Die drei Stufen
Deutsche Adjektive haben drei Stufen: die Grundform (Positiv), den Komparativ auf -er und den Superlativ auf -st. Anders als im Englischen gibt es keine Umschreibung mit more und most – auch lange Adjektive nehmen die Endung:
| Positiv | Komparativ | Superlativ |
|---|---|---|
| schnell | schneller | am schnellsten / der, die, das schnellste |
| klein | kleiner | am kleinsten |
| interessant | interessanter | am interessantesten |
| kompliziert | komplizierter | am kompliziertesten |
Interessanter heißt also „more interesting“, nicht „mehr interessant“ – einer der häufigsten Fehler aus dem Englischen und den romanischen Sprachen.
Die Bildungsregeln im Detail
-esten nach d, t, s, ß, sch, z, x
Endet das Adjektiv auf einen dieser Laute, wird der Superlativ mit -esten gebildet, damit man ihn aussprechen kann: am weitesten, am lautesten, am heißesten, am hübschesten, am kürzesten, am wildesten. Ausnahme: groß – am größten.
Umlaut bei einsilbigen Adjektiven mit a, o, u
Viele einsilbige Adjektive mit a, o, u bekommen in Komparativ und Superlativ einen Umlaut. Eine sichere Regel gibt es nicht – die häufigsten sind:
| mit Umlaut | ohne Umlaut |
|---|---|
| alt – älter – am ältesten arm – ärmer – am ärmsten groß – größer – am größten hart – härter – am härtesten jung – jünger – am jüngsten kalt – kälter – am kältesten klug – klüger – am klügsten krank – kränker – am kränksten kurz – kürzer – am kürzesten lang – länger – am längsten scharf – schärfer – am schärfsten schwach – schwächer – am schwächsten stark – stärker – am stärksten warm – wärmer – am wärmsten |
bunt – bunter – am buntesten froh – froher – am frohesten klar – klarer – am klarsten laut – lauter – am lautesten rund – runder – am rundesten schlank – schlanker – am schlanksten stolz – stolzer – am stolzesten toll – toller – am tollsten voll – voller – am vollsten alle mehrsilbigen: langsam – langsamer alle mit au: laut, blau, schlau (kein äu) schwankend: gesund – gesünder/gesunder, rot – röter/roter |
Adjektive auf -el und -er verlieren das e
dunkel – dunkler – am dunkelsten, teuer – teurer – am teuersten, sensibel – sensibler, flexibel – flexibler. Im Superlativ bleibt das e erhalten.
Die unregelmäßigen Formen
Diese Handvoll muss man auswendig lernen – sie kommen im Alltag ständig vor:
| Positiv | Komparativ | Superlativ |
|---|---|---|
| gut | besser | am besten |
| viel | mehr | am meisten |
| gern | lieber | am liebsten |
| hoch | höher | am höchsten |
| nah | näher | am nächsten |
| groß | größer | am größten (nicht: größesten) |
| bald | eher | am ehesten |
| oft | öfter / häufiger | am häufigsten |
gern – lieber – am liebsten ist die wichtigste Zeile für den Alltag: Ich trinke gern Tee, aber lieber Kaffee – und am liebsten Espresso. So drückt man im Deutschen Vorlieben aus; ein Verb wie prefer braucht man nicht.
Vergleichen: so … wie und als
Hier passiert der häufigste Fehler – auch bei Muttersprachlern:
| Vergleich | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Gleichheit | (genau)so + Positiv + wie | Berlin ist so groß wie Madrid. – Er ist genauso alt wie ich. |
| Ungleichheit | nicht so + Positiv + wie | Köln ist nicht so groß wie Berlin. |
| Unterschied | Komparativ + als | Berlin ist größer als Köln. – Ich bin älter als meine Schwester. |
| Steigerung des Unterschieds | viel / noch / etwas + Komparativ | Berlin ist viel größer als Köln. – Das ist etwas teurer. |
Nach dem Komparativ steht in der Standardsprache immer als. Größer wie hört man in vielen Regionen, gilt aber schriftlich und in Prüfungen als Fehler. wie gehört zu so. Die Person nach als und wie steht im selben Fall wie das, womit verglichen wird – meist Nominativ: Sie ist älter als ich (nicht: als mich).
Der Superlativ: am -sten oder der -ste?
Der Superlativ hat zwei Formen, und die Wahl ist einfach:
- am -sten nach dem Verb (prädikativ) und als Adverb: Dieser Weg ist am kürzesten. – Sie läuft am schnellsten.
- der/die/das -ste vor einem Nomen oder anstelle eines Nomens: Das ist der kürzeste Weg. – Von allen Wegen ist das der kürzeste.
Das am ist in Wirklichkeit an dem – deshalb kann es nie vor einem Nomen stehen. Wer sich merkt „am ohne Nomen, der/die/das mit Nomen“, macht hier keinen Fehler mehr.
