprengen. |
| etwas auf den Punkt bringen | präzise formulieren | Sie haben das Problem auf den Punkt gebracht. |
| etwas auf die lange Bank schieben | aufschieben | Wir sollten die Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben. |
| etwas unter Dach und Fach bringen | abschließen | Der Vertrag ist unter Dach und Fach. |
| am Ball bleiben | dranbleiben | Ich bleibe am Ball und melde mich Freitag. |
| etwas über den Haufen werfen | einen Plan verwerfen | Die neue Verordnung wirft unsere Planung über den Haufen. |
| grünes Licht geben | genehmigen | Die Geschäftsführung hat grünes Licht gegeben. |
| an einem Strang ziehen | zusammenarbeiten | Wichtig ist, dass alle Abteilungen an einem Strang ziehen. |
| ins kalte Wasser springen / geworfen werden | ohne Vorbereitung anfangen | Am ersten Tag wurde ich ins kalte Wasser geworfen. |
| etwas aus dem Ärmel schütteln | mühelos machen | So eine Präsentation schüttelt sie aus dem Ärmel. |
| zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen | zwei Ziele auf einmal erreichen | Mit dem Online-Kurs schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. |
| die Kirche im Dorf lassen | nicht übertreiben | Lassen wir die Kirche im Dorf – es ist nur eine Verspätung. |
Redewendungen für den Alltag – umgangssprachlich
Diese hört man im Gespräch mit Kollegen, Freunden und Nachbarn – nicht in Briefen:
| Redewendung | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| jemandem die Daumen drücken | Glück wünschen | Morgen ist die Prüfung? Ich drück dir die Daumen! |
| die Nase voll haben | genug haben, genervt sein | Ich hab die Nase voll von diesem Wetter. |
| jemanden auf die Palme bringen | wütend machen | Diese Warteschleife bringt mich auf die Palme. |
| auf dem Holzweg sein | sich irren | Wenn du das glaubst, bist du auf dem Holzweg. |
| das Handtuch werfen | aufgeben | Nach dem dritten Versuch hat er das Handtuch geworfen. |
| Schwein haben | unverdient Glück haben | Da hast du aber Schwein gehabt! |
| unter einer Decke stecken | heimlich zusammenarbeiten | Die beiden stecken unter einer Decke. |
| jemandem auf den Keks / die Nerven gehen | nerven | Der Lärm geht mir auf die Nerven. |
| nur Bahnhof verstehen | nichts verstehen | Bei dem Vortrag habe ich nur Bahnhof verstanden. |
| die Katze im Sack kaufen | etwas ungeprüft kaufen | Ohne Probefahrt kaufst du die Katze im Sack. |
| Tomaten auf den Augen haben | etwas Offensichtliches nicht sehen | Der Schlüssel liegt doch da – hast du Tomaten auf den Augen? |
| ins Fettnäpfchen treten | etwas Peinliches sagen | Mit der Frage nach ihrem Alter bin ich ins Fettnäpfchen getreten. |
| den Faden verlieren | beim Sprechen den Zusammenhang verlieren | Entschuldigung, ich habe den Faden verloren – wo war ich? |
| etwas auf dem Kasten haben | fähig, klug sein | Die neue Kollegin hat wirklich was auf dem Kasten. |
| auf Wolke sieben schweben | verliebt, überglücklich sein | Seit dem Urlaub schwebt er auf Wolke sieben. |
| die Ohren steif halten | durchhalten (Abschiedsgruß) | Halt die Ohren steif! |
| jemandem einen Bären aufbinden | etwas Unwahres erzählen | Das glaube ich nicht – da hat dir jemand einen Bären aufgebunden. |
| alles in Butter | alles in Ordnung | Keine Sorge, alles in Butter. |
| das ist nicht mein Bier | das geht mich nichts an | Wie er das organisiert, ist nicht mein Bier. |
| es schüttet wie aus Eimern | es regnet stark | Nimm den Schirm, es schüttet wie aus Eimern. |
Redewendungen mit Körperteilen
Eine der größten Gruppen – und ergiebig zum Lernen, weil das Bild hilft:
| Redewendung | Bedeutung | Register |
|---|---|---|
| Hals über Kopf | überstürzt | neutral |
| etwas im Griff haben | etwas kontrollieren | neutral |
| jemandem unter die Arme greifen | helfen | neutral |
| ein Auge zudrücken | nachsichtig sein | neutral |
| auf eigenen Beinen stehen | unabhängig sein | neutral |
| Hand und Fuß haben | gut durchdacht sein | neutral |
| den Kopf in den Sand stecken | Probleme ignorieren | neutral |
| etwas auf dem Herzen haben | ein Anliegen haben | neutral |
| kein Blatt vor den Mund nehmen | offen reden | neutral |
| sich etwas hinter die Ohren schreiben | sich etwas merken | umgangssprachlich |
| die Beine in die Hand nehmen | schnell weglaufen | umgangssprachlich |
| jemandem auf der Nase herumtanzen | jemanden nicht respektieren | umgangssprachlich |
| die Haare vom Kopf fressen | sehr viel essen (Kinder) | umgangssprachlich |
| etwas übers Knie brechen | etwas überstürzt entscheiden | neutral |
Die Routineformeln, die jeder ab A1 braucht
- Begrüßung und Abschied: Wie geht's? – Es geht so. / Muss ja. – Mach's gut! – Bis dann! – Schönen Feierabend! – Kommen Sie gut nach Hause.
