Startseite Kurse Prüfungen Niveaustufen Preise FAQ Kontakt
Lernen · alle Niveaus

Vokabeln lernen: Karteikarten und Wiederholung

Fast alle Lernenden lernen Vokabeln, und fast alle tun es auf die Art, die am wenigsten funktioniert: eine Liste lesen, sie zudecken, sie noch einmal lesen. Das Gefühl dabei ist gut – das Behalten schlecht. Was tatsächlich wirkt, ist unbequemer und schneller: sich an ein Wort erinnern müssen, und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem man es gerade fast vergessen hat.

Zwei Prinzipien, auf die es ankommt

PrinzipWas es heißtWarum es wirkt
Aktiv abrufenDas Wort selbst produzieren, bevor Sie die Lösung sehen.Der Abruf selbst festigt die Spur. Wiedererkennen tut das kaum – deshalb täuscht das Lesen von Listen.
Gestaffelt wiederholenWiederholen in wachsenden Abständen, nicht alles an einem Abend.Am wirksamsten ist die Wiederholung kurz vor dem Vergessen. Massiertes Üben fühlt sich besser an und hält kürzer.

Alles Weitere auf dieser Seite ist nur die praktische Umsetzung dieser zwei Punkte – ob mit Papierkarten, einer App oder einem Heft, ist zweitrangig.

Was bei deutschen Wörtern auf die Karte muss

Hier unterscheidet sich Deutsch von vielen Sprachen: Ein Nomen ohne Artikel und Plural ist eine halbe Vokabel. Wenn Sie den Artikel später nachlernen müssen, kostet das ein Vielfaches.

WortartAuf die Karte gehörtBeispiel
NomenArtikel + Wort + Pluralder Termin, die Termine
Verb (regelmäßig)Infinitiv + Ergänzungetwas bestellen (+ Akk.)
Verb (unregelmäßig)drei Formennehmen – nahm – hat genommen
Verb mit PräpositionPräposition + Fallwarten auf + Akk.
Trennbares VerbBetonung markierenan·rufen (trennbar)
AdjektivGegenteil, falls es eines gibtgünstig ↔ teuer
Feste Wendungals ganzen BlockBescheid wissen · eine Frage stellen

Die zugehörigen Systeme stehen unter Der, die oder das?, Plural bilden, Unregelmäßige Verben, Verben mit Präpositionen und Trennbare Verben.

Ein Beispiel für eine gute und eine schlechte Karte

Schwache KarteGute Karte
Termin = appointmentVorderseite: Ich habe morgen einen ______ beim Amt. (appointment)
Rückseite: Termin · der Termin, die Termine · einen Termin vereinbaren / verschieben / absagen
warten = to waitVorderseite: Ich warte ___ die Antwort.
Rückseite: warten auf + Akkusativ · Ich warte auf die Antwort. · warten – wartete – hat gewartet

Der Lückensatz ist der entscheidende Trick. Wer nur Wortpaare lernt, kann das Wort später übersetzen, aber nicht benutzen. Wer es in einem Satz lernt, lernt Artikel, Fall und typische Kombination gleich mit – und das ist genau das, was in Prüfung und Gespräch abgefragt wird. Zu den festen Verbindungen siehe Nomen-Verb-Verbindungen.

Ein Wiederholungsrhythmus, der funktioniert

Sie brauchen kein kompliziertes System. Fünf Fächer in einem Kasten – oder fünf Stapel auf dem Tisch – genügen:

FachWird wiederholtWohin bei richtigWohin bei falsch
1 (neu)täglichFach 2bleibt in Fach 1
2jeden zweiten TagFach 3zurück in Fach 1
3alle vier TageFach 4zurück in Fach 1
4wöchentlichFach 5zurück in Fach 1
5monatlichgilt als gelerntzurück in Fach 1

Die harte Regel lautet: bei einem Fehler zurück auf Fach 1. Das fühlt sich ungerecht an und ist der Grund, warum das System funktioniert – Wörter, die wackeln, kommen häufiger wieder. Digitale Apps rechnen dieselbe Logik automatisch; wer lieber mit Papier arbeitet, verliert dadurch nichts.

