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Grammatik verstehen · A1 bis B1

Lokale Präpositionen: Wohin, wo, woher – nach, zu, in, bei, aus und von

Ich fahre nach Berlin. Ich gehe zum Arzt. Ich bin beim Arzt. Ich komme aus Polen. Ortsangaben gehören zu den ersten Dingen, die man auf Deutsch braucht – und zu denen, die auch auf B2 noch schiefgehen. Dabei hängt fast alles an drei Fragen: Wohin?, Wo? und Woher? Hier stehen die Regeln für nach, zu und in, die Ländernamen mit Artikel, der Unterschied zwischen bei und zu, zwischen aus und von – und die Fehler, die sich mit einer einzigen Rückfrage vermeiden lassen.

Die Frage entscheidet: Wohin? Wo? Woher?

Ortsangaben im Deutschen hängen an drei Fragen. Wer sie trennt, wählt die Präposition fast automatisch richtig:

FragePräpositionenBeispiele
Wohin? (Ziel)nach, zu, in, an, aufnach Berlin, zum Arzt, in die Stadt, ans Meer, auf die Post
Wo? (Ort)in, bei, an, auf, vor, hinter, neben, zwischenin Berlin, bei meiner Schwester, am Bahnhof, auf dem Markt
Woher? (Herkunft)aus, vonaus Polen, aus dem Haus, vom Arzt, von der Arbeit

Bei in, an, auf, vor, hinter, neben, über, unter, zwischen wechselt zusätzlich der Kasus: Wohin? → Akkusativ, Wo? → Dativ. Diese Regel steht ausführlich unter Wechselpräpositionen. nach, zu, bei, aus, von stehen dagegen immer mit Dativ – hier müssen Sie nur die richtige Präposition treffen.

nach, zu oder in? – die wichtigste Entscheidung

PräpositionWann?Beispiele
nach + DativStädte, Länder ohne Artikel, Kontinente, Himmelsrichtungen, Inseln; dazu die feste Wendung nach Hausenach Hamburg, nach Italien, nach Afrika, nach Norden, nach Hause
zu + DativPersonen, Berufe, Institutionen als Einrichtung, Geschäfte, Veranstaltungen – man geht dorthin, betritt aber nicht unbedingt einen Raumzu meiner Schwester, zum Arzt, zur Bank, zum Bahnhof, zur Arbeit, zum Deutschkurs
in + AkkusativRäume und Gebäude, die man betritt; Länder mit Artikel; Gebiete und begrenzte Räumein die Küche, ins Kino, in die Schweiz, in die Türkei, in den Wald, in die Stadt

Oft sind zu und in beide möglich – mit einem feinen Unterschied: Ich gehe zur Schule heißt „ich bin Schülerin“ oder „ich gehe in Richtung Schulgebäude“; Ich gehe in die Schule heißt: ich betrete das Gebäude. Ich gehe zum Supermarkt (dorthin) – Ich gehe in den Supermarkt (hinein). Auf A1 und A2 lernt man zuerst die feste Zuordnung, auf B1 den Unterschied.

Länder mit Artikel

Einige Ländernamen haben einen Artikel; dann steht nicht nach, sondern in + Akkusativ (Wohin) beziehungsweise in + Dativ (Wo):

  • die Schweiz, die Türkei, die Ukraine, die Slowakei, die Mongolei → in die Schweiz fahren – in der Schweiz leben
  • der Iran, der Irak, der Sudan, der Libanon → in den Iran reisen – im Iran arbeiten
  • die USA, die Niederlande, die Philippinen (Plural) → in die USA fliegen – in den USA wohnen

Alle anderen Länder stehen ohne Artikel: nach Deutschland, nach Frankreich, nach Brasilien. Mehr zu Artikeln unter Der, die oder das?

bei oder zu? – der Klassiker

zu antwortet auf Wohin?, bei auf Wo? Beide stehen mit Dativ, beide werden mit Personen und Institutionen benutzt – deshalb die Verwechslung:

Wohin? – zuWo? – bei
Ich gehe zum Arzt.Ich bin beim Arzt.
Sie fährt zu ihren Eltern.Sie wohnt bei ihren Eltern.
Er kommt zu mir.Er arbeitet bei Siemens.

bei bedeutet außerdem „in der Nähe von“ (Potsdam liegt bei Berlin) und „während“ (beim Essen, bei der Arbeit). Die Verschmelzungen beim (= bei dem), zum (= zu dem) und zur (= zu der) sind fest.

aus oder von? – Herkunft und Ausgangspunkt

aus + Dativvon + Dativ
Herkunft: Land, Stadt, Region – Ich komme aus Syrien / aus Kiel.Personen: Ich komme von meiner Schwester.
aus einem Raum oder Gebäude heraus: Sie geht aus dem Haus, aus dem Zimmer.Ausgangspunkt einer Strecke: Der Zug kommt von Hamburg. Von der Arbeit nach Hause.
Material: Der Tisch ist aus Holz.Richtung, Seite: von links, von oben, von vorn.

Faustregel: Wo man mit in oder bei hineingeht, kommt man mit aus heraus; wo man mit zu hingeht, kommt man mit von zurück. Ich gehe in die Schule – Ich komme aus der Schule. Ich gehe zum Arzt – Ich komme vom Arzt.

an und auf bei Ortsangaben

  • an – an einer Linie, Kante oder einem Gewässer: am Fenster, an der Wand, an der Tür, am Rhein, ans Meer, an die Ostsee, am Bahnhof (davor, nicht darin).
  • auf – auf einer waagerechten Fläche: auf dem Tisch, auf dem Boden, auf dem Land (= nicht in der Stadt); außerdem bei offenen Plätzen und vielen Ämtern: auf dem Markt, auf dem Platz, auf der Post, auf der Bank, aufs Amt.
  • Regional und umgangssprachlich sind bei Ämtern beide Varianten üblich: auf die Post und zur Post, auf die Bank und zur Bank – beides ist korrekt.

Typische Fehler – und was dagegen hilft

FehlerRichtigWarum
Ich fahre in Berlin.Ich fahre nach Berlin.Stadt ohne Artikel → nach (Wohin). In Berlin wäre der Ort (Wo).
Ich gehe nach dem Arzt.Ich gehe zum Arzt.Personen und Berufe → zu.
Ich gehe nach Hause meiner Freundin.Ich gehe zu meiner Freundin.nach Hause meint nur das eigene Zuhause.
Ich fliege nach die Türkei.Ich fliege in die Türkei.Land mit Artikel → in + Akkusativ.
Ich war zu meiner Schwester.Ich war bei meiner Schwester.Wo? → bei. zu nur bei Bewegung.
Ich komme von Polen.Ich komme aus Polen.Herkunftsland → aus.
Ich bin in die Arbeit.Ich bin auf der Arbeit / bei der Arbeit.Wo? → Dativ; süddeutsch und österreichisch auch in der Arbeit.
Ich gehe nach Hause für „ich bin zu Hause“Ich bin zu Hause.nach Hause = Wohin, zu Hause = Wo.

Was auf welcher Stufe erwartet wird

StufeErwartung
A1Feste Wendungen: nach Hause, zu Hause, zum Arzt, in die Stadt, aus Deutschland; Herkunft nennen
A2nach / zu / in sicher trennen, Länder mit und ohne Artikel, den Weg beschreiben
B1bei / zu und aus / von ohne Nachdenken; Wegbeschreibungen und Erzählungen fehlerfrei
B2 und höherAutomatisiert, auch bei übertragener Bedeutung (bei uns im Betrieb, aus meiner Sicht, zu diesem Ergebnis kommen)

So arbeiten wir im Unterricht daran

Ortsangaben lernt man an echten Wegen. Im Einzelunterricht beschreiben wir Ihren Tag: Wohin gehen Sie morgens, wo sind Sie mittags, woher kommen Sie abends? Jede Antwort ist eine Übung mit nach, zu, in, bei, aus, von, und ich frage konsequent zurück: Wohin oder wo? Dazu kommen Wegbeschreibungen, Termine bei Ämtern und Reisepläne – genau die Situationen, in denen diese Präpositionen in Prüfungen wie DTZ und telc B1 vorkommen. Der Rahmen ist das Grammatiktraining.

Häufige Fragen

Wann benutzt man nach, wann zu und wann in?

nach steht bei Städten, Ländern ohne Artikel, Kontinenten und Himmelsrichtungen sowie in der Wendung nach Hause: nach Hamburg, nach Italien, nach Norden. zu steht bei Personen, Berufen, Institutionen und Geschäften: zum Arzt, zur Bank, zu meiner Schwester. in steht bei Räumen und Gebäuden, die man betritt, und bei Ländern mit Artikel: in die Küche, ins Kino, in die Schweiz.

Bei Gebäuden sind zu und in oft beide möglich: zum Supermarkt heißt dorthin, in den Supermarkt heißt hinein.

Heißt es in die Schweiz oder nach der Schweiz?

In die Schweiz. Ländernamen mit Artikel – die Schweiz, die Türkei, die Ukraine, der Iran, der Irak, die USA, die Niederlande – stehen mit in: Wohin? in + Akkusativ (in die Türkei fliegen), Wo? in + Dativ (in der Türkei leben).

Nur Länder ohne Artikel nehmen nach: nach Deutschland, nach Frankreich, nach Brasilien.

Was ist der Unterschied zwischen bei und zu?

zu beantwortet die Frage Wohin (Bewegung), bei die Frage Wo (Aufenthalt): Ich gehe zum Arzt – Ich bin beim Arzt. Ich fahre zu meinen Eltern – Ich wohne bei meinen Eltern.

bei bedeutet außerdem in der Nähe von (Potsdam liegt bei Berlin) und während (beim Essen, bei der Arbeit). Beide Präpositionen stehen immer mit Dativ.

Sagt man aus Polen oder von Polen?

Aus Polen. Bei der Herkunft aus einem Land, einer Stadt oder Region steht aus: Ich komme aus Syrien, aus Kiel. von steht bei Personen und bei Ausgangspunkten einer Strecke: Ich komme von meiner Schwester, von der Arbeit, der Zug kommt von Hamburg.

Faustregel: Wo man mit in oder bei hineingeht, kommt man mit aus heraus; wo man mit zu hingeht, kommt man mit von zurück.

Warum heißt es nach Hause, aber zu Hause?

nach Hause ist die Richtung (Wohin?): Ich gehe nach Hause. zu Hause ist der Ort (Wo?): Ich bin zu Hause. Beide Wendungen sind feste Ausdrücke und werden nicht verändert.

Bei anderen Personen heißt es dagegen zu meiner Freundin (Wohin) und bei meiner Freundin (Wo) – nicht nach Hause meiner Freundin.

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Wohin, wo, woher – bis die Präposition von selbst kommt

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