Welche Textsorte ist gemeint?
Die Prüfungen nennen den argumentativen Text unterschiedlich. Der Aufbau ist im Kern immer gleich, der Rahmen unterscheidet sich:
| Textsorte | Was sie verlangt | Wo sie vorkommt |
|---|---|---|
| Stellungnahme | Eine begründete Position zu einer Frage oder These; Gegenargumente kurz berücksichtigen | telc B2 (Schreiben), Goethe B2 (Forumsbeitrag), DTB B2, Beruf |
| Erörterung | Systematisches Abwägen von Argumenten – linear (eine Richtung, steigernd) oder dialektisch (Pro und Kontra, dann Synthese) | telc C1, Goethe C1, TestDaF, DSH, Studium |
| Leserbrief / Forumsbeitrag / Kommentar | Stellungnahme mit Bezug auf einen Text oder eine Aussage, oft mit Anrede und Gruß, persönlicherer Ton | telc B2, Goethe B2 Schreiben Teil 1, DTZ (halbformell) |
| Argumentation nach Grafik | Erst Grafik beschreiben, dann Stellung nehmen – die Argumente müssen sich auf die Daten beziehen | TestDaF, telc C1, DSH |
| Beschwerde / Bitte mit Begründung | Anliegen formell vorbringen und argumentativ stützen | telc B1/B2, DTZ, Beruf – siehe Briefe und E-Mails |
Der Aufbau in drei Teilen
Einleitung (10–15 %)
Zum Thema hinführen und die Frage nennen – ohne schon zu antworten. Vier bewährte Einstiege: aktueller Bezug (In den letzten Jahren wird immer häufiger diskutiert, ob …), persönliche Erfahrung (Als ich nach Deutschland kam, …), Definition oder Zahl (Laut einer aktuellen Umfrage …), Frage (Sollte … ?). Der letzte Satz der Einleitung kündigt an, was der Text tut: Im Folgenden möchte ich die Vor- und Nachteile abwägen und meine Position begründen.
Hauptteil (70–80 %)
Zwei bis vier Argumente, jedes in einem eigenen Absatz mit vollständigem Bau (siehe unten). Bei der dialektischen Erörterung: erst die Seite, die Sie nicht vertreten, dann Ihre Seite – das stärkste Argument zuletzt. Bei der linearen: Argumente in steigender Wichtigkeit. Absätze durch Konnektoren verbinden.
Schluss (10–15 %)
Das Ergebnis der Abwägung – Ihre Position – und ein Ausblick, eine Empfehlung oder eine Bedingung. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorteile überwiegen, sofern … Meiner Ansicht nach sollte deshalb … Kein neues Argument im Schluss.
Wie ein Argument gebaut ist
Der häufigste Grund für eine mittelmäßige Bewertung ist nicht die Sprache, sondern dass „Argumente“ nur Behauptungen sind: Online-Unterricht ist praktisch. Außerdem spart man Zeit. Ein Argument hat vier Teile – und jeder davon ist ein Satz:
| Teil | Funktion | Redemittel | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Behauptung (These) | Was Sie sagen | Ein wichtiges Argument für … ist … · Zunächst ist zu bedenken, dass … · Dafür spricht, dass … | Ein wesentlicher Vorteil des Online-Unterrichts ist die zeitliche Flexibilität. |
| Begründung | Warum das stimmt | Das liegt daran, dass … · Der Grund dafür ist, dass … · Denn … · Schließlich … | Denn Berufstätige können die Termine in ihren Arbeitstag einpassen, ohne Fahrzeiten einplanen zu müssen. |
| Beispiel / Beleg | Woran man es sieht | Ein Beispiel dafür ist … · So zeigt sich … · Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass … · Laut einer Studie … | Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich meinen Deutschkurs nur deshalb durchhalten konnte, weil er in der Mittagspause stattfand. |
| Folgerung (optional) | Was daraus folgt | Daraus folgt, dass … · Das bedeutet, dass … · Somit … | Somit ermöglicht das Online-Format vielen Menschen, überhaupt regelmäßig zu lernen. |
Merken Sie sich die Formel B–B–B: Behauptung, Begründung, Beispiel. Ein Absatz mit allen drei Teilen ist ein Argument; ein Satz allein ist eine Meinung. Drei vollständige Argumente sind besser als sechs Behauptungen.
