Das Grundprinzip in einem Satz
Ein substantiviertes Adjektiv ist ein Adjektiv, das die Stelle eines Nomens einnimmt. Es wird deshalb großgeschrieben – behält aber die Endungen eines Adjektivs. Man denkt sich einfach das weggelassene Nomen dazu:
| Mit Nomen | Ohne Nomen (substantiviert) |
|---|---|
| der deutsche Mann | der Deutsche |
| ein deutscher Mann | ein Deutscher |
| die deutschen Leute | die Deutschen |
| die angestellte Person | die Angestellte |
| das beste Ergebnis | das Beste |
Die Endung ändert sich also genau dann und genau so, wie sie sich beim Adjektiv vor einem Nomen ändern würde. Wer die Adjektivendungen beherrscht, beherrscht dieses Thema schon fast vollständig.
Die vollständige Deklination am Beispiel der Deutsche
| Fall | mit bestimmtem Artikel | mit unbestimmtem Artikel | ohne Artikel |
|---|---|---|---|
| Nominativ m. | der Deutsche | ein Deutscher | Deutscher |
| Akkusativ m. | den Deutschen | einen Deutschen | Deutschen |
| Dativ m. | dem Deutschen | einem Deutschen | Deutschem |
| Nominativ f. | die Deutsche | eine Deutsche | Deutsche |
| Dativ f. | der Deutschen | einer Deutschen | Deutscher |
| Nominativ Pl. | die Deutschen | – | Deutsche |
| Dativ Pl. | den Deutschen | – | Deutschen |
Der klassische Fehler: Ich bin ein Deutsche. Richtig ist Ich bin Deutsche (weiblich, ohne Artikel) oder Ich bin ein Deutscher (männlich, mit Artikel). Bei Nationalitäten und Berufen steht im Deutschen nach sein ohnehin meist kein Artikel – siehe Nullartikel.
etwas, nichts, viel, wenig + Neues
Nach diesen vier Wörtern steht das substantivierte Adjektiv im Neutrum und bekommt die Endung -es. Großgeschrieben wird es immer:
- etwas Neues, etwas Interessantes, etwas Warmes zu essen
- nichts Besonderes, nichts Neues, nichts Schlimmes
- viel Neues, viel Gutes
- wenig Erfreuliches
Nach alles ist die Endung anders – nämlich -e, weil alles wie ein bestimmter Artikel wirkt:
- alles Gute (der bekannte Geburtstagswunsch)
- alles Wichtige, alles Weitere
- Dativ: mit allem Guten
| Signalwort | Endung | Beispiel |
|---|---|---|
| etwas, nichts, viel, wenig, mehr | -es | etwas Schönes |
| alles | -e | alles Schöne |
| allem (Dativ) | -en | mit allem Schönen |
Substantivierte Partizipien
Dasselbe passiert mit Partizipien – und zwar sehr häufig, weil das Deutsche damit Personenbezeichnungen bildet:
| Herkunft | Substantiviert | Bedeutung |
|---|---|---|
| angestellt (Partizip II) | der/die Angestellte | eine Person, die angestellt ist |
| verletzt | der/die Verletzte | eine verletzte Person |
| arbeitslos (Adjektiv) | der/die Arbeitslose | eine arbeitslose Person |
| studierend (Partizip I) | der/die Studierende | eine Person, die studiert |
| bekannt | ein Bekannter / eine Bekannte | eine Person, die man kennt |
| erwachsen | ein Erwachsener / die Erwachsenen | eine erwachsene Person |
Diese Formen sind in Behördentexten und Zeitungsmeldungen allgegenwärtig: drei Verletzte, die Beschäftigten, Antragstellende. Wer sie nicht als Adjektivformen erkennt, liest sie als unbekannte Vokabeln – das macht solche Texte unnötig schwer. Hilfreich dazu: Behördenbriefe verstehen und Partizipien als Adjektive.
Substantivierte Superlative
Sehr produktiv ist das Muster beim Superlativ. Hier muss man zwei Formen auseinanderhalten:
| Form | Verwendung | Beispiel |
|---|---|---|
| das Beste (Nomen) | eine Sache, ein Ding | Das ist das Beste, was du tun kannst. |
| am besten (Adverb) | wie etwas getan wird | Du machst das am besten morgen. |
| der Beste (Person) | eine Person | Er ist der Beste im Kurs. |
Beliebt sind feste Wendungen: das Wichtigste, das Schlimmste, im Großen und Ganzen, das Beste vom Besten. Zur Bildung der Steigerung selbst: Komparativ und Superlativ.
Nicht verwechseln: Adjektiv oder Verb als Nomen?
