Die Grundregel: Akkusativ ist Normalfall, Dativ ist Ausnahme
Ein Verb mit einem Objekt nimmt im Deutschen in aller Regel den Akkusativ: Ich sehe den Film, ich kaufe das Brot, ich rufe die Kollegin an. Nur eine begrenzte Gruppe von Verben verlangt stattdessen den Dativ – und die muss man lernen, weil sie sich nicht aus der Bedeutung ableiten lässt: unterstützen nimmt den Akkusativ, helfen den Dativ, obwohl beide fast dasselbe bedeuten. Wie der Dativ gebildet wird (dem, der, dem, den + -n; mir, dir, ihm, ihr, uns, euch, ihnen), steht unter Die vier Fälle; hier geht es um die Verben.
Die Liste: Verben, die nur den Dativ nehmen
Sortiert nach Häufigkeit und Niveau. Wer die ersten beiden Blöcke sicher hat, macht im Gespräch kaum noch Dativ-Fehler:
| Verb | Beispiel | Ab |
|---|---|---|
| helfen | Kannst du mir helfen? – Ich helfe dem Kollegen. | A1 |
| danken | Ich danke Ihnen für die Antwort. | A1 |
| gefallen | Die Wohnung gefällt uns. – Das gefällt meiner Chefin nicht. | A1 |
| gehören | Das Fahrrad gehört mir. – Wem gehört die Tasche? | A1 |
| schmecken | Schmeckt es dir? – Die Suppe schmeckt den Kindern. | A1 |
| passen | Der Termin passt mir gut. – Die Jacke passt ihm nicht. | A1 |
| antworten | Bitte antworten Sie mir bis Freitag. – Er antwortet der Kundin. | A2 |
| gratulieren | Wir gratulieren dir zum Geburtstag. | A2 |
| fehlen | Du fehlst mir. – Dem Text fehlt ein Schluss. | A2 |
| glauben (einer Person) | Ich glaube dir. – aber: Ich glaube die Geschichte nicht. (Akk. bei Sachen) | A2 |
| folgen | Folgen Sie mir bitte. – Ich konnte dem Vortrag nicht folgen. | A2 |
| zuhören | Hör mir bitte zu. – Sie hört dem Lehrer zu. | A2 |
| wehtun | Mir tut der Rücken weh. | A2 |
| gehen (es geht + Dat.) | Wie geht es Ihnen? – Es geht ihr besser. | A1 |
| vertrauen | Ich vertraue meinem Arzt. | B1 |
| zustimmen | Ich stimme Ihnen zu. – Ich stimme dem Vorschlag zu. | B1 |
| widersprechen | Da muss ich dir widersprechen. | B1 |
| begegnen | Ich bin ihm im Flur begegnet. | B1 |
| gelingen | Der Kuchen ist mir gelungen. – Es gelingt uns nicht, ihn zu erreichen. | B1 |
| verzeihen | Verzeihen Sie mir die Störung. | B1 |
| raten | Ich rate Ihnen, das schriftlich zu machen. | B1 |
| schaden / nützen | Rauchen schadet der Gesundheit. – Das nützt niemandem. | B2 |
| drohen | Er drohte dem Mieter mit Kündigung. | B2 |
| ausweichen / entkommen / entgehen | Sie wich der Frage aus. – Das ist mir entgangen. | B2 |
| beitreten / beistehen / beiwohnen | Er ist dem Verein beigetreten. | B2 |
| sich nähern / sich anschließen / sich widmen | Ich schließe mich meiner Vorrednerin an. | B2 |
| bevorstehen / unterliegen / entsprechen | Das entspricht den Vorgaben. – Uns steht ein langer Tag bevor. | B2 |
Merkhilfen: Woran man Dativ-Verben oft erkennt
- Vorsilben: Verben mit zu- (zuhören, zustimmen, zusehen, zulächeln), ent- im Sinne von „weg von“ (entkommen, entgehen, entsprechen), wider- (widersprechen, widerstehen), nach- (nachlaufen, nachgeben) und bei- (beistehen, beitreten) nehmen fast immer den Dativ.
- Bedeutung „auf jemanden gerichtet“: helfen, danken, gratulieren, antworten, vertrauen, verzeihen – die Handlung geht zu einer Person hin, ohne sie zu „behandeln“.
- Bedeutung „jemandem geht es so“: gefallen, schmecken, passen, fehlen, wehtun, gelingen, es geht – das Subjekt ist die Sache, die Person steht im Dativ. Das ist im Deutschen umgekehrt zu vielen anderen Sprachen (I like it → Es gefällt mir).
- Unpersönliche Ausdrücke: Mir ist kalt / schlecht / langweilig. Es ist mir egal. Es tut mir leid. Es reicht mir. – hier steht die Person immer im Dativ.
