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Grammatik verstehen · A1 bis B2

Fragen bilden auf Deutsch: Ja/Nein-Fragen, W-Fragen und indirekte Fragen

Wer fragen kann, kann ein Gespräch führen – auch mit wenig Wortschatz. Das Deutsche macht es dabei leichter als viele andere Sprachen: Es gibt kein Hilfsverb für Fragen, man stellt einfach das Verb an den Anfang oder hinter ein Fragewort. Schwieriger sind die Fragewörter selbst (wer, wen, wem – wo, wohin, woher – welcher, was für ein – womit, worauf) und die indirekten Fragen, die ab B1 in jeder Prüfung und in jedem höflichen Gespräch mit Behörde oder Kunde vorkommen. Hier steht alles auf einer Seite.

Die zwei Grundtypen: Verb an Position 1 oder 2

FragetypWortstellungBeispieleAntwort
Ja/Nein-Frage (Entscheidungsfrage)Verb – Subjekt – RestKommst du morgen? – Haben Sie einen Termin? – Können Sie mir helfen? – Ist das Büro heute geöffnet?ja / nein / doch
W-Frage (Ergänzungsfrage)Fragewort – Verb – Subjekt – RestWann kommst du? – Wo wohnen Sie? – Warum ist das Büro geschlossen?eine Information

Bei zweiteiligen Verben – Modalverb + Infinitiv, Perfekt, trennbare Verben – bleibt die Satzklammer erhalten: Kannst du mir helfen? Hast du die E-Mail gelesen? Wann fängt der Kurs an? Der konjugierte Teil wandert nach vorn, der Rest bleibt am Ende.

Es gibt kein „do“: Wer aus dem Englischen kommt, sucht oft nach einem Hilfsverb. Im Deutschen ist Sprechen Sie Deutsch? die vollständige Frage – die Verbstellung allein macht den Satz zur Frage. In der gesprochenen Sprache kann auch ein Aussagesatz mit steigender Stimme eine Frage sein: Du kommst morgen? – aber das ist umgangssprachlich und nichts für Prüfungen.

Die Fragewörter im Überblick

FragewortFragt nachBeispielAb
wer / wen / wem / wessenPerson – im Nominativ, Akkusativ, Dativ, GenitivWer ist das? – Wen rufst du an? – Wem gehört die Tasche? – Wessen Auto ist das?A1 / A2
wasSache oder TätigkeitWas ist das? – Was machst du beruflich?A1
woOrt (Ruhe)Wo wohnen Sie? – Wo ist die Toilette?A1
wohinZiel (Bewegung)Wohin fährst du im Urlaub? – Wo gehst du hin?A1
woherHerkunftWoher kommen Sie? – Woher weißt du das?A1
wannZeitpunktWann beginnt der Kurs? – Seit wann lernen Sie Deutsch? – Bis wann?A1
wieArt und Weise; mit Adjektiv: MaßWie geht es Ihnen? – Wie heißen Sie? – Wie alt / wie lange / wie oft / wie viel / wie viele / wie weit / wie spät?A1
warum / wieso / weshalbGrundWarum lernen Sie Deutsch? – Wieso ist der Zug ausgefallen?A1 / A2
wozuZweckWozu brauchen Sie das Formular?B1
welcher / welche / welchesAuswahl aus Bekanntem – wird wie der/die/das dekliniertWelchen Kurs nehmen Sie? – In welchem Stock? – Welche Sprache sprichst du?A2
was für ein / eine / einArt, Eigenschaft – nur ein wird dekliniertWas für ein Auto hast du? – Was für einen Job suchen Sie? – Was für Bücher liest du? (Plural ohne Artikel)A2 / B1

Fragewörter mit Präposition: mit wem, womit, worauf

Wenn das Verb eine feste Präposition hat (warten auf, sprechen mit, sich interessieren für), steht die Präposition auch in der Frage – und zwar vor dem Fragewort, nicht am Satzende wie im Englischen:

BezugFormBeispiele
PersonPräposition + wem / wenMit wem sprichst du? – Auf wen wartest du? – Für wen ist das Paket? – Bei wem haben Sie Unterricht?
Sachewo(r) + PräpositionWomit fährst du zur Arbeit? – Worauf wartest du? – Wofür interessieren Sie sich? – Worüber habt ihr gesprochen? – Woran denkst du? – Wovon handelt der Text?

Das -r- wird eingefügt, wenn die Präposition mit Vokal beginnt: worauf, worüber, woran, worin – aber womit, wofür, wovon, wonach. Welche Präposition zu welchem Verb gehört, steht unter Verben mit Präpositionen. Dieselbe Logik gilt für die Antworten: Worauf wartest du? – Darauf, dass der Bus kommt.