- Reaktionen: Kein Problem. – Passt schon. – Alles klar. – Das wär's. – Na ja. – Ach so! – Was soll's. – Von mir aus. – Da kann man nichts machen.
- Zustimmung und Ablehnung: Genau. – Das stimmt. – Da bin ich ganz bei Ihnen. – Das sehe ich anders. – Kommt darauf an.
- Glück und Trost: Viel Erfolg! – Toi, toi, toi! – Gute Besserung! – Kopf hoch! – Das wird schon.
- Bei Fehlern: Kein Ding. – Halb so wild. – Schwamm drüber. – Das kann jedem passieren.
Diese Formeln stehen nicht in Grammatikbüchern, aber sie tragen jedes Gespräch – und sie sind der Einstieg in den Small Talk.
Redewendungen lernen: die Methode
Sammeln, was Sie hören
Nicht aus 500er-Listen lernen, sondern das notieren, was Ihnen in Serien, Podcasts, Gesprächen und Zeitungen begegnet – mit dem Satz, in dem es stand. Was Sie einmal gehört haben, hören Sie wieder.
Drei Informationen pro Wendung
Bedeutung, Beispielsatz, Register. die Nase voll haben – genug haben – umgangssprachlich – „Ich hab die Nase voll von den Überstunden.“ Ohne Register ist die Wendung gefährlich.
Das Bild verstehen
Wer weiß, dass Holzweg ein Weg zum Holzholen ist, der im Wald endet, vergisst auf dem Holzweg sein nicht mehr. Für viele Wendungen gibt es eine kurze Geschichte – fragen Sie danach.
Zehn aktiv, der Rest passiv
Wählen Sie zehn Wendungen, die zu Ihrem Leben passen, und bauen Sie sie in Sätze über Ihre Woche ein. Alles andere reicht zum Verstehen. Ein falsch gesetztes Idiom fällt mehr auf als ein fehlendes.
Typische Fehler – und was dagegen hilft
| Fehler | Was dagegen hilft |
|---|---|
| Wörtlich aus der Muttersprache übersetzen – Es regnet Katzen und Hunde | Immer die deutsche Entsprechung suchen: Es schüttet wie aus Eimern. Viele Bilder sind sprachspezifisch. |
| Wörter austauschen – die Nase satt haben, auf dem Holzpfad sein | Redewendungen sind fest – kein Synonym, kein anderer Artikel, keine andere Präposition. Als ganzen Block lernen. |
| Falsches Register – Sehr geehrte Frau Weber, ich habe die Nase voll von den Lieferverzögerungen | Im Brief: Die wiederholten Lieferverzögerungen sind für uns nicht mehr akzeptabel. Register immer mitlernen; im Zweifel neutral formulieren. |
| Zu viele auf einmal – jeder zweite Satz ein Idiom | Eine Redewendung pro Gesprächsthema, in Texten eine pro Absatz. Muttersprachler benutzen sie unauffällig, nicht demonstrativ. |
| Veraltete Wendungen aus alten Lehrbüchern – Das ist mir Wurst, Holla die Waldfee | Nur lernen, was Sie tatsächlich hören. Was in der Liste steht, aber Ihnen nie begegnet, ist wahrscheinlich veraltet oder regional. |
| Grammatik vergessen – Ich drücke dich die Daumen | Auch in Redewendungen gelten die Fälle: jemandem (Dativ) die Daumen drücken – ich drücke dir die Daumen. Siehe Verben mit Dativ. |
| Sprichwörter als Argument – Übung macht den Meister, deshalb … in der Stellungnahme | Sprichwörter gelten in Prüfungstexten als schwaches Argument und wirken belehrend. Stattdessen konkrete Beispiele. |
Was auf welcher Stufe erwartet wird
| Stufe | Erwartung |
|---|---|
| A2 | Routineformeln aktiv (Mach's gut, kein Problem, alles klar, viel Erfolg); erste bildhafte Wendungen verstehen (Daumen drücken, die Nase voll haben) |
| B1 | Die 20 häufigsten Alltagsredewendungen verstehen und einige benutzen; Redewendungen in Hörtexten nicht mehr als Störung erleben; Routineformeln für Beruf und Gespräch sicher |
| B2 | Neutrale Wendungen in Stellungnahmen und Berichten (auf der Hand liegen, in Frage stellen, eine Rolle spielen); umgangssprachliche Wendungen erkennen und vom formellen Register trennen; Redewendungen in Zeitungstexten und Interviews verstehen |
| C1 | Idiomatische Sprache in allen Registern verstehen, inklusive Ironie und Abwandlungen (Da liegt der Hund begraben – oder der Hase im Pfeffer); Wendungen gezielt und sparsam als Stilmittel einsetzen; Sprichwörter und ihre Verwendung kennen; Redewendungen in Literatur und Feuilleton |
So arbeiten wir im Unterricht daran
Redewendungen kommen im Einzelunterricht nicht als Liste, sondern aus dem Material, mit dem wir arbeiten: aus dem Zeitungsartikel, dem Podcast, dem Meeting, das Sie nacherzählen. Ich erkläre Bild und Herkunft, wir klären das Register, und Sie bauen die Wendung in einen Satz über Ihre Woche ein. So entsteht eine persönliche Sammlung von Wendungen, die Sie wirklich brauchen – im Beruf andere als im Gespräch mit Nachbarn. Für B2 und C1 üben wir gezielt die neutralen Wendungen für Stellungnahmen und Vorträge und das Verstehen idiomatischer Sprache im Hörverstehen. Die Methode dahinter beschreibt Wortschatz aufbauen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Redewendung und einem Sprichwort?