Verben mit Dativ und Akkusativ
Eine zweite große Gruppe hat zwei Objekte: Die Person im Dativ (Empfänger) und die Sache im Akkusativ. Das sind die Verben des Gebens, Zeigens und Mitteilens:
| Gruppe | Verben | Beispiel |
|---|---|---|
| Geben | geben, schenken, bringen, schicken, leihen, reichen, überreichen, liefern, verkaufen, anbieten | Ich schicke Ihnen die Unterlagen. |
| Zeigen & Erklären | zeigen, erklären, beschreiben, erzählen, sagen, mitteilen, empfehlen, vorschlagen, vorstellen, beweisen | Können Sie mir den Weg erklären? |
| Erlauben & Verbieten | erlauben, verbieten, ermöglichen, versprechen, wünschen, gönnen | Ich wünsche dir alles Gute. |
| Nehmen (Dativ als „von wem“) | nehmen, wegnehmen, stehlen, klauen, entziehen | Jemand hat mir das Fahrrad gestohlen. |
Die Reihenfolge der Objekte
| Konstellation | Regel | Beispiel |
|---|---|---|
| Nomen + Nomen | Dativ vor Akkusativ | Ich gebe dem Kunden das Angebot. |
| Pronomen + Nomen | Pronomen zuerst – egal welcher Fall | Ich gebe ihm das Angebot. – Ich gebe es dem Kunden. |
| Pronomen + Pronomen | Akkusativ vor Dativ | Ich gebe es ihm. |
Kurzform: Pronomen vor Nomen; sonst Dativ vor Akkusativ; bei zwei Pronomen Akkusativ zuerst. Die Regel gehört zum Satzbau und wird ab B1 in Prüfungen erwartet, vor allem im Schreiben.
Dativ-Verben mit Präposition
Einige Verben haben eine Person im Dativ und eine feste Präposition. Sie gehören zu den Verben mit Präpositionen, aber der Dativ wird dabei gern vergessen:
- jemandem danken für + Akk. – Ich danke Ihnen für Ihre Geduld.
- jemandem gratulieren zu + Dat. – Ich gratuliere dir zur bestandenen Prüfung.
- jemandem helfen bei + Dat. – Er hilft mir beim Umzug.
- jemandem raten zu + Dat. – Ich rate Ihnen zu einem Anwalt.
- jemandem berichten / erzählen von + Dat. – Sie erzählte uns von der Reise.
- jemandem drohen mit + Dat. – Der Vermieter drohte ihm mit Kündigung.
- sich bei jemandem bedanken / entschuldigen für – hier steht die Person nach bei: Ich bedanke mich bei Ihnen.
Die Verwechslungspaare
Die meisten Fehler entstehen bei Verben, deren Bedeutung nahe beieinanderliegt, die aber unterschiedliche Fälle verlangen:
| Akkusativ | Dativ |
|---|---|
| Ich frage dich. | Ich antworte dir. |
| Ich unterstütze dich. | Ich helfe dir. |
| Ich rufe dich an. | Ich höre dir zu. |
| Ich treffe ihn. | Ich begegne ihm. |
| Ich besuche sie. | Ich folge ihr. |
| Ich mag das. | Das gefällt mir. |
| Ich liebe dich. | Ich vertraue dir. |
| Ich bitte Sie um Hilfe. | Ich danke Ihnen für die Hilfe. |
| Ich informiere Sie. | Ich teile Ihnen etwas mit. |
| Ich lehre / unterrichte ihn. | Ich bringe ihm etwas bei. |
Typische Fehler – und was dagegen hilft
| Fehler | Was dagegen hilft |
|---|---|
| Ich helfe dich / das gefällt mich | Die zehn häufigsten Dativ-Verben als Wendung mit Pronomen auswendig: hilf mir, es gefällt mir, ich danke dir, es gehört ihm, es passt uns. Nicht das Verb allein lernen. |
| Ich mag es statt Es gefällt mir – oder umgekehrt Ich gefalle den Film | Bei gefallen, schmecken, fehlen, passen ist die Sache das Subjekt. Umstellen üben: Ich mag den Film → Der Film gefällt mir. |
| Zwei Objekte in falscher Reihenfolge – Ich gebe das Buch ihm | Pronomen nach vorn: Ich gebe ihm das Buch. – Ich gebe es ihm. Mit den Verben geben, zeigen, schicken, erklären alle drei Konstellationen durchspielen. |
| Dativ vergessen bei -n-Plural – Ich helfe die Kinder | Ich helfe den Kindern, ich danke den Kollegen. Dativ Plural immer mit -n mitsprechen. |
| Dativ-Verben im Passiv falsch – Ich wurde geholfen | Dativ bleibt Dativ: Mir wurde geholfen. – ein unpersönliches Passiv, siehe Passiv. |
| Vermeidung – lieber gar kein Objekt oder ein Umweg | Die Verben aktiv in eigenen Sätzen benutzen; im Sprechtraining bekommen Sie sie gezielt vorgelegt. |
Was auf welcher Stufe erwartet wird
| Stufe | Erwartung |
|---|---|
| A1 | helfen, danken, gefallen, gehören, schmecken, passen und Wie geht es Ihnen? mit Pronomen (mir, dir, Ihnen) |
| A2 | Die Dativ-Verben mit Artikeln (dem Kollegen, der Nachbarin, den Kindern); antworten, gratulieren, fehlen, zuhören, wehtun; erste Verben mit zwei Objekten (geben, schenken, zeigen) |
| B1 | Objektfolge bei zwei Objekten inklusive Pronomen; vertrauen, zustimmen, widersprechen, gelingen, raten, verzeihen; Dativ-Verben mit Präposition; unpersönliche Ausdrücke |
| B2 | Die selteneren Dativ-Verben (schaden, nützen, entsprechen, unterliegen, sich anschließen), Dativ im Passiv, sichere Verwendung in Stellungnahmen und Geschäftsbriefen |
So arbeiten wir im Unterricht daran
Die Liste ist kurz, das Problem ist die Automatisierung. Im Einzelunterricht prüfen wir zuerst, welche Dativ-Verben Sie im Sprechen tatsächlich schon richtig setzen und welche nur auf dem Papier stimmen. Dann arbeiten wir mit den Verben, die Sie brauchen: Wer im Beruf Deutsch spricht, braucht zustimmen, widersprechen, mitteilen, vorschlagen, empfehlen mit ihrer Objektfolge – siehe Business-Deutsch; wer die DTZ oder telc B1 vor sich hat, braucht die A2/B1-Verben sicher im Brief und im Gespräch. Wir üben in Dialogen mit sofortiger Korrektur, und zwischen den Stunden gibt es Mini-Aufgaben wie „fünf Sätze mit gefallen aus Ihrer Woche“. Der Überblick über alle Fälle steht unter Die vier Fälle.