Indirekte Fragen: höflich und ab B1 Pflicht

Eine Frage kann in einen anderen Satz eingebettet werden. Dann wird sie zum Nebensatz – das Verb steht am Ende:

Direkte FrageIndirekte Frage
Ist das Büro heute geöffnet?Wissen Sie, ob das Büro heute geöffnet ist?
Wann öffnet das Büro?Können Sie mir sagen, wann das Büro öffnet?
Wo muss ich das Formular abgeben?Ich möchte wissen, wo ich das Formular abgeben muss.
Hat er die E-Mail bekommen?Ich bin nicht sicher, ob er die E-Mail bekommen hat.
Mit wem soll ich sprechen?Könnten Sie mir sagen, mit wem ich sprechen soll?

Die Regel: Ja/Nein-Frage → ob; W-Frage → dasselbe Fragewort. Typische Einleitungen: Wissen Sie, …? – Können / Könnten Sie mir sagen, …? – Ich möchte wissen, … – Ich frage mich, … – Es ist unklar, … – Sagen Sie mir bitte, … Indirekte Fragen sind die Form, mit der man bei Behörden, Ärzten und Kunden höflich nachfragt – und ein Standardbaustein in formellen E-Mails: Ich möchte Sie fragen, ob …

Rückfragen und Nachfragen im Gespräch

Ein eigener Fragetyp, den Lernende täglich brauchen – und der in mündlichen Prüfungen ausdrücklich bewertet wird:

  • Nicht verstanden: Wie bitte? – Könnten Sie das bitte wiederholen? – Was bedeutet „Sachbearbeiter“? – Wie schreibt man das?
  • Verstehen sichern: Habe ich richtig verstanden, dass …? – Meinen Sie, dass …? – Also morgen um zehn, richtig?
  • Bestätigungsfragen (Frageanhängsel): Sie kommen doch morgen, oder? – Das ist der richtige Raum, nicht wahr? – Du hast das gesehen, ne? (umgangssprachlich)
  • Interesse zeigen: Und Sie? – Wirklich? – Wie war das für Sie? – Was meinen Sie dazu? – die Fragen, die ein Gespräch am Laufen halten; mehr unter Small Talk.

Höflich fragen: die Stufen der Höflichkeit

Eine direkte Frage ist im Deutschen nicht unhöflich – aber es gibt Abstufungen, die man kennen sollte, besonders im Beruf:

StufeFormBeispiel
neutraldirekte FrageWo ist der Besprechungsraum?
höflichModalverb könnenKönnen Sie mir sagen, wo der Besprechungsraum ist?
sehr höflichKonjunktiv IIKönnten Sie mir sagen, wo der Besprechungsraum ist? – Wüssten Sie zufällig, …? – Wäre es möglich, …?
Bitte statt FrageKonjunktiv II + gernIch hätte gern gewusst, ob … – Ich würde gern erfahren, wann …

Antworten: ja, nein, doch

FrageZustimmungWiderspruch
positiv: Kommst du mit?Ja.Nein.
negativ: Kommst du nicht mit? – Hast du keine Zeit?Nein. (= stimmt, ich komme nicht)Doch! (= ich komme sehr wohl mit)

Doch hat in vielen Sprachen keine Entsprechung und ist eines der nützlichsten Wörter des Deutschen. Mehr zur Verneinung unter Nicht oder kein?, mehr zu doch als Partikel unter Modalpartikeln.

Typische Fehler – und was dagegen hilft

FehlerWas dagegen hilft
Aussagesatz mit Fragezeichen – Du kommst morgen? in der PrüfungVerb nach vorn: Kommst du morgen? Zehn Aussagesätze in Fragen umbauen – laut.
Verb an Position 3 in der W-Frage – Wann du kommst?Das ist die Nebensatzstellung. Direkte Frage: Fragewort, dann sofort das Verb. Nur nach Wissen Sie, … steht es am Ende.
wo für alles – Wo gehst du? Wo kommst du?Drei Fragen, drei Antworten: Wo? – im Büro. Wohin? – ins Büro. Woher? – aus dem Büro. Mit den Wechselpräpositionen zusammen üben.
Präposition am Satzende – Wem sprichst du mit?Präposition vor das Fragewort: Mit wem sprichst du? Bei Sachen wo(r)-: Worüber sprichst du?
wer nicht dekliniert – Wer hast du angerufen?wer – wen – wem – wessen folgt der – den – dem – des. Mit den vier Fällen zusammen lernen: Wen siehst du? Wem hilfst du?
dass statt ob – Ich weiß nicht, dass er kommtob = Ja/Nein-Frage im Nebensatz; dass = Tatsache. Ich weiß nicht, ob er kommt. – Ich weiß, dass er kommt.
Fragezeichen in der indirekten Frage – Ich möchte wissen, wann Sie öffnen?Nur wenn der Hauptsatz eine Frage ist: Können Sie mir sagen, wann Sie öffnen? – Ich möchte wissen, wann Sie öffnen.
ja auf negative Frage – Hast du keine Zeit? – Ja.Auf verneinte Fragen: doch (Widerspruch) oder nein (Zustimmung). Ja ist hier missverständlich.

