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Grammatik verstehen · A1 bis B1

Trennbare Verben

Ich rufe Sie morgen an. – Warum steht die Vorsilbe am Satzende, und woher weiß man, welche Verben sich überhaupt trennen? Die Antwort ist einfacher, als sie aussieht: Sie steckt in der Betonung.

Was überhaupt passiert

Viele deutsche Verben bestehen aus zwei Teilen: einer Vorsilbe und einem Grundverb. anrufen ist an + rufen, aufstehen ist auf + stehen. Bei den trennbaren Verben löst sich diese Vorsilbe im Satz vom Verb und wandert ans Ende:

  • Infinitiv: anrufen → Satz: Ich rufe Sie morgen an.
  • Infinitiv: einkaufen → Satz: Wir kaufen am Samstag ein.
  • Infinitiv: mitbringen → Satz: Bringen Sie bitte den Ausweis mit.

Das ist derselbe Mechanismus wie bei den Modalverben: die Satzklammer. Ein Teil der Verbinformation steht vorn, der andere hinten, und dazwischen liegt alles Übrige. Wer beim Zuhören das Satzende verpasst, verpasst die halbe Bedeutung – Ich rufe Sie an und Ich rufe Sie zurück unterscheiden sich erst im letzten Wort.

Die Regel, die immer funktioniert: hören Sie auf die Betonung

Statt Listen auswendig zu lernen, prüfen Sie die Betonung des Infinitivs:

BetonungBeispielIm Satz
trennbarauf der VorsilbeÁN·rufen, ÁUF·stehen, ÉIN·kaufenVorsilbe geht ans Ende
untrennbarauf dem Verbstammver·STÉH·en, be·SÚCH·en, er·KLÄ́R·enbleibt zusammen

Diese Regel hat keine Ausnahmen, und sie funktioniert auch bei Verben, die Sie zum ersten Mal hören. Genau deshalb lohnt es sich, neue Verben immer laut zu lernen – wer nur liest, verliert diese Information. Mehr dazu unter Aussprache verbessern.

Die Vorsilben im Überblick

Immer trennbarImmer untrennbarMal so, mal so
ab-, an-, auf-, aus-, bei-, ein-, fest-, her-, hin-, los-, mit-, nach-, vor-, weg-, zu-, zurück-, zusammen- be-, emp-, ent-, er-, ge-, miss-, ver-, zer- durch-, über-, um-, unter-, wieder-, voll-

Die mittlere Spalte ist die gute Nachricht: Diese acht Vorsilben sind nie trennbar, und Sie erkennen sie sofort. Die rechte Spalte entscheidet sich pro Verb – und wieder hilft die Betonung:

  • Ich ziehe nächsten Monat um. (ÚM·ziehen – trennbar, Wohnungswechsel)
  • Er umarmt seinen Sohn. (um·ÁRM·en – untrennbar)
  • Ich übersetze den Brief. (über·SÉTZ·en – untrennbar, in eine andere Sprache)
  • Der Fährmann setzt uns über. (Ǘber·setzen – trennbar, ans andere Ufer)

Solche Paare sind selten und im Alltag gut zu verkraften. Lernen Sie sie nicht als Regel, sondern als kleine Sammlung – zwei, drei Paare reichen, um das Prinzip zu verstehen.

Wohin die Vorsilbe wandert – vier Fälle

SituationBeispiel
Hauptsatz, Präsens/PräteritumIch stehe um sechs Uhr auf.
Nebensatz – alles wieder zusammen, ganz hinten…, weil ich um sechs Uhr aufstehe.
Mit Modalverb – Infinitiv bleibt ganzIch muss um sechs Uhr aufstehen.
Infinitiv mit zu – zu in die MitteIch habe vergessen, Sie anzurufen.

Der vierte Fall überrascht viele: Das zu steht nicht davor, sondern zwischen Vorsilbe und Verb, und alles bleibt ein Wort – anzurufen, einzukaufen, mitzubringen. Bei untrennbaren Verben ist es normal: zu verstehen, zu besuchen.

Perfekt: das ge- steht in der Mitte

Im Partizip II rutscht das ge- zwischen Vorsilbe und Stamm. Untrennbare Verben bekommen dagegen gar kein ge-:

VerbPartizip IIBeispielsatz
anrufen (trennbar)angerufenIch habe Sie gestern angerufen.
einkaufen (trennbar)eingekauftWir haben schon eingekauft.
aufstehen (trennbar)aufgestandenEr ist früh aufgestanden.
verstehen (untrennbar)verstandenIch habe alles verstanden.
besuchen (untrennbar)besuchtSie hat ihre Familie besucht.