Häufige Fragen
Welche Verben verlangen im Deutschen den Dativ?
Die wichtigsten reinen Dativ-Verben sind: helfen, danken, gefallen, gehören, folgen, antworten, glauben, gratulieren, passen, schmecken, fehlen, vertrauen, zuhören, zustimmen, widersprechen, begegnen, gelingen, schaden, nützen, drohen, verzeihen, ausweichen, sich nähern.
Die Liste ist überschaubar – etwa 30 Verben decken den Alltag ab. Alle anderen Verben mit einem Objekt nehmen in der Regel den Akkusativ.
Wie merke ich mir, welche Verben den Dativ verlangen?
Drei Hilfen: Erstens die Bedeutung – viele Dativ-Verben beschreiben, dass jemand etwas bekommt, empfindet oder dass etwas auf jemanden gerichtet ist (helfen, danken, gefallen, gratulieren). Zweitens die Vorsilben – Verben mit zu-, ent-, wider-, nach- und bei- nehmen fast immer den Dativ.
Drittens die Methode: jedes Dativ-Verb mit Pronomen lernen – ich helfe dir, es gefällt mir, ich danke Ihnen – nicht als Wort, sondern als Wendung.
In welcher Reihenfolge stehen Dativ und Akkusativ im Satz?
Sind beide Objekte Nomen, steht der Dativ (die Person) vor dem Akkusativ (die Sache): Ich gebe dem Kunden das Angebot. Ist eines ein Pronomen, steht das Pronomen zuerst: Ich gebe ihm das Angebot / Ich gebe es dem Kunden. Sind beide Pronomen, steht der Akkusativ vor dem Dativ: Ich gebe es ihm.
Kurz: Pronomen vor Nomen, sonst Dativ vor Akkusativ, bei zwei Pronomen Akkusativ zuerst.
Heißt es „Ich frage dir“ oder „Ich frage dich“?
Ich frage dich – fragen nimmt den Akkusativ, obwohl antworten den Dativ verlangt. Diese Paare sind die klassischen Fehlerquellen: fragen (Akk.) – antworten (Dat.), anrufen (Akk.) – zuhören (Dat.), besuchen (Akk.) – begegnen (Dat.), unterstützen (Akk.) – helfen (Dat.).
Sie lassen sich nicht aus der Bedeutung ableiten, sondern nur als Wendung lernen.
Ab welchem Niveau muss ich die Dativ-Verben können?
Die ersten Dativ-Verben (helfen, gefallen, gehören, schmecken, danken) kommen auf A1/A2 mit dem Dativ selbst; sie stehen in jeder A2-Prüfung. Auf B1 kommen die Verben mit zwei Objekten und ihre Reihenfolge dazu sowie Verben wie zustimmen, widersprechen, vertrauen.
Auf B2 werden die selteneren Verben (gelingen, schaden, nützen, sich anschließen, bevorstehen) und die Verben mit Dativ und Präposition erwartet.
Preise
Einzelunterricht
45 € / 60 Min.100 % individuell · alle Niveaus
Kleingruppe
30 € / Person · 60 Min.2–3 Personen · kommunikativ
Prüfungsvorbereitung
50 € / 60 Min.Einzelcoaching · alle Formate
10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage, das Erstgespräch ist kostenlos. Alle Preise unter Was kostet ein Deutschkurs?
Nie wieder „Ich helfe dich“
Die Dativ-Verben sind schnell gelernt – und im Gespräch trotzdem weg. Im Einzelunterricht üben wir sie so lange in echten Sätzen, bis mir, dir, Ihnen von selbst kommen. Das Erstgespräch ist kostenlos.
Jetzt Erstgespräch anfragen