Eine Redewendung (Idiom) ist ein fester Ausdruck, dessen Bedeutung sich nicht aus den einzelnen Wörtern ergibt, und der in einen Satz eingebaut wird: jemandem die Daumen drücken, ins kalte Wasser springen. Sie wird konjugiert und angepasst. Ein Sprichwort ist ein vollständiger, unveränderlicher Satz mit einer Lebensweisheit: Übung macht den Meister.
Redewendungen braucht man ständig, Sprichwörter selten – und wer sie zu oft benutzt, klingt belehrend.
Ab welchem Niveau sollte ich Redewendungen lernen?
Verstehen ab B1 – sie kommen in jedem Gespräch, in Nachrichten und in Hörtexten vor. Selbst benutzen ab B2, und dann bewusst dosiert: eine gut gesetzte Redewendung wirkt souverän, drei in einem Absatz wirken bemüht.
Auf C1 wird erwartet, dass man idiomatische Sprache versteht und angemessen einsetzt. Für A1 und A2 reichen die festen Alltagswendungen (Wie geht's? – Es geht so. – Mach's gut!).
Wie lerne ich Redewendungen, ohne sie falsch zu benutzen?
Immer mit drei Informationen: Bedeutung, Beispielsatz aus einer echten Situation und Register (neutral, umgangssprachlich, gehoben). Nur Wendungen lernen, die Sie selbst gehört oder gelesen haben – nicht aus Listen mit 500 Einträgen.
Erst passiv sammeln, dann die zehn häufigsten aktiv üben, indem Sie sie in eigene Sätze einbauen. Eine Wendung, bei der Sie unsicher sind, lieber weglassen.
Kann ich Redewendungen aus meiner Sprache wörtlich übersetzen?
Nur selten. Manche Bilder gibt es in vielen Sprachen (das Eis brechen, Zeit ist Geld), viele aber nicht – und wörtliche Übersetzungen führen zu Sätzen, die niemand versteht. Der sichere Weg: die deutsche Entsprechung suchen (it's raining cats and dogs → es schüttet wie aus Eimern).
Falsche Freunde sind verbreitet: to make sense ist im Standard nicht „Sinn machen“, sondern Sinn ergeben – auch wenn „Sinn machen“ inzwischen sehr häufig gesagt wird.
Welche Redewendungen kann ich in einer formellen E-Mail oder Prüfung benutzen?
Nur neutrale und gehobene: etwas in Angriff nehmen, zur Sprache bringen, ins Auge fassen, auf der Hand liegen, eine Rolle spielen, unter die Lupe nehmen, in Frage stellen, den Rahmen sprengen. Diese gehören zum Wortschatz von B2/C1-Texten.
Umgangssprachliche Wendungen wie die Nase voll haben oder auf die Palme bringen gehören ins Gespräch unter Freunden, nicht in eine Stellungnahme oder einen Geschäftsbrief.
Preise
Einzelunterricht
45 € / 60 Min.100 % individuell · alle Niveaus
Kleingruppe
30 € / Person · 60 Min.2–3 Personen · kommunikativ
Prüfungsvorbereitung
50 € / 60 Min.Einzelcoaching · alle Formate
10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage, das Erstgespräch ist kostenlos. Alle Preise unter Was kostet ein Deutschkurs?
Verstehen, was zwischen den Wörtern steht
Wenn Sie jedes Wort verstehen und trotzdem nicht den Satz, sind es meist die Redewendungen. Im Einzelunterricht sammeln wir die Wendungen aus Ihrem Alltag und Beruf, klären Bild und Register und üben sie so lange, bis sie natürlich klingen. Das Erstgespräch ist kostenlos.
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