Wie viele Wörter pro Tag?

SituationRealistischAnmerkung
Intensivkurs, viel Zeit15–25 neue Wörter täglichnur mit täglicher Wiederholung, sonst sinnlos
Berufsbegleitend5–10 neue Wörter täglichder nachhaltigste Bereich
Wenig Zeit3–5 neue Wörter täglichimmer noch über 1.000 im Jahr
Kurz vor der Prüfungkeine neuen Wörterin den letzten zwei Wochen nur wiederholen und aktivieren

Der Engpass ist nicht das Aufnehmen, sondern das Wiederholen. Zwanzig neue Wörter am Tag bedeuten nach einem Monat 600 Karten im Umlauf. Wer die Wiederholung nicht mitplant, baut sich einen Berg, den er dann aufgibt. Lieber weniger neue Wörter und die alten wirklich durchziehen – zehn Minuten am Tag schlagen zwei Stunden am Sonntag deutlich. Wie das in einen Wochenplan passt, steht unter Lernplan erstellen.

Welche Wörter sich zuerst lohnen

  1. Die häufigsten Wörter der Sprache. Die ersten paar hundert Wörter decken einen überproportional großen Teil jedes Alltagstextes ab. Sie stehen in jedem Lehrwerk am Anfang – lernen Sie sie wirklich, statt sie zu überfliegen.
  2. Ihr eigener Bedarf. Wenn Sie im Verkauf arbeiten, sind 50 Fachwörter mehr wert als 500 allgemeine. Berufswortschatz zuerst.
  3. Was Sie schon halb kennen. Wörter, die Ihnen begegnet sind und die Sie fast können, sind billiger zu festigen als völlig neue.
  4. Verben vor Nomen. Ein Satz ohne Nomen lässt sich umschreiben, ein Satz ohne Verb nicht.
  5. Feste Wendungen vor Einzelwörtern. eine Frage stellen, einen Termin vereinbaren, Bescheid geben – solche Blöcke machen Sprechen flüssig.
  6. Was Sie in Ihrem eigenen Text gesucht haben. Jedes Wort, das Sie sagen wollten und nicht hatten, ist ein Kandidat erster Klasse.

Aktiv und passiv: zwei verschiedene Ziele

Sie verstehen sehr viel mehr Wörter, als Sie benutzen – das ist normal und gilt auch in der Muttersprache. Für Prüfungen ist wichtig, welche Richtung Sie trainieren:

ZielKartenrichtungWirkt auf
Verstehen (Lesen, Hören)Deutsch → Bedeutungpassiver Wortschatz
Benutzen (Sprechen, Schreiben)Bedeutung oder Lückensatz → Deutschaktiver Wortschatz

Die zweite Richtung ist die schwerere und die, die in der mündlichen Prüfung zählt. Wer nur in eine Richtung lernt, wundert sich später, warum er alles versteht und nichts sagen kann. Übungen dazu unter Deutsch sprechen üben und Wie viele Wörter braucht man?

Was nicht funktioniert – und was stattdessen

VerbreitetProblemBesser
Listen mehrfach lesenWiedererkennen statt Abrufen; fühlt sich produktiv anzudecken und selbst produzieren
Wörter abschreibenfast keine Abrufleistungaus dem Kopf einen Satz bilden
Nur WortpaareArtikel, Fall und Kombination fehlenLückensatz mit Kontext
Alphabetisch lernenähnliche Wörter blockieren sichnach Themen oder nach Bedarf
Alles an einem Abendhält bis zur Prüfung, nicht darüber hinausüber die Woche verteilen
Nur Nomen lernenSätze bleiben unfertigVerben und Wendungen priorisieren
App mit 10.000 fremden Kartenkein Bezug, keine Motivationeigene Karten aus eigenen Texten

Wortschatz im Unterricht

Im Einzelunterricht entstehen die Vokabeln nicht aus einer Liste, sondern aus dem, was Sie sagen wollten und nicht konnten. Diese Wörter notieren wir in der Stunde und Sie bauen daraus Ihre Karten – das sind erfahrungsgemäß die Wörter, die hängen bleiben, weil Sie sie schon einmal gebraucht haben. Dazu kommt regelmäßig eine Runde Aktivieren: Wörter aus den letzten Wochen müssen im Gespräch vorkommen, nicht nur abgefragt werden.

