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Grammatik · B1–C1

Substantivierte Adjektive: etwas Neues, der Deutsche, das Beste

Ich bin Deutsche, ein Deutscher, die Deutschen – drei verschiedene Endungen für dasselbe Wort. Der Grund ist einfacher, als es aussieht: Diese Wörter sind Nomen, die sich weiterhin wie Adjektive verhalten. Wer das einmal verstanden hat, braucht keine neue Tabelle, sondern nur die, die er für Adjektive schon kennt.

Das Grundprinzip in einem Satz

Ein substantiviertes Adjektiv ist ein Adjektiv, das die Stelle eines Nomens einnimmt. Es wird deshalb großgeschrieben – behält aber die Endungen eines Adjektivs. Man denkt sich einfach das weggelassene Nomen dazu:

Mit NomenOhne Nomen (substantiviert)
der deutsche Mannder Deutsche
ein deutscher Mannein Deutscher
die deutschen Leutedie Deutschen
die angestellte Persondie Angestellte
das beste Ergebnisdas Beste

Die Endung ändert sich also genau dann und genau so, wie sie sich beim Adjektiv vor einem Nomen ändern würde. Wer die Adjektivendungen beherrscht, beherrscht dieses Thema schon fast vollständig.

Die vollständige Deklination am Beispiel der Deutsche

Fallmit bestimmtem Artikelmit unbestimmtem Artikelohne Artikel
Nominativ m.der Deutscheein DeutscherDeutscher
Akkusativ m.den Deutscheneinen DeutschenDeutschen
Dativ m.dem Deutscheneinem DeutschenDeutschem
Nominativ f.die Deutscheeine DeutscheDeutsche
Dativ f.der Deutscheneiner DeutschenDeutscher
Nominativ Pl.die Deutschen–Deutsche
Dativ Pl.den Deutschen–Deutschen

Der klassische Fehler: Ich bin ein Deutsche. Richtig ist Ich bin Deutsche (weiblich, ohne Artikel) oder Ich bin ein Deutscher (männlich, mit Artikel). Bei Nationalitäten und Berufen steht im Deutschen nach sein ohnehin meist kein Artikel – siehe Nullartikel.

etwas, nichts, viel, wenig + Neues

Nach diesen vier Wörtern steht das substantivierte Adjektiv im Neutrum und bekommt die Endung -es. Großgeschrieben wird es immer:

  • etwas Neues, etwas Interessantes, etwas Warmes zu essen
  • nichts Besonderes, nichts Neues, nichts Schlimmes
  • viel Neues, viel Gutes
  • wenig Erfreuliches

Nach alles ist die Endung anders – nämlich -e, weil alles wie ein bestimmter Artikel wirkt:

  • alles Gute (der bekannte Geburtstagswunsch)
  • alles Wichtige, alles Weitere
  • Dativ: mit allem Guten
SignalwortEndungBeispiel
etwas, nichts, viel, wenig, mehr-esetwas Schönes
alles-ealles Schöne
allem (Dativ)-enmit allem Schönen

Substantivierte Partizipien

Dasselbe passiert mit Partizipien – und zwar sehr häufig, weil das Deutsche damit Personenbezeichnungen bildet:

HerkunftSubstantiviertBedeutung
angestellt (Partizip II)der/die Angestellteeine Person, die angestellt ist
verletztder/die Verletzteeine verletzte Person
arbeitslos (Adjektiv)der/die Arbeitsloseeine arbeitslose Person
studierend (Partizip I)der/die Studierendeeine Person, die studiert
bekanntein Bekannter / eine Bekannteeine Person, die man kennt
erwachsenein Erwachsener / die Erwachseneneine erwachsene Person

Diese Formen sind in Behördentexten und Zeitungsmeldungen allgegenwärtig: drei Verletzte, die Beschäftigten, Antragstellende. Wer sie nicht als Adjektivformen erkennt, liest sie als unbekannte Vokabeln – das macht solche Texte unnötig schwer. Hilfreich dazu: Behördenbriefe verstehen und Partizipien als Adjektive.

Substantivierte Superlative

Sehr produktiv ist das Muster beim Superlativ. Hier muss man zwei Formen auseinanderhalten:

FormVerwendungBeispiel
das Beste (Nomen)eine Sache, ein DingDas ist das Beste, was du tun kannst.
am besten (Adverb)wie etwas getan wirdDu machst das am besten morgen.
der Beste (Person)eine PersonEr ist der Beste im Kurs.

Beliebt sind feste Wendungen: das Wichtigste, das Schlimmste, im Großen und Ganzen, das Beste vom Besten. Zur Bildung der Steigerung selbst: Komparativ und Superlativ.