Redemittel nach Funktion
| Funktion | Redemittel (B2 → C1) |
|---|---|
| Zum Thema hinführen | Das Thema … wird zurzeit viel diskutiert. · Immer mehr Menschen … · In der heutigen Zeit … · Es ist unbestritten, dass … · Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie … · Die Frage, ob …, beschäftigt … · Angesichts der Tatsache, dass … · Vor dem Hintergrund … |
| Ankündigen | Im Folgenden möchte ich … · Zunächst werde ich …, anschließend … · Dazu werde ich Vor- und Nachteile gegenüberstellen und abschließend … · Der vorliegende Text befasst sich mit … |
| Pro | Dafür spricht, dass … · Ein Vorteil ist … · Für … spricht auch … · Ein weiteres Argument dafür ist … · Nicht zu unterschätzen ist … · Hinzu kommt, dass … · Befürworter argumentieren, dass … · Ein entscheidender Vorzug liegt darin, dass … |
| Kontra | Dagegen spricht, dass … · Ein Nachteil ist … · Andererseits … · Allerdings darf man nicht vergessen, dass … · Kritiker wenden ein, dass … · Problematisch ist … · Dem steht entgegen, dass … · Es ist jedoch fraglich, ob … |
| Gliedern | Erstens …, zweitens …, drittens … · Zunächst … · Außerdem … · Darüber hinaus … · Ferner … · Des Weiteren … · Nicht zuletzt … · Schließlich … · Vor allem aber … |
| Abwägen | Einerseits …, andererseits … · Zwar …, aber … · Trotz dieser Vorteile … · Wägt man die Argumente gegeneinander ab, … · Beide Seiten haben ihre Berechtigung, jedoch … · Es kommt darauf an, ob … · Das hängt davon ab, … |
| Meinung äußern | Meiner Meinung nach … · Ich bin der Ansicht / Auffassung, dass … · Ich halte … für … · Aus meiner Sicht … · Meines Erachtens … · Ich vertrete den Standpunkt, dass … · Ich bin davon überzeugt, dass … · Für mich steht fest, dass … |
| Einschränken und relativieren | Das gilt allerdings nur, wenn … · Unter der Voraussetzung, dass … · Vorausgesetzt, … · Sofern … · Mit Einschränkungen … · In gewissem Maße … · Zumindest … |
| Bezug auf Text oder Grafik | Wie der Text / die Grafik zeigt, … · Der Autor vertritt die Auffassung, dass … · Dem ist zuzustimmen / zu widersprechen, weil … · Die Zahlen belegen, dass … · Im Gegensatz zur Aussage des Textes … |
| Fazit | Zusammenfassend lässt sich sagen, dass … · Abschließend … · Insgesamt … · Alles in allem … · Aus den genannten Gründen … · Letztlich überwiegen … · Daher plädiere ich für / dafür, dass … · Es bleibt zu hoffen, dass … · Es wäre wünschenswert, wenn … |
Die vollständige Sammlung nach Niveau – auch für die mündliche Prüfung – steht unter Redemittel für die Prüfung.
Was die einzelnen Prüfungen verlangen
| Prüfung | Aufgabe | Umfang und Zeit | Worauf die Bewertung achtet |
|---|---|---|---|
| telc Deutsch B2 | Schriftlicher Ausdruck: Wahl zwischen zwei Aufgaben – meist formeller/halbformeller Brief oder Stellungnahme zu vier Leitpunkten | ca. 150–200 Wörter, 30 Minuten | Alle Leitpunkte behandelt, Textaufbau, Ausdruck, Korrektheit; Register zur Textsorte passend |
| Goethe-Zertifikat B2 | Schreiben Teil 1: Forumsbeitrag zu einer Frage mit Vorgaben (Meinung, Vorteile, Nachteile, Beispiel) | ca. 150 Wörter, empfohlen 50 Minuten für Teil 1 (Schreiben gesamt 75 Minuten) | Erfüllung der Vorgaben, Kohärenz, Wortschatz, Strukturen – ein Text nur mit „Ich finde“ verliert im Ausdruck |
| telc Deutsch C1 | Schriftlicher Ausdruck: Wahl zwischen zwei Aufgaben – Stellungnahme zu einer Aussage oder grafikgestützte Argumentation | ca. 350 Wörter, 70 Minuten | Aufgabenbewältigung, Kohärenz und Textaufbau, Ausdruck und Register, sprachliche Korrektheit; erwartet werden Nominalstil, Konnektorenvielfalt und klare Gliederung |
| Goethe-Zertifikat C1 | Schreiben: argumentativer Text mit vorgegebenen Inhaltspunkten (Format je nach Prüfungsversion – aktuelle Modellsätze prüfen) | ca. 200–230 Wörter | Inhaltspunkte vollständig und ausgewogen; Textstruktur; Ausdruck; Korrektheit |
