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Grammatik verstehen · B1 bis B2

Die n-Deklination: der Student, den Studenten, dem Kollegen

Ich habe den Kollegen gefragt. Kennen Sie Herrn Müller? Das Foto des Präsidenten. Eine kleine Gruppe maskuliner Nomen hängt in allen Fällen außer dem Nominativ ein -n oder -en an – und weil das im Lehrbuch oft nur eine halbe Seite bekommt, bleibt es bis B2 eine der stabilsten Fehlerquellen. Dabei ist die Gruppe klein, gut erkennbar und in Prüfungen ein zuverlässiger Punkt. Hier steht, welche Nomen dazugehören und wie man sie erkennt.

Was die n-Deklination ist

Die meisten deutschen Nomen ändern ihre Form im Singular nicht – nur der Artikel zeigt den Kasus: der Tisch, den Tisch, dem Tisch, des Tisches. Eine Gruppe maskuliner Nomen macht es anders: Sie bekommt in Akkusativ, Dativ und Genitiv Singular die Endung -n oder -en – und im Plural sowieso. Nur der Nominativ Singular bleibt ohne Endung.

Kasusnormal: der Tischn-Deklination: der Studentn-Deklination: der Kollege
Nominativder Tischder Studentder Kollege
Akkusativden Tischden Studentenden Kollegen
Dativdem Tischdem Studentendem Kollegen
Genitivdes Tischesdes Studentendes Kollegen
Plural (alle Kasus)die Tischedie Studentendie Kollegen

Merken Sie sich das Muster als „-en überall außer im Nominativ Singular“. Nomen auf -e bekommen nur -n (Kollege → Kollegen), alle anderen -en (Student → Studenten). Im Genitiv gibt es kein -s: des Studenten, nicht des Studentens. In der Grammatik heißt die Gruppe auch „schwache Maskulina“.

Woran man die Nomen erkennt: fünf Gruppen

Fast alle Nomen der n-Deklination sind maskulin und bezeichnen Lebewesen – Personen und Tiere. Innerhalb dieser Grenze helfen fünf Erkennungsgruppen:

GruppeErkennungBeispiele
1. Maskuline Personen und Tiere auf -eder + Lebewesen + Endung -eder Kollege, der Junge, der Kunde, der Neffe, der Zeuge, der Experte, der Erbe, der Bote, der Gatte, der Sklave, der Riese, der Franzose, der Chinese, der Brite, der Ire, der Däne, der Schwede, der Löwe, der Affe, der Hase, der Rabe, der Bulle, der Ochse
2. Nationalitäten und Ethnien auf Konsonantmeist auf -e (Gruppe 1), einige ohneder Ungar, der Bayer, der Kroate, der Slowake, der Finne, der Grieche, der Türke, der Russe, der Pole, der Bulgare, der Rumäne
3. Personenbezeichnungen aus dem Griechischen und LateinischenEndungen -ent, -ant, -ist, -at, -oge, -et, -it, -nom, -soph, -graf/-graph; Betonung auf der letzten Silbeder Student, der Präsident, der Patient, der Assistent, der Dirigent, der Praktikant, der Demonstrant, der Lieferant, der Elefant, der Polizist, der Journalist, der Tourist, der Spezialist, der Jurist, der Soldat, der Diplomat, der Kandidat, der Automat, der Biologe, der Pädagoge, der Psychologe, der Athlet, der Prophet, der Planet, der Komet, der Astronom, der Philosoph, der Fotograf, der Architekt
4. Einsilbige maskuline Personen und Tiere ohne -eeine feste kleine Liste – auswendig lernender Mensch, der Herr, der Held, der Bär, der Fürst, der Prinz, der Graf, der Narr, der Nachbar, der Bauer, der Hirt(e), der Spatz, der Fink
5. Sachnomen als Ausnahmenwenige Nomen auf -e, die im Genitiv zusätzlich ein -s bekommen (gemischte Deklination)der Name, der Gedanke, der Wille, der Glaube, der Friede(n), der Buchstabe, der Funke, der Same – und das Herz (das einzige Neutrum)

Umgekehrt gilt: Feminine und neutrale Nomen gehören nie zur n-Deklination (außer das Herz), und maskuline Nomen auf -er, -el, -ling oder -ich auch nicht (der Lehrer, der Onkel, der Lehrling). Maskuline Sachnomen mit Betonung auf der ersten Silbe (der Käse, der Wagen, der Garten) ebenfalls nicht.