Nicht verwechseln: Adjektiv oder Verb als Nomen?

Das Deutsche kann auch Verben zu Nomen machen – dann ist das Ergebnis aber immer Neutrum und unveränderlich:

TypGenusEndungBeispiel
Adjektiv → Nomenm./f./n./Pl.wechseltder Kranke, eine Kranke, die Kranken
Verb → Nomenimmer daskeinedas Lesen, das Schwimmen, beim Essen

Mehr zum zweiten Typ und zum Nominalstil in formellen Texten: Nominalisierung und Nominalstil und Groß- und Kleinschreibung.

Häufige Fehler

FalschRichtigWarum
etwas neuesetwas NeuesSubstantiviert, also groß – und mit -es.
alles Gutesalles GuteNach alles steht -e.
Ich bin ein Deutsche.Ich bin Deutsche. / ein DeutscherGenus und Endung müssen zusammenpassen.
Er ist ein Angestellte.ein AngestellterMaskulinum Nominativ nach ein: -er.
Das ist das best.das BesteSubstantivierter Superlativ braucht die Endung.
Du machst das das Beste morgen.… am besten morgenAdverb, nicht Nomen.
nichts besonderesnichts BesonderesGroßschreibung und -es.

So üben wir das im Unterricht

Dieses Thema ist typisch für B1 und B2: Es besteht fast vollständig aus schon bekannter Grammatik, nur an einer neuen Stelle. Im Einzelunterricht gehen wir deshalb zuerst die Adjektivendungen durch, bis sie ohne Nachdenken kommen, und wenden sie dann auf die substantivierten Formen an. Anschließend lesen wir echte Texte – Zeitungsmeldungen, Behördenschreiben, Stellenanzeigen –, in denen diese Formen dicht vorkommen, und markieren sie. Das ist erfahrungsgemäß der Moment, in dem solche Texte deutlich leichter werden.

Für die schriftlichen Prüfungsteile lohnt sich außerdem der aktive Gebrauch: Wendungen wie das Wichtigste ist, etwas Vergleichbares, die Befragten heben ein Textniveau sofort an. Passende Formulierungen sammelt Redemittel für die Prüfung.

Häufige Fragen

Warum heißt es der Deutsche, aber ein Deutscher?

Weil substantivierte Adjektive die Adjektivdeklination behalten. Nach dem bestimmten Artikel steht die schwache Endung -e, nach ein die starke Endung -er im Maskulinum Nominativ.

Es ist dieselbe Logik wie bei der deutsche Mann und ein deutscher Mann – nur dass das Nomen weggelassen ist.

Schreibt man etwas Neues groß oder klein?

Groß: etwas Neues, nichts Besonderes, viel Gutes. Das Adjektiv steht hier an der Stelle eines Nomens und wird deshalb großgeschrieben.

Dazu kommt die Endung -es nach etwas, nichts, viel und wenig. Nach alles lautet die Endung dagegen -e: alles Gute.

Warum sagt man alles Gute, aber etwas Gutes?

Weil alles sich wie ein bestimmter Artikel verhält und deshalb die schwache Endung -e nach sich zieht, während etwas, nichts, viel und wenig wie gar kein Artikel wirken und die starke Endung -es auslösen.

Im Dativ wird aus alles allem, und die Endung wechselt zu -en: mit allem Guten.

Ist der Angestellte ein Adjektiv oder ein Nomen?

Beides zugleich: Es ist ein Nomen, das nach Adjektivregeln dekliniert wird. Deshalb heißt es der Angestellte, ein Angestellter, die Angestellten, mit den Angestellten.

Solche Formen entstehen sehr häufig aus Partizipien und sind in Behörden- und Zeitungstexten überall zu finden: die Beschäftigten, drei Verletzte, Antragstellende.

Was ist der Unterschied zwischen das Beste und am besten?

das Beste ist ein Nomen und bezeichnet eine Sache: Das ist das Beste, was du tun kannst. am besten ist ein Adverb und beschreibt, wie etwas getan wird: Das machst du am besten morgen.

Für Personen steht der oder die Beste: Sie ist die Beste im Kurs.

Preise

Einzelunterricht

45 € / 60 Min.

100 % individuell · alle Niveaus

Kleingruppe

30 € / Person · 60 Min.

2–3 Personen · kommunikativ

Prüfungsvorbereitung

50 € / 60 Min.

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Das Erstgespräch ist kostenlos, 10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage.

Ein B1-Thema, das schnell sitzt

Substantivierte Adjektive sind kein neues System, sondern eine Anwendung eines bekannten. Wenn Sie die Endungen einmal sauber aufgearbeitet haben, profitieren Lesen und Schreiben gleichzeitig davon.

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