| TestDaF | Schriftlicher Ausdruck: Grafikbeschreibung, dann Erörterung einer Frage mit Bezug auf vorgegebene Aussagen und eigene Position | 60 Minuten für beides; keine Wortvorgabe, üblich 300–400 Wörter | Bewertet in Stufen TDN 3–5: Gesamteindruck, Aufgabenbewältigung, sprachliche Realisierung; TDN 4 verlangt strukturierten Aufbau mit Begründungen, TDN 5 differenzierte Argumentation und wissenschaftsnahes Register |
| DSH | Textproduktion: Stellungnahme zu einem Thema, oft mit Grafik oder Textvorgabe | ca. 250 Wörter, 60–70 Minuten (je nach Hochschule) | Inhalt, Aufbau, Sprache; erwartet: Nominalstil, Passiv, komplexe Sätze |
| DTB B2 | Schreiben: berufsbezogene Stellungnahme oder Beschwerde | ca. 150 Wörter | Berufliches Register, Vollständigkeit, Höflichkeitsformen |
Ein vollständiges Beispiel (B2/C1)
Aufgabe: „Sollten Deutschkurse für Berufstätige ausschließlich online stattfinden? Nehmen Sie Stellung und begründen Sie Ihre Meinung.“ – Ein Text von etwa 250 Wörtern:
Einleitung: Seit einigen Jahren finden immer mehr Sprachkurse online statt, und viele Anbieter haben ihre Präsenzangebote für Berufstätige ganz aufgegeben. Ob das eine sinnvolle Entwicklung ist, wird kontrovers diskutiert. Im Folgenden möchte ich die wichtigsten Argumente beider Seiten abwägen und begründen, warum ich eine Mischung aus beiden Formaten für die beste Lösung halte.
Argument 1 (Pro): Für den Online-Unterricht spricht vor allem die zeitliche Flexibilität. Berufstätige können Termine in ihren Arbeitstag einpassen, ohne Fahrzeiten einplanen zu müssen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich meinen Kurs nur deshalb regelmäßig besuchen konnte, weil er in der Mittagspause stattfand. Für viele Menschen ist das Online-Format somit die einzige Möglichkeit, überhaupt kontinuierlich zu lernen.
Argument 2 (Kontra): Andererseits darf man nicht unterschätzen, wie wichtig der direkte Kontakt beim Sprachenlernen ist. Im Präsenzunterricht entstehen spontane Gespräche, Körpersprache und Mimik unterstützen das Verstehen, und die Konzentration ist in der Regel höher als vor dem Bildschirm. Gerade beim Sprechen, das viele Lernende als schwierigsten Bereich empfinden, ist die Hemmschwelle im Raum oft niedriger.
Abwägung: Wägt man beide Seiten gegeneinander ab, so zeigt sich, dass die Argumente nicht gegeneinander stehen, sondern unterschiedliche Bedürfnisse betreffen: Flexibilität einerseits, Intensität andererseits.
Fazit: Zusammenfassend bin ich der Ansicht, dass Deutschkurse für Berufstätige nicht ausschließlich online stattfinden sollten. Sinnvoller wäre ein hybrides Modell, bei dem der Großteil online und einzelne Termine in Präsenz stattfinden – sofern die Lernenden in erreichbarer Nähe wohnen. So ließen sich die Vorteile beider Formate verbinden.
Der Text erfüllt die Aufgabe (Stellung + Begründung), hat zwei vollständige Argumente nach B–B–B, wägt ab, benutzt zwölf verschiedene Konnektoren und Redemittel, wechselt zwischen Verbal- und Nominalstil und schließt mit einer differenzierten Position samt Bedingung. Das ist die Struktur, die in allen genannten Prüfungen die obere Hälfte der Skala erreicht.
Zeitplanung in der Prüfung
Für eine Aufgabe mit 60 Minuten hat sich diese Aufteilung bewährt – wer sie einhält, gibt keinen unfertigen Text ab:
- 5 Minuten – Aufgabe lesen und Leitpunkte markieren. Jeder Leitpunkt, der fehlt, kostet in der Aufgabenbewältigung; ein vergessener Punkt ist der häufigste Grund für einen Abzug.
- 10 Minuten – Stichwortplan. Position festlegen, zwei bis vier Argumente mit je einem Beispiel notieren, Reihenfolge bestimmen. Nicht ausformulieren.