Die Sonderfälle: Herr, Name, Herz

Kasusder Herrder Namedas Herz
Nominativder Herrder Namedas Herz
Akkusativden Herrnden Namendas Herz
Dativdem Herrndem Namendem Herzen
Genitivdes Herrndes Namensdes Herzens
Pluraldie Herrendie Namendie Herzen
  • Herr bekommt im Singular nur -n, im Plural -en: Sehr geehrter Herr Müller (Nominativ), aber Ich habe Herrn Müller angerufen. Ein Brief an Herrn Müller. Das Büro des Herrn Müller. Meine Herren! – In Briefen und E-Mails ist Herrn nach an, für, mit, von, bei und als Akkusativ eine der sichtbarsten Prüfstellen für korrektes Deutsch.
  • Name, Gedanke, Wille, Glaube, Friede, Buchstabe, Funke bekommen im Genitiv -ns: des Namens, des Gedankens, des Willens, des Glaubens, des Friedens, des Buchstabens. In der Umgangssprache erscheinen einige auch im Nominativ mit -n (der Frieden, der Glauben) – dann verhalten sie sich wie normale Nomen.
  • Herz ist das einzige Neutrum: das Herz, das Herz (Akk.), dem Herzen, des Herzens. In festen Wendungen häufig: von ganzem Herzen, im Herzen der Stadt, es liegt mir am Herzen.

Die Liste: 70 Nomen, die Sie brauchen

Sortiert nach Häufigkeit im Alltag und in Prüfungstexten. Die zweite Spalte zeigt die Form, die Sie am häufigsten falsch sehen werden – den Akkusativ:

NominativAkkusativ / DativNominativAkkusativ / DativNominativAkkusativ / Dativ
der Menschden Menschender Kundeden Kundender Polizistden Polizisten
der Herrden Herrnder Kollegeden Kollegender Journalistden Journalisten
der Jungeden Jungender Nachbarden Nachbarnder Touristden Touristen
der Studentden Studentender Patientden Patientender Spezialistden Spezialisten
der Präsidentden Präsidentender Praktikantden Praktikantender Juristden Juristen
der Experteden Expertender Assistentden Assistentender Optimistden Optimisten
der Zeugeden Zeugender Lieferantden Lieferantender Kandidatden Kandidaten
der Neffeden Neffender Produzentden Produzentender Diplomatden Diplomaten
der Bauerden Bauernder Konkurrentden Konkurrentender Soldatden Soldaten
der Heldden Heldender Abonnentden Abonnentender Automatden Automaten
der Prinzden Prinzender Dirigentden Dirigentender Architektden Architekten
der Fürstden Fürstender Demonstrantden Demonstrantender Biologeden Biologen
der Grafden Grafender Emigrantden Emigrantender Psychologeden Psychologen
der Boteden Botender Elefantden Elefantender Pädagogeden Pädagogen
der Erbeden Erbender Franzoseden Franzosender Soziologeden Soziologen
der Rieseden Riesender Chineseden Chinesender Philosophden Philosophen
der Löweden Löwender Griecheden Griechender Fotografden Fotografen
der Affeden Affender Türkeden Türkender Athletden Athleten
der Haseden Hasender Russeden Russender Planetden Planeten
der Bärden Bärender Poleden Polender Nameden Namen (des Namens)
der Rabeden Rabender Ireden Irender Gedankeden Gedanken (des Gedankens)
der Ochseden Ochsender Briteden Britender Willeden Willen (des Willens)
der Spatzden Spatzender Ungarden Ungarnder Buchstabeden Buchstaben (des Buchstabens)
der Narrden Narrender Bayerden Bayerndas Herzdas Herz / dem Herzen (des Herzens)

Wo die n-Deklination im Alltag steht

Die Endung fällt vor allem in vier Situationen auf – und drei davon sind schriftlich:

  • Briefanrede und Adressfeld: An Herrn Dr. Weber – Sehr geehrter Herr Weber – Vielen Dank, Herr Weber. Nach an (Akkusativ) steht Herrn, in der Anrede (Nominativ) Herr. Siehe Briefe und E-Mails schreiben.
  • Berufsbezeichnungen im Beruf: Ich habe mit dem Kunden gesprochen. Wir suchen einen Praktikanten. Das Gespräch mit dem Kollegen. Im Business-Deutsch sind Kunde, Kollege, Lieferant, Konkurrent, Produzent, Experte tägliche Wörter.
  • Nationalitäten: Ich habe einen Franzosen kennengelernt. Bei den Griechen … – und die feminine Form ist immer regelmäßig: die Französin, die Kundin, die Kollegin, die Studentin.
  • Feste Wendungen: im Namen des Gesetzes, von ganzem Herzen, um des Friedens willen, guten Willens sein, dem Menschen dienen.

Wo die n-Deklination geprüft wird

In keiner Prüfung gibt es eine Aufgabe „n-Deklination“ – aber sie steckt in den Kriterien. Im Prüfungsteil Schreiben von telc B1 und B2, Goethe B2 und DTB fließt Formkorrektheit in die Bewertung ein, und ein Brief an Herr Müller ist eine der Stellen, die Korrektoren sofort sehen. In Sprachbausteinen (telc B2) und im Teil „Sprachbausteine/Grammatik“ von DSH-Prüfungen werden Endungen direkt abgefragt – den Präsident___, mit dem Patient___ ist ein klassischer Lückentyp. Und in der mündlichen Prüfung zählt es unter „Korrektheit“ mit, wenn Sie von dem Kollege statt dem Kollegen sprechen.

Was auf welcher Stufe verlangt wird

StufeErwartung
A2Die häufigsten Formen als feste Wörter: Herrn in der Adresse, den Kollegen, den Kunden, den Jungen; Verständnis, warum das Wort sich ändert
B1Regel und Gruppen 1–4 bekannt; im formellen Brief fehlerfrei (an Herrn, mit dem Kollegen); Nationalitäten und Berufe auf -ent, -ist, -e sicher
B2Alle Gruppen einschließlich Genitiv (des Studenten, des Namens); n-Deklination in Verbindung mit Adjektivendungen (mit dem neuen Kollegen) und Relativsätzen; Erkennen an der Betonung bei Fremdwörtern
C1Automatisiert; Sonderfälle mit -ns, Herz; sicheres Erkennen unbekannter Wörter derselben Gruppen (der Ökonom, der Anthropologe, der Rezipient)

Typische Fehler – und was dagegen hilft

FehlerRichtigWarum
Ich habe den Kollege gefragt.Ich habe den Kollegen gefragt.Akkusativ → -n
Sehr geehrter Herrn Müller,Sehr geehrter Herr Müller,Anrede = Nominativ → ohne -n
An Herr MüllerAn Herrn Mülleran + Akkusativ → -n
des Studentensdes Studentenn-Deklination hat im Genitiv kein -s (außer Name, Herz und Co.)
die Studentenin / der Studentindie Studentin, den Studentenfeminine Formen sind regelmäßig; die Endung -en gehört nur zur maskulinen Form
der Namen (Nominativ)der NameNominativ ohne Endung; -n erst ab Akkusativ
dem Lehreren, den Onkeln (Singular)dem Lehrer, den OnkelNomen auf -er, -el gehören nicht zur n-Deklination; Übergeneralisierung
der Student, der Junge → der Studenteder StudentNicht alle Nomen der Gruppe enden auf -e; die Endung des Nominativs bleibt, wie sie ist

So üben wir das im Unterricht

Die n-Deklination ist ein Thema, das in zwei Stunden verstanden und in zwei Monaten automatisiert ist. Im Einzelunterricht beginnen wir mit den zehn Wörtern, die Sie täglich brauchen – meist Herr, Kollege, Kunde, Mensch, Nachbar, Junge, Student und die Berufe Ihres Umfelds –, und verankern die Akkusativ- und Dativform in Sätzen, die Sie wirklich sagen: Ich habe mit dem Kunden telefoniert. Fragen Sie den Kollegen. Dann kommen die Erkennungsgruppen, damit Sie neue Wörter selbst einordnen können. Wer eine Prüfung vorbereitet, bekommt die Endungen zusätzlich als Lückenübung im Prüfungsformat und trainiert im Schreibtraining den formellen Brief, bis an Herrn und Sehr geehrter Herr ohne Nachdenken stimmen.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob ein Nomen zur n-Deklination gehört?

Drei Fragen in dieser Reihenfolge: Ist es maskulin? Bezeichnet es eine Person oder ein Tier? Endet es auf -e oder auf eine Fremdwort-Endung wie -ent, -ant, -ist, -at, -oge – oder gehört es zu den wenigen einsilbigen Wörtern wie Mensch, Herr, Held, Bär, Nachbar, Bauer? Wenn ja, bekommt es außer im Nominativ Singular -n oder -en.

Feminine und neutrale Nomen (außer Herz) sowie maskuline Nomen auf -er und -el gehören nie dazu. Im Wörterbuch erkennt man die Gruppe an der Angabe „-en, -en“ nach dem Nomen.

Heißt es „Herr Müller“ oder „Herrn Müller“?

Beides – je nach Kasus. In der Anrede steht der Nominativ: Sehr geehrter Herr Müller, Guten Tag, Herr Müller. Sobald Herr Objekt ist oder nach einer Präposition steht, kommt das -n: an Herrn Müller, für Herrn Müller, mit Herrn Müller, Ich habe Herrn Müller gesprochen, im Büro von Herrn Müller.

Im Plural heißt es Herren: Meine Damen und Herren. Die weibliche Form Frau ändert sich nie.

Bekommt „der Name“ im Genitiv -n oder -ns?

-ns: des Namens. Name, Gedanke, Wille, Glaube, Friede, Buchstabe, Funke und Same bilden eine kleine Mischgruppe: Akkusativ und Dativ wie die n-Deklination (den Namen, dem Namen), Genitiv zusätzlich mit -s (des Namens). Ebenso das Herz: dem Herzen, des Herzens – aber Akkusativ das Herz ohne Endung.

Alle anderen Nomen der n-Deklination haben im Genitiv nur -en: des Studenten, des Kollegen. Mehr zum Genitiv: Genitiv im Deutschen.

Gilt die n-Deklination auch für die weiblichen Formen?

Nein. Die Kundin, die Kollegin, die Studentin, die Französin sind feminin und im Singular unveränderlich: der Kundin, mit der Kollegin, die Studentin (Akkusativ). Der Plural ist regelmäßig -nen: die Kundinnen.

Die n-Deklination betrifft ausschließlich die maskuline Form. Das ist praktisch: Wenn Sie über eine Frau sprechen, kann an dieser Stelle nichts schiefgehen.

Ist es schlimm, wenn ich das -n vergesse?

Verstanden werden Sie trotzdem – die Endung trägt keine Bedeutung. Aber sie ist ein sehr sichtbares Merkmal: Muttersprachler hören den Kollege und der Herr Müller in der Adresse sofort, und in schriftlichen Prüfungen ab B1 fließt es in das Kriterium Korrektheit ein.

In formellen Briefen, Bewerbungen und im Beruf lohnt sich die Endung deshalb doppelt: Sie ist mit wenig Aufwand zu lernen und signalisiert sichere Grammatik.

Preise

Einzelunterricht

45 € / 60 Min.

100 % individuell · alle Niveaus

Kleingruppe

30 € / Person · 60 Min.

2–3 Personen · kommunikativ

Prüfungsvorbereitung

50 € / 60 Min.

Einzelcoaching · alle Formate

10er-Pakete mit Rabatt gibt es auf Anfrage, das Erstgespräch ist kostenlos. Alle Preise unter Was kostet ein Deutschkurs?

Kleine Endung, große Wirkung

Die n-Deklination ist in zwei Stunden verstanden – automatisiert wird sie im Gespräch und im Brief. Im Einzelunterricht bauen wir sie in Ihre Sätze ein, bis den Kollegen und an Herrn Müller von selbst kommen. Das Erstgespräch ist kostenlos.

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