Das Deutsche kann auch Verben zu Nomen machen – dann ist das Ergebnis aber immer Neutrum und unveränderlich:
| Typ | Genus | Endung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Adjektiv → Nomen | m./f./n./Pl. | wechselt | der Kranke, eine Kranke, die Kranken |
| Verb → Nomen | immer das | keine | das Lesen, das Schwimmen, beim Essen |
Mehr zum zweiten Typ und zum Nominalstil in formellen Texten: Nominalisierung und Nominalstil und Groß- und Kleinschreibung.
Häufige Fehler
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| etwas neues | etwas Neues | Substantiviert, also groß – und mit -es. |
| alles Gutes | alles Gute | Nach alles steht -e. |
| Ich bin ein Deutsche. | Ich bin Deutsche. / ein Deutscher | Genus und Endung müssen zusammenpassen. |
| Er ist ein Angestellte. | ein Angestellter | Maskulinum Nominativ nach ein: -er. |
| Das ist das best. | das Beste | Substantivierter Superlativ braucht die Endung. |
| Du machst das das Beste morgen. | … am besten morgen | Adverb, nicht Nomen. |
| nichts besonderes | nichts Besonderes | Großschreibung und -es. |
So üben wir das im Unterricht
Dieses Thema ist typisch für B1 und B2: Es besteht fast vollständig aus schon bekannter Grammatik, nur an einer neuen Stelle. Im Einzelunterricht gehen wir deshalb zuerst die Adjektivendungen durch, bis sie ohne Nachdenken kommen, und wenden sie dann auf die substantivierten Formen an. Anschließend lesen wir echte Texte – Zeitungsmeldungen, Behördenschreiben, Stellenanzeigen –, in denen diese Formen dicht vorkommen, und markieren sie. Das ist erfahrungsgemäß der Moment, in dem solche Texte deutlich leichter werden.
Für die schriftlichen Prüfungsteile lohnt sich außerdem der aktive Gebrauch: Wendungen wie das Wichtigste ist, etwas Vergleichbares, die Befragten heben ein Textniveau sofort an. Passende Formulierungen sammelt Redemittel für die Prüfung.
Häufige Fragen
Warum heißt es der Deutsche, aber ein Deutscher?
Weil substantivierte Adjektive die Adjektivdeklination behalten. Nach dem bestimmten Artikel steht die schwache Endung -e, nach ein die starke Endung -er im Maskulinum Nominativ.
Es ist dieselbe Logik wie bei der deutsche Mann und ein deutscher Mann – nur dass das Nomen weggelassen ist.
Schreibt man etwas Neues groß oder klein?
Groß: etwas Neues, nichts Besonderes, viel Gutes. Das Adjektiv steht hier an der Stelle eines Nomens und wird deshalb großgeschrieben.
Dazu kommt die Endung -es nach etwas, nichts, viel und wenig. Nach alles lautet die Endung dagegen -e: alles Gute.
Warum sagt man alles Gute, aber etwas Gutes?
Weil alles sich wie ein bestimmter Artikel verhält und deshalb die schwache Endung -e nach sich zieht, während etwas, nichts, viel und wenig wie gar kein Artikel wirken und die starke Endung -es auslösen.
Im Dativ wird aus alles allem, und die Endung wechselt zu -en: mit allem Guten.
Ist der Angestellte ein Adjektiv oder ein Nomen?
Beides zugleich: Es ist ein Nomen, das nach Adjektivregeln dekliniert wird. Deshalb heißt es der Angestellte, ein Angestellter, die Angestellten, mit den Angestellten.
Solche Formen entstehen sehr häufig aus Partizipien und sind in Behörden- und Zeitungstexten überall zu finden: die Beschäftigten, drei Verletzte, Antragstellende.
Was ist der Unterschied zwischen das Beste und am besten?
das Beste ist ein Nomen und bezeichnet eine Sache: Das ist das Beste, was du tun kannst. am besten ist ein Adverb und beschreibt, wie etwas getan wird: Das machst du am besten morgen.
Für Personen steht der oder die Beste: Sie ist die Beste im Kurs.
Preise
Einzelunterricht
45 € / 60 Min.100 % individuell · alle Niveaus
Kleingruppe
30 € / Person · 60 Min.2–3 Personen · kommunikativ
Prüfungsvorbereitung
50 € / 60 Min.Einzelcoaching · alle Formate
Das Erstgespräch ist kostenlos, 10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage.
Ein B1-Thema, das schnell sitzt
Substantivierte Adjektive sind kein neues System, sondern eine Anwendung eines bekannten. Wenn Sie die Endungen einmal sauber aufgearbeitet haben, profitieren Lesen und Schreiben gleichzeitig davon.
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