- 35 Minuten – Schreiben. Einleitung kurz halten, Hauptteil mit Absätzen, Schluss nicht vergessen. Wortzahl grob im Blick – lieber drei gute Argumente als fünf halbe.
- 10 Minuten – Korrekturlesen mit fester Checkliste: Verb auf Position 2 und am Nebensatzende, Endungen nach Präpositionen, Kommas vor dass, weil, obwohl, Groß- und Kleinschreibung, alle Leitpunkte abgehakt.
Typische Fehler – und was dagegen hilft
| Fehler | Was dagegen hilft |
|---|---|
| Leitpunkte übersehen – die Aufgabe nennt vier Punkte, der Text behandelt zwei | Leitpunkte vor dem Schreiben nummerieren und im Plan abhaken; jeder Leitpunkt bekommt mindestens einen Absatz oder drei Sätze. |
| Behauptung statt Argument – Online ist besser. Außerdem ist es praktisch. | B–B–B: Zu jeder Behauptung eine Begründung mit weil/denn/da und ein Beispiel mit zum Beispiel / so / aus eigener Erfahrung. |
| Meinung in der Einleitung – Ich finde, Online-Kurse sind besser, weil … im ersten Satz | Einleitung führt hin, der Schluss antwortet. Ausnahme: die lineare Stellungnahme, in der die These vorn steht – dann aber ohne Begründung in der Einleitung. |
| Kein Absatz, keine Konnektoren – ein Textblock | Ein Argument = ein Absatz; jeder Absatz beginnt mit einem Gliederungswort (Zunächst, Außerdem, Andererseits, Schließlich). |
| Nur „Ich finde“ und „aber“ | Für jede Funktion drei Alternativen bereithalten (Tabelle oben) und im Text nicht zweimal dieselbe benutzen. |
| Falsches Register – Umgangssprache (voll gut, krass, Leute) oder Anrede in einem neutralen Text | Textsorte prüfen: Der Forumsbeitrag darf persönlich sein, die Erörterung nicht. Nie du in Prüfungstexten außer in informellen Briefen. |
| Neue Argumente im Schluss | Der Schluss fasst zusammen und positioniert; alles Neue gehört in den Hauptteil. |
| Auswendig gelernter Text, der nicht zur Aufgabe passt | Korrektoren erkennen Standardtexte und werten sie in der Aufgabenbewältigung ab. Redemittel auswendig lernen – Texte nicht. |
| Zu lang oder zu kurz | Wortvorgabe ± 10 %. Zu kurz kostet Punkte in der Aufgabenbewältigung; zu lang kostet Zeit und erhöht die Fehlerzahl. |
| Grafik ignoriert (TestDaF, telc C1) | Mindestens ein Argument muss sich auf die Daten beziehen: Wie die Grafik zeigt, … |
Was auf welcher Stufe verlangt wird
| Stufe | Erwartung |
|---|---|
| B1 | Kurze Stellungnahme (ca. 80 Wörter) mit Meinung und zwei Gründen; einfache Konnektoren (weil, aber, deshalb, außerdem); als Teil eines halbformellen Briefs oder Forumsbeitrags |
| B2 | Dreiteiliger Aufbau mit Einleitung und Fazit; zwei bis drei vollständige Argumente mit Begründung und Beispiel; Gegenargument berücksichtigen; Redemittel für Pro, Kontra, Meinung und Fazit; 150–200 Wörter in 30 Minuten |
| C1 | Dialektische Erörterung mit Synthese; differenzierte Position mit Bedingungen; Bezug auf Text oder Grafik; Nominalstil in Einleitung und Fazit; Konnektorenvielfalt; 300–400 Wörter in 60–70 Minuten; Register der Wissenschaft (TestDaF/DSH) oder des gehobenen Alltags (telc/Goethe) |
| C2 | Stilistische Souveränität: Ironie, rhetorische Fragen, Zitate; Erörterung als Essay; Argumentation auf mehreren Ebenen; präzise Wortwahl und Idiomatik |
So üben wir das in der Prüfungsvorbereitung
Argumentatives Schreiben lernt man durch Schreiben mit Korrektur – nicht durch Lesen von Musterlösungen. In der telc-, Goethe- und TestDaF-/DSH-Vorbereitung arbeiten wir in einem festen Rhythmus: Sie schreiben pro Woche einen Text zu einer Aufgabe im Prüfungsformat und unter Prüfungszeit, ich korrigiere ihn nach den Kriterien der jeweiligen Prüfung – Aufgabenbewältigung, Aufbau, Ausdruck, Korrektheit – und wir besprechen die drei Punkte, die den größten Unterschied machen. Parallel bauen wir die Redemittel und Konnektoren auf und üben ab C1 den Nominalstil an Ihren eigenen Sätzen. Nach acht bis zehn korrigierten Texten sitzt der Aufbau, und die Fehler, die Punkte kosten, sind bekannt und abgestellt. Wer die Stellungnahme für das Studium oder den Beruf braucht, arbeitet mit Themen aus dem eigenen Fach.