Was auf welcher Stufe erwartet wird

StufeErwartung
A1Ja/Nein-Fragen und W-Fragen mit wer, was, wo, wohin, woher, wann, wie, warum; Fragen zur Person (Wie heißen Sie? Woher kommen Sie? Was sind Sie von Beruf?); Rückfragen Wie bitte?; in der Prüfung: Fragen zu einem Thema stellen (Goethe A1 Sprechen Teil 2, DTZ)
A2wen, wem, welcher, was für ein; Fragen mit Präposition (mit wem, wofür); Fragen im Perfekt und mit Modalverben; höfliche Fragen mit Könnten Sie …?; Terminfragen am Telefon
B1Indirekte Fragen mit ob und Fragewort in Brief und Gespräch; wo(r)--Fragen sicher; Nachfragen und Verstehen sichern in der mündlichen Prüfung; Fragen in der Diskussion (Was meinen Sie dazu?)
B2Fragen als Stilmittel in Vorträgen und Stellungnahmen (rhetorische Fragen); höfliche Nachfragen in Verhandlungen; gezielte Fragen beim Hörverstehen von Interviews; wessen, inwiefern, inwieweit

So arbeiten wir im Unterricht daran

Fragen sind das Werkzeug, mit dem Lernende ein Gespräch steuern können – deshalb stehen sie im Sprechtraining von Anfang an im Mittelpunkt. Im Einzelunterricht tauschen wir regelmäßig die Rollen: Sie interviewen mich, Sie erfragen Informationen in simulierten Situationen (Telefonat, Behörde, Vorstellungsgespräch), Sie fragen nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Ab B1 üben wir die indirekten Fragen für Briefe und mündliche Prüfungen, bis Könnten Sie mir sagen, ob … automatisch kommt. Den Rahmen beschreibt Deutsche Grammatik verstehen.

Häufige Fragen

Wo steht das Verb in einer deutschen Frage?

Bei Ja/Nein-Fragen an Position 1: Kommst du morgen? Haben Sie Zeit? Bei W-Fragen an Position 2, direkt nach dem Fragewort: Wann kommst du? Wo wohnen Sie?

Bei indirekten Fragen – also Fragen, die in einem anderen Satz stecken – rutscht das Verb ans Ende: Ich weiß nicht, wann er kommt. Es gibt im Deutschen kein Hilfsverb wie das englische do – man stellt einfach das Verb um.

Was ist der Unterschied zwischen wo, wohin und woher?

Wo fragt nach dem Ort ohne Bewegung: Wo bist du? – Zu Hause. Wohin fragt nach dem Ziel einer Bewegung: Wohin gehst du? – Nach Hause / in die Stadt. Woher fragt nach der Herkunft: Woher kommst du? – Aus Syrien / vom Arzt.

Die Unterscheidung spiegelt die Wechselpräpositionen: wo → Dativ (in der Stadt), wohin → Akkusativ (in die Stadt). In der Umgangssprache wird wohin oft getrennt: Wo gehst du hin?

Wann antwortet man mit doch?

Wenn die Frage eine Verneinung enthält und man ihr widerspricht: Kommst du nicht mit? – Doch! (= Ich komme mit.) Hast du keine Zeit? – Doch, ich habe Zeit.

Ein ja wäre hier missverständlich. Stimmt man der Verneinung zu, sagt man nein: Kommst du nicht mit? – Nein, ich bleibe hier.

Wie bildet man eine indirekte Frage?

Eine Ja/Nein-Frage wird mit ob eingeleitet: Ist das Büro offen? → Wissen Sie, ob das Büro offen ist? Eine W-Frage behält ihr Fragewort: Wann öffnet das Büro? → Wissen Sie, wann das Büro öffnet? In beiden Fällen steht das Verb am Ende.

Indirekte Fragen sind die höfliche Form in Beruf und Behörde: Könnten Sie mir sagen, wo ich das Formular abgeben muss? klingt freundlicher als Wo muss ich das Formular abgeben?

Was ist der Unterschied zwischen welcher und was für ein?

Welcher fragt nach einer Auswahl aus bekannten Möglichkeiten und wird mit dem bestimmten Artikel beantwortet: Welches Auto nimmst du – das rote oder das blaue? Was für ein fragt nach der Art oder Eigenschaft und wird mit dem unbestimmten Artikel beantwortet: Was für ein Auto hast du? – Einen Kleinwagen.

Welcher wird wie der bestimmte Artikel dekliniert (welchen, welchem, welches), bei was für ein wird nur ein dekliniert – für hat hier keinen Einfluss auf den Fall.

Preise

Einzelunterricht

45 € / 60 Min.

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Kleingruppe

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2–3 Personen · kommunikativ

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Fragen, die ankommen – im Alltag, im Beruf, in der Prüfung

Wer sicher fragen kann, führt das Gespräch. Im Einzelunterricht üben wir Fragen in echten Situationen – vom Termin am Telefon bis zur höflichen Nachfrage beim Kunden – und die indirekten Fragen für Briefe und Prüfungen. Das Erstgespräch ist kostenlos.

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