Dieselbe Regel gilt für Verben auf -ieren: studiert, telefoniert, informiert – auch hier kein ge-. Wie Perfekt und Präteritum sich sonst verteilen, steht unter Perfekt oder Präteritum?

Trennbare Verben, die Sie im Alltag ständig brauchen

Diese Verben lohnen sich als kleine Lernliste, weil sie in fast jedem Gespräch vorkommen – beim Arzt, im Amt, am Telefon, im Betrieb:

AlltagTermine & BehördenBeruf
aufstehen, einkaufen, fernsehen, aufräumen, anziehen, zumachen, mitkommen, ausgehen anrufen, absagen, ausfüllen, mitbringen, abgeben, vorbeikommen, nachfragen, zurückrufen anfangen, aufhören, teilnehmen, vorbereiten, einreichen, weiterleiten, zusammenarbeiten, festlegen

Ein Hinweis, der viel Zeit spart: Lernen Sie diese Verben nie allein, sondern immer mit ihrem typischen Umfeld – einen Termin absagen, ein Formular ausfüllen, an einer Sitzung teilnehmen. Warum das so viel effektiver ist, steht unter Wortschatz aufbauen.

Drei typische Fehler

  • Die Vorsilbe bleibt vorn. Ich anrufe Sie morgen – der Satz ist verständlich, aber sofort als Lernerfehler hörbar. Abhilfe: ganze Sätze üben, keine Einzelformen.
  • Das ge- rutscht nach vorn. geangerufen statt angerufen. Hilfreich ist die Merkformel: Vorsilbe – ge – Stamm.
  • zu steht davor. Ich habe vergessen, zu anrufen statt anzurufen. Das zu geht in die Mitte, das Wort bleibt zusammen.

Was auf welcher Stufe verlangt wird

StufeWas verlangt wird
A1Die häufigsten trennbaren Verben im Präsens, Vorsilbe am Satzende, Imperativ
A2Perfekt mit ge- in der Mitte, trennbare Verben mit Modalverb, Nebensatz
B1Infinitiv mit zu, Wechselpräfixe wie um- und über-, Bedeutungsnuancen
B2 und höherPräfixe als Wortbildungsmittel: aus einem Grundverb zehn Bedeutungen erschließen

Der letzte Punkt ist auf höheren Stufen ein echter Wortschatzhebel: Wer ziehen kennt und die Vorsilben versteht, erschließt sich anziehen, ausziehen, umziehen, einziehen, abziehen, vorziehen – ohne sechs neue Vokabeln zu lernen.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob ein Verb trennbar ist?

An der Betonung des Infinitivs. Liegt der Ton auf der Vorsilbe – ÁN·rufen, ÁUF·stehen –, ist das Verb trennbar. Liegt er auf dem Verbstamm – ver·STÉH·en, be·SÚCH·en –, ist es untrennbar.

Die Regel gilt ausnahmslos und funktioniert auch bei unbekannten Verben. Deshalb sollten Sie neue Verben immer laut lernen, nicht nur lesen.

Welche Vorsilben sind nie trennbar?

be-, emp-, ent-, er-, ge-, miss-, ver- und zer-. Diese acht bleiben immer am Verb: besuchen, entscheiden, erklären, verstehen, zerstören.

Sie bekommen im Perfekt auch kein ge-: „Ich habe alles verstanden“, nicht „geverstanden“.

Wo steht die Vorsilbe im Nebensatz?

Im Nebensatz wandert das ganze Verb ans Ende, und die Vorsilbe klebt wieder daran: „…, weil ich um sechs Uhr aufstehe.“

Das gilt für alle Nebensätze mit weil, dass, wenn, ob und für Relativsätze. Getrennt wird nur im Hauptsatz.

Wie bilde ich den Infinitiv mit zu bei trennbaren Verben?

Das zu steht zwischen Vorsilbe und Verbstamm, und alles bleibt ein Wort: anzurufen, einzukaufen, mitzubringen, vorzubereiten.

Bei untrennbaren Verben ist es wie erwartet: zu verstehen, zu besuchen, zu erklären.

Warum heißt „umziehen“ mal trennbar und mal nicht?

Weil einige Vorsilben – durch-, über-, um-, unter-, wieder- – beides können, und die Bedeutung sich dabei ändert. „Ich ziehe um“ (Wohnungswechsel) ist trennbar, „Er umarmt sie“ ist untrennbar.

Auch hier entscheidet die Betonung. Es sind wenige Verben, und im Kurs nehmen wir sie als Paare mit, statt sie als Regel zu lernen.

Preise

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45 € / 60 Min.

100 % individuell · alle Niveaus

Kleingruppe

30 € / Person · 60 Min.

2–3 Personen · kommunikativ

Prüfungsvorbereitung

50 € / 60 Min.

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Trennbare Verben hört man, bevor man sie versteht

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