Häufige Fragen
Wie ist eine Stellungnahme aufgebaut?
In drei Teilen: Die Einleitung führt zum Thema hin und nennt die Frage, ohne sie schon zu beantworten. Der Hauptteil enthält zwei bis vier Argumente, jedes in einem eigenen Absatz mit Behauptung, Begründung und Beispiel; bei einer Erörterung erst die Gegenseite, dann die eigene Seite mit dem stärksten Argument zuletzt. Der Schluss fasst zusammen, nennt die eigene Position und gibt einen Ausblick oder eine Empfehlung – ohne neues Argument.
Einleitung und Schluss machen je 10 bis 15 Prozent des Textes aus.
Was ist der Unterschied zwischen Stellungnahme und Erörterung?
Die Stellungnahme vertritt eine Position und begründet sie; Gegenargumente werden kurz erwähnt und entkräftet. Die Erörterung untersucht eine Frage systematisch – linear (Argumente in einer Richtung, steigend) oder dialektisch (Pro und Kontra gegenübergestellt, dann eine Synthese).
In der Praxis der Prüfungen verschwimmt der Unterschied: telc und Goethe verlangen auf B2 meist eine Stellungnahme mit Berücksichtigung der Gegenseite, TestDaF, DSH und die C1-Prüfungen eher eine Erörterung mit abschließender Position. Der Argumentbau ist in beiden Fällen derselbe.
Darf ich in der Stellungnahme „ich“ schreiben?
Ja – in Maßen und an der richtigen Stelle. Die eigene Meinung im Fazit (Meiner Ansicht nach …, Ich bin davon überzeugt, dass …) und ein persönliches Beispiel im Hauptteil (Aus eigener Erfahrung weiß ich …) sind erwünscht und in den Aufgaben oft ausdrücklich verlangt.
Was Punkte kostet, ist ein Text, der nur aus „Ich finde“ besteht. Die Argumente selbst sollten allgemein formuliert sein: Dafür spricht, dass … statt Ich finde gut, dass …. In TestDaF und DSH ist das Register sachlicher – dort ist ich im Fazit üblich, im Hauptteil selten.
Wie viele Argumente brauche ich?
Zwei bis vier – vollständig. Ein vollständiges Argument hat eine Behauptung, eine Begründung und ein Beispiel und füllt einen Absatz von vier bis sechs Sätzen. Für einen B2-Text mit 150 bis 200 Wörtern reichen zwei Argumente plus ein Gegenargument; für einen C1-Text mit 300 bis 400 Wörtern sind drei bis vier angemessen.
Mehr Argumente bedeuten fast immer weniger Tiefe – und Tiefe ist es, was die Bewertung honoriert. Wenn die Aufgabe Leitpunkte vorgibt, bestimmen diese die Zahl: jeder Leitpunkt ein Absatz.
Was ist der häufigste Fehler in der Prüfung?
Nicht die Grammatik, sondern die Aufgabe: Leitpunkte werden übersehen oder nur mit einem Satz gestreift, die Wortzahl wird deutlich unter- oder überschritten, oder der Text passt nicht zur verlangten Textsorte (Erörterung statt Forumsbeitrag, informeller Ton in einer formellen Stellungnahme). Diese Fehler wiegen im Kriterium Aufgabenbewältigung schwer und lassen sich am leichtesten vermeiden: fünf Minuten für das Lesen der Aufgabe, Leitpunkte nummerieren, am Ende abhaken.
Erst danach kommen die sprachlichen Fehler – und die häufigsten davon sind fehlende Absätze und immer dieselben Konnektoren.
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Acht korrigierte Texte – und der Aufbau sitzt
Argumentatives Schreiben ist die Aufgabe, die auf B2 und C1 am meisten Punkte bringt – und die man nur mit Korrektur lernt. In der Prüfungsvorbereitung schreiben Sie wöchentlich unter Prüfungsbedingungen, ich korrigiere nach den Kriterien Ihrer Prüfung. Das Erstgespräch ist kostenlos.
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