Wer den Wortschatz aus Texten aufbauen will, findet Strategien unter Deutsch lernen mit Nachrichten, Filme und Serien und Podcasts und Musik. Wenn das Lernen gerade überhaupt nicht in Gang kommt, lohnt der Blick auf Motivation und Dranbleiben.

Häufige Fragen

Wie viele Vokabeln sollte ich pro Tag lernen?

Berufsbegleitend sind fünf bis zehn neue Wörter täglich ein guter Wert, in einem Intensivkurs 15 bis 25. Auch drei Wörter am Tag ergeben über tausend im Jahr.

Entscheidend ist nicht die Zahl der neuen Wörter, sondern ob Sie die Wiederholung schaffen. Zwanzig neue Wörter täglich bedeuten nach einem Monat mehrere hundert Karten im Umlauf – wer das nicht mitplant, gibt auf.

Warum funktioniert das Lesen von Vokabellisten so schlecht?

Weil Sie dabei nur wiedererkennen, nicht abrufen. Das Wiedererkennen fühlt sich sicher an, hinterlässt aber kaum eine Gedächtnisspur. Gelernt wird in dem Moment, in dem Sie sich anstrengen müssen, um das Wort zu finden.

Deshalb ist Zudecken und Selbstproduzieren – auch wenn es unangenehmer ist – deutlich wirksamer als jedes noch so ordentliche Durchlesen.

Was muss bei deutschen Nomen auf die Karteikarte?

Immer der Artikel und die Pluralform, also der Termin, die Termine. Ein Nomen ohne Artikel ist eine halbe Vokabel, und den Artikel später nachzulernen kostet ein Vielfaches.

Bei Verben gehören die Ergänzung und gegebenenfalls die Präposition mit Fall dazu: warten auf + Akkusativ. Bei unregelmäßigen Verben alle drei Stammformen.

Sind Apps besser als Papierkarten?

Nicht grundsätzlich. Apps berechnen die Wiederholungsabstände automatisch, was bequem ist. Papierkarten mit fünf Fächern erreichen dasselbe, und das Schreiben von Hand hilft vielen Menschen zusätzlich beim Einprägen.

Wichtiger als das Medium ist, dass Sie eigene Karten aus eigenen Texten anlegen. Fertige Kartensätze mit tausenden Wörtern werden selten durchgehalten.

Ich verstehe viel, kann aber wenig sagen. Woran liegt das?

Sehr wahrscheinlich daran, dass Sie nur in eine Richtung lernen: von Deutsch zur Bedeutung. Das baut den passiven Wortschatz auf, der fürs Lesen und Hören reicht.

Für Sprechen und Schreiben brauchen Sie die andere Richtung: von der Bedeutung oder einem Lückensatz zum deutschen Wort. Diese Richtung ist schwerer, und genau sie zählt in der mündlichen Prüfung.

Preise

Einzelunterricht

45 € / 60 Min.

100 % individuell · alle Niveaus

Kleingruppe

30 € / Person · 60 Min.

2–3 Personen · kommunikativ

Prüfungsvorbereitung

50 € / 60 Min.

Einzelcoaching · alle Formate

Das Erstgespräch ist kostenlos, 10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage.

Aus dem, was Sie sagen wollten

Die besten Vokabeln sind die, die Ihnen im Gespräch gefehlt haben. Im Unterricht sammeln wir genau diese – und üben sie so, dass sie beim nächsten Mal da sind.

Kostenloses Erstgespräch anfragen