Komparativ und Superlativ vor dem Nomen
Vor einem Nomen bekommen Komparativ und Superlativ – wie jedes Adjektiv – zusätzlich die Adjektivendung. Die Steigerungsendung kommt zuerst, die Deklinationsendung danach:
- ein besserer Job (Nominativ maskulin nach ein)
- mit einem größeren Auto (Dativ)
- die wichtigste Frage (Nominativ feminin)
- das schnellste Auto, die schnellsten Autos
- meine ältere Schwester, mein jüngster Bruder
Dass ein besserer zwei er hintereinander hat, verwirrt viele – aber es ist logisch: besser + -er (Endung nach ein im Nominativ maskulin).
Immer, je … desto und der absolute Komparativ
| Struktur | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| immer + Komparativ | fortschreitende Entwicklung | Die Mieten werden immer teurer. – Ich spreche immer besser. |
| je + Komparativ, desto/umso + Komparativ | zwei Entwicklungen hängen zusammen | Je mehr ich spreche, desto sicherer werde ich. – Je früher, desto besser. |
| absoluter Komparativ | kein echter Vergleich, sondern Abschwächung | eine ältere Dame (= nicht jung, aber auch nicht alt) – eine längere Zeit – ein größerer Betrag |
Bei je … desto ist der je-Satz ein Nebensatz (Verb am Ende), der desto-Satz ein Hauptsatz mit dem Verb direkt nach dem Komparativ: Je länger ich warte, desto nervöser werde ich. Die Struktur ist ab B1 ein sicheres Zeichen für gute Grammatik. Wie Nebensätze gebaut werden, steht unter Nebensätze und Konjunktionen.
Was auf welcher Stufe verlangt wird
| Stufe | Erwartung |
|---|---|
| A1 | gern – lieber – am liebsten; gut – besser; einfache Vergleiche mit als |
| A2 | Regelmäßige Bildung mit Umlaut; alle unregelmäßigen Formen; so … wie und als; Superlativ mit am – siehe A2-Kurs |
| B1 | Komparativ und Superlativ vor dem Nomen mit Endung; immer + Komparativ; je … desto – siehe B1-Kurs |
| B2+ | Absoluter Komparativ, umso, nominalisierte Superlative (das Beste, das Wichtigste), Steigerung von Partizipien (der am häufigsten genannte Grund) |
Typische Fehler – und was dagegen hilft
- mehr + Adjektiv: Das ist mehr interessant. Gegenmittel: Immer die Endung – interessanter. mehr ist nur der Komparativ von viel.
- als und wie vertauscht: größer wie, so groß als. Gegenmittel: Komparativ → als; so → wie.
- am vor Nomen: das am schnellste Auto. Gegenmittel: Nomen dabei → das schnellste Auto.
- Doppelte Steigerung: am bestesten, mehr besser. Gegenmittel: unregelmäßige Formen sind schon fertig gesteigert.
- Endung vergessen vor Nomen: ein besser Job. Gegenmittel: Steigerung + Adjektivendung – ein besserer Job.
- Umlaut bei au: läuter. Gegenmittel: au wird in der Steigerung nie zu äu – lauter, blauer, schlauer.
Vergleiche gehören zu den Strukturen, die man in fast jedem Gespräch braucht – über Städte, Jobs, Wohnungen, Preise. Genau so üben wir sie: mit Ihren Vergleichen, mit Korrektur an der Stelle, an der der Fehler passiert. Wie das aussieht, beschreibt die Seite Deutsche Grammatik verstehen.
Häufige Fragen
Wie bildet man Komparativ und Superlativ im Deutschen?
Komparativ: Adjektiv + -er (schneller, interessanter). Superlativ: am + Adjektiv + -sten (am schnellsten) oder der/die/das + Adjektiv + -ste vor einem Nomen (das schnellste Auto). Nach d, t, s, ß, sch, z, x heißt es -esten: am lautesten.
Eine Umschreibung mit mehr gibt es nicht – auch lange Adjektive nehmen die Endung.
Wann sagt man als und wann wie?
Nach dem Komparativ steht als: größer als, besser als. wie gehört zu so und drückt Gleichheit aus: so groß wie, genauso gut wie.
größer wie ist regional verbreitet, gilt aber in der Standardsprache und in Prüfungen als Fehler.
Welche Adjektive haben eine unregelmäßige Steigerung?
Die wichtigsten: gut – besser – am besten, viel – mehr – am meisten, gern – lieber – am liebsten, hoch – höher – am höchsten, nah – näher – am nächsten, groß – größer – am größten. Dazu bald – eher – am ehesten.
Wann bekommt der Komparativ einen Umlaut?
Nur bei einsilbigen Adjektiven mit a, o, u – und auch dort nicht immer: alt – älter, groß – größer, jung – jünger, kurz – kürzer, lang – länger, warm – wärmer, aber klar – klarer, laut – lauter, voll – voller, froh – froher. Mehrsilbige Adjektive und Adjektive mit au bekommen nie einen Umlaut.
Wann heißt es am besten und wann der beste?
am besten steht ohne Nomen – nach dem Verb oder als Adverb: Dieser Weg ist am besten. Sie spricht am besten. der/die/das beste steht vor einem Nomen oder an seiner Stelle: der beste Weg; von allen